Hopfazupfa-Jahrtag in Scheyern

Ein Höhepunkt im Terminkalender dieses Blogs ist heuer zweifelsfrei das Fest zum Hopfazupfa-Jahrtag in Scheyern gewesen!

Das Blogteam hatte sich dort verabredet. Und wie bei unserem ersten Ausflug nach Scheyern im vergangenen Jahr sind wir wieder in der Art einer Sternfahrt jeder auf seine Weise angereist: ralf aus der Landeshauptstadt mit dem Fahrrad, die anderen aus Franken, und zwar willi mit seinem Wohnmobil, benhur und oliver mit dem Motorrad.

Festprogramm

Auf dem Hopfazupfafest war an diesem Tag ein sehr umfangreiches Programm geboten

  • Weisswurstfrühstück
  • Kräutersegnung
  • Kutschenfahrten
  • Hopfenzupfen – für alle und für Promis
  • Essen und Brotzeiten aus der Klostermetzgerei
  • Steckerlfisch
  • Kaffee und Kuchen
  • Goaßlschnalzereinlagen
  • den ganzen Tag lang Volksmusik, gespielt von regionalen Gruppen
  • und zu all dem das extra für das Fest gebraute Bier – in Hell und in Dunkel. Das eigentliche Hopfazupfabier ist jedoch das Helle.

Vormittag

Weil ralf so gerne Weisswürste isst, war er, obwohl mit dem langsamsten Gefährt unterwegs, pünktlich um 09:00 Uhr zum Beginn des Festes der erste aus dem Team, der in Scheyern eintraf. Das Fest findet seit ein paar Jahren immer im Prielhof statt, einem stattlichen Meierhof des Klosters am Ortseingang gelegen. Auf allen vier Seiten umgeben alte Gebäude und Stallungen den großen Platz, was eine wunderbare Atmosphäre schafft. ralf konnte diese Stimmung dank seiner frühmorgendlichen Ankunft sehr schön im Bild festhalten.

Nach dem „Frühstück“ machte ralf sich dann auf, sein Quartier in der Pension Waldesruh im nahgegelegenen Ort Fürholzen zu beziehen. Zurück wären es knappe 5km Fußmarsch gewesen. Deshalb ließ er sich kurz nach Mittag von willi abholen und im Wohnmobil zurück zum Fest kutschieren.

Nachmittag

In der Zwischenzeit waren auch unsere Motorbiker in Scheyern eingetroffen. Sie fuhren jedoch erst mal zum Kloster, wo wir ja schon mal zur Bierverkostung waren. Anfänger-Fehler! Aber mit ihrem Blog-ums-Bier-Instinkt merkten sie sofort, dass das Fest woanders war, und fanden auch sehr schnell den Prielhof. Als sie dort eintreffen, sind an diesem sonnigen Feiertag bereits alle beschirmten Schattenplätze belegt, also heißt es erstmal, sich innerliche Abkühlung zu verschaffen. Es war genügend Festbier vorrätig, das Helle und das Dunkle, die an diesem langen Festtag beide mehrfach ausgiebig probiert wurden. Jetzt, da das Blog-ums-Bier Team komplett war, konnte das Fest so richtig los gehen!

Hopfatee

Die schönste Maß des Tages war für jeden natürlich die erste Maß. Mit traumhaft schöner Farbe steht das Bier unter einer perfekten Schaumkrone im Krug. Der Duft darüber feinhopfig, aber klösterlich demütig zurückhaltend. Nicht so derb, wie man erwarten würde, wenn man zu einem Hopfenfest kommt. So der erste Eindruck in der Sommersonne. Mit den nächsten Schlucken übten sich Nase und Gaumen aber mehr und mehr im Umgang mit dem feinen Nass, die Wahrnehmung der Hopfenwürze verstärkte sich aufs Angenehmste. Das Hopfazupfabier war eine höchst gelungene Variation des Klosterbieres, das beim Blogteam wegen seines feinmalzigen und scheyern-typischen samtigen Weichheit sehr beliebt ist. Wir konnten bald gar nicht mehr genug bekommen von dem erfrischenden Hofpenteegetränk.

Feiern in Scheyern

Die Benediktiner verstehen was vom Feiern und vom Geschäft drumrum, das merkte man an allen Ecken und Enden. Die Weisswürste aus der Klostermetzgerei hatten eine Qualität und einen Geschmack, die auch in der Hauptstadt des Freistaates kaum übertroffen werden. Ein nettes Detail hierzu: Zum Fest wurden nur Riesenbrezen geliefert, die kleinen Standardbrezen hatte man vergessen. Aber kein Problem – schnell waren die Verkaufspreise angepasst, die Verkäufer/innen korrigierten die Essensmarken mit dem Kugelschreiber, und geschmeckt hat es mindestens so gut wie mit den normalen Brezen. Und wer die Riesenbreze mit den Weisswürsten nicht ganz vertilgen konnte, hatte mit dem Steckerlfisch noch eine zweite Beilage zur Breze.

Benediktiner

Und auch beim Rahmenprogramm war der Geschäftssinn der Benediktiner deutlich zu erkennen. Der Pater Lukas hat bei seiner Festansprache an Mariä Himmelfahrt nämlich zur heiligen Jungfrau gesprochen, sie möge für gutes Wetter sorgen, aber nicht allzu heiss solle es dabei werden,

damit uns das Bier nicht wieder so schnell ausgeht!

Die Benediktiner in Scheyern sind übrigens keine hauptberuflichen Mönche, sondern alles Priester, klärten uns einheimische Festbesucher auf.

Historisches: Kutschenfahrt und Hopfenzupfen

Ein besonderes Erlebnis war die Fahrt mit der Pferdekutsche einmal rund um das Festgelände. Ok, ein Spaziergang zu Fuß wäre bei so viel Nahrungs- und Getränkeaufnahme für das Blogteam vielleicht angebrachter gewesen. Aber wann hat man schon mal eine Gelegenheit, auf so schöne traditionelle Art befördert zu werden. Das ganze Fest vor der Kulisse des alten Prielhofes war so herrlich anders als die städtischen Powerfeste mit den lauten Fahrgeschäften und dem Popmusiklärm, dass wir uns für den ganzen Tag in eine andere Zeit versetzt fühlen konnten. Pferdekutsche statt Loopingachterbahn!

Zum Traditionscharakter des Festes und zum Gute-alte-Zeit-Gefühl trug dann auch das Hopfenzupfen seinen Teil bei. Die Hopfentrauben, die es zu zupfen galt, wurden ebenfalls per Pferdefuhrwerk frisch von den nahegelegenen Feldern um Scheyern geholt. Und dann konnte jeder sich beim Zupfen versuchen, d.h. die Dolden, das Grüne Gold der Hallertau, von den Trauben ablösen und in einem Korb sammeln. Das war früher eine harte und langwierige Arbeit. Heute ist diese Tätigkeit komplett automatisiert und wird rein maschinell verrichtet. Nur auf den Festen in der Hopfenregion lebt diese Tradition heute noch kurz für ein paar Tage auf. Höhepunkt des Scheyerner Festes war das Promi-Zupfen, bei dem regionale Größen um die Wette zupften. Für uns eine willkommene Gelegenheit, die für unser Blog-Hobby wichtigsten Promis abzulichten: den Abt des Klosters Scheyern, den Braumeister von Scheyern und auch die amtierende Hopfenkönigin der Halltertau, von deren Existenz wir bis dato nur aus dem Lied der Spider Murphy Gang „Ich grüße alle und den Rest der Welt“ aus den 80er Jahren wussten. Sie hat sich erstaunlich gut gehalten. Das muss von der konservierenden Wirkung des Hopfens kommen 😉 .

Musik

Was das Hopfazupfafest für uns besonders schön gemacht hat, war neben dem speziellen Bier und der herrlichen alten Kulisse die – man möchte schon fast sagen professionelle – Laienvolksmusik. Diese wird in der Hopfenregion noch fleissig gepflegt und weitergegeben. Wir staunten, wie viele Jugendliche da mitwirkten.

Der Bayerische Rundfunk unterstützt bekanntlich die Volksmusik sehr stark. So auch in Scheyern im Rahmen des Vereins „Bayern Brauch und Volksmusik“, und das ohne daraus immer gleich ein krachendes Medienspektakel zu machen. Ganz im Gegenteil: Eher familiär wirkte das Ganze. Es führte auch kein aalglatter Fernsehmoderator durch das Programm, sondern ein örtlicher Volksmusiker, der auch selbst in einer der zahlreichen sich abwechselnden Volksmusikgruppen mitspielte. Mit seiner unverfälschten bairischen Mundart verstand er es, den ganzen Tag unterhaltsam durch das Programm zu führen. Er hatte sich gut vorbereitet und zwischen den Programmteilen viele Witze und Anekdoten rund ums Thema Bier und Hopfen zum besten gegeben. Eine Kostprobe (man denke sich das ganze auf Bairisch ausgesprochen) mit Bezug zur Hopfenernte, eine Redensart aus der Hallertau:

In guten Jahren mit viel Hopfen „is jeda Hopfa a Dreg“,

in schlechten Jahren mit wenig Hopfen „is jeda Dreg a Hopfa“.

Bei so viel Spaß und Lebensfreude ließen sich die Musikanten auch durch den Einbruch der Dunkelheit nicht aufhalten und spielten sogar noch weiter, als im Prielhof bereits die Lichter ausgelöscht waren, und rund um uns schon mit dem Abbau der Festtische begonnen wurde. Die Musikanten aus den verschiedensten Gruppen setzten sich spontan im Kreis zusammen und spielten und spielten und spielten … Und wir blieben bei ihnen sitzen bis lang in die Nacht hinein.

Fazit

Der Stadtmensch bekommt heute nicht mehr allzu viel von den alten landwirtschaftlichen Traditionen mit. Wie auch, wenn in den Lokalen an der Theke das Bier zusammen mit Wasser, Cola und Limo so einfach aus dem Zapfhahn rinnt. In Scheyern konnten wir mal wieder sehen, dass das so einfach eben nicht ist. Bier wird von Menschen in einem handwerklichen Prozess hergestellt. Und es braucht ein paar spezielle Zutaten dazu: Wasser, Hopfen und Malz.

Mengenmäßig hat der Hopfen den kleinsten Anteil im Bier. Beim Hopfazupfa-Jahrtag in Scheyern wird dem Besucher aber bewusst, welche Bedeutung er weit über seine Eigenschaft als „Biergewürz“ hinaus hat. Eine ganze Region, die Halltertau, ist über Jahrhunderte hinweg durch diese Pflanze geprägt worden. Und eine echte bodenständige Verbundenheit der Menschen in und um Scheyern mit dem Hopfen ist trotz aller Industrialisierung und Verstädterung auf dem Hopfazupfa-Jahrtag ganz deutlich zu spüren, ja sie steckt den Besucher richtig an. Wir meinten fast, dazu zu gehören. Dabei trinken wir doch einfach nur so gerne gutes Bier – aus Malz und aus Hopfen!

Der Hopfen hat es wahrhaft verdient, dass man ihm ein mal ein ganzes Fest widmet. Und was für ein Spitzen-Fest das war, das Hopfazupfafest in Scheyern! Und dazu dann noch dieses extra dafür gebraute Spitzen-Bier! Einmalig! Man hat wirklich was verpasst, wenn man nicht dabei war.

Zum Glück waren wir alle da – einen einzigen  aber unvergesslichen Tag lang. Nur Oliver konnte dank seines Mitbringsels später noch einmal in eine Verlängerung gehen.

Über ralf

Ich bin der Ralf und komme aus Augschburg. Die Biere aus meiner schwäbischen Heimat liegen mir natürlich sehr am Herzen. Grundsätzlich aber mag ich alle feinen Biere. Im Besonderen verköstige ich auch gerne Craftbiere, schätze allerdings eher die nach der Regel aus dem Jahre 1516 gebrauten. Dazu gehören auch die fränkischen Rauchbiere, von denen ich einer der größten Verehrer bin. Mein Motto ist daher: "Alla Dooch fein's Seidla!"

Ein Kommentar

  1. Hallo Ralf,
    man da hast du dir ja große Mühe gemacht !
    Da muss ich ja das Lesen auf mehrere Tage verteilen !
    Gruß peter

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