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feine Biere, wo und wie wir sie am liebsten haben

Bierland Belgien

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Unsere Herbsttour führte uns kreuz und quer durch BeNeLux. Klar, daß wir immer auf „Mission“ sind, und also auch das „Bierland Belgien“ möglichst ausgiebig erkunden. Neben der schieren Vielfalt ist es vor allem für die Trappisten-Biere bekannt, die ausschliesslich in Klosterbrauereien gebraut werden und deren Erlös immer auch soziale Projekte fördert. Unsere Recherche ergab 6 Brauereien in Belgien und eine in den Niederlanden:

  • Rochefort aus Nordwallonien
  • Scourmount aus Chimay im Südwesten
  • Orval aus dem Süden
  • Westmalle im Norden
  • Westvleteren im nörlichen Westen
  • Achel
  • La Trappe aus den Niederlanden

Leffe

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In Dinant, einem hübschen alten Städtchen an der Meuse, wo wir einen Regentag ausgesessen haben, fielen uns die vielen großen Kirchen auf, und direkt gegenüber dem Dom ein in der Restaurierung befindliches Gebäude, mit Resten von Fenster-Deko, die an das Leffe-Logo erinnerten. Und tatsächlich, es war mal ein Museum zur Klosterbrauerei Leffe, die gar nicht weit davon entfernt ist. Also haben wir dieses Bier mit in unseren Test einbezogen, auch wenn es kein echtes Trapisten-Bier ist:

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Zunächst in einer netten kleinen Bar, frisch gezapft vom Faß, ein Blondes. Es hat eine wunderschöne Bernsteinfarbe, klar aber dennoch schimmernd, mit einem cremigen, feinporigen Schaum, der allerdings schnell zerfällt. Im Geruch ist dieses obergärige Bier deutlich hefig, zugleich aber auch hopfig-frisch. Leider verpufft dieser Genuß recht schnell im 0,2l-Glas. Aber im Geschmack bleibt dieser Eindruck schön erhalten: frisch, dabei doch voll und weich, ein sehr süffiges Bier auch für solche, die eigentlich nicht so auf Weizen und die bei uns verbreiteten Obergärigen stehen.

Später haben wir auch noch die beiden Flaschenbier-Sorten probiert, und zwar standesgemäß aus dem Kelch, extra hierfür erworben:

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• Das Leffe Blonde mit 6.6% entspricht in etwa dem oben beschriebenen gezapften, aber mit deutlich weniger Leben. Das mag an der wärmeren Temperatur oder aber am großflächigen Kelch, sicher aber auch am CO2 der Zapfanlage gelegen haben.

• Das Leffe Brune mit 6,5% ist zwar von dunklerer Farbe, im Geruch und Schaum aber identisch mit dem Blonden. Im Geschmack ein wenig fruchtiger, aber nicht malzig (wie erwartet).

Nun aber zu den echten Trappisten:

Orval

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Da wir aus Luxemburg entlang der Semois in die belgischen Ardennen gelangten, begegnetet uns dieses Klosterbier auch als erstes, in einem Aussichts-Cafe hoch über einer Flußsschleife. Optisch konnte es durchaus mit der Aussicht konkurrieren: wunderschön in diesem typischen Kelch, eigentlich eher eine Schale, von hellbrauner Farbe mit deutlichen Hefeschlieren und schönen, schnell zerfallendem Schaum; dann sogar noch nachdunkelnd. Der Geruch ist zwar bananig wie ein Weißbier, der Geschmack jedoch viel eher wie ein Weizenbock mit etwas Zitrone; kein Wunder bei 6,2% alc. (durchschnittlich, denn das Bier gärt in der Flasche weiter). Es ist ziemlich „bitzelig“, so dass man das Gefühl hat, es träfe erst nach dem Herunterschlucken auf die Geschmacksknospen.

Fazit: Eine durchaus interessante Erfahrung, unsere hochgesteckten Erwartungen von einem einzigartigen Spezialbier konnte es jedoch nicht erfüllen. Wir mussten uns auch ein wenig über die hohe Haltbarkeit wundern: 5 Jahre!

Da wir nicht zu allen Klöstern fahren konnten und das Bier sowieso nur abends auf dem Campingplatz geniessen können, haben wir uns von den anderen Trappistenbieren gleich mal mit Flaschen eingedeckt, leider war ein Westvleteren nicht zu bekommen – und auch der Niederländer fehlt uns noch.

Achel

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Sie ist mit 4.500 hl die kleinste der Trappisten-Brauereien. Wir wählten hier das Blonde, genau wie die anderen mit 8% alc. sowieso immer auf der stärkeren Seite. Blond heisst hier eher dunkles trübes Bernstein, das Achel leuchtet wunderbar in der Abendsonne, gekrönt mit einem tollen Schaum. Es ist kräftig im Geschmack, schon (röst)malzig. Das oftmals bananige der obergärigen Hefe ist hier überhaupt nicht vorhanden, auch sonst aber liegt die Betonung weit weniger auf der Hefe als auf dem Malz. Wie wird da erst das Dunkle sein?

Rochefort

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Aus Rochefort gibt es 3 Sorten, die sich offensichtlich hauptsächlich in ihrem Alkoholgehalt unterscheiden. Mit dem „8“er hatten wir das Mittlere gewählt, immerhin 9,2%! Es ist ein Dunkles, fast schon schwarz, mit ebenfalls schönem Schaum. Geschmacklich stellen wir fest, dass sich die Biere immer weniger voneinander unterscheiden – vielleicht liegt das aber auch daran, dass wir keinen Vergleich zu so einer Sorte haben, Übung im Obergärigen haben wir ja nur bei Weißbier. Man sollte sich auf jeden Fall nicht von der Farbe leiten lassen: ein dunkles ist nicht unbedingt das malzigere, schwerere. Dieses hier tendiert eher leicht zum fruchtigeren, aber wie gesagt: nur Nuancen.

Chimay

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Mit dem Chimay triple haben wir uns bei 8% alc. ebenfalls wieder ins Mittelfeld begeben. Es ist zwar ein Blondes, aber dafür doch recht dunkel (nicht ganz so dunkel wie auf dem Blitz-Foto).

So langsam festigt sich unser Eindruck, wie ein Trappistenbier zu schmecken hat: leicht fruchtig, leicht malzig, sehr spritzig, dabei doch ein wenig süsslich und bloss nicht nach Hefe.

Westmalle

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Das dunkle Dubbel ist bei dieser Brauerei mit nur 7% ebenfalls im Mittelfeld. Wir beachten nun schon gar nicht mehr die Farbe, denn Dunkel oder Hell macht keinen geschmacklichen Unterschied. Uns fällt nur auf, dass bei diesem Exemplar der schöne Schaum so schnell zusammenbricht. Im Geschmack bestätigt uns auch diese Sorte: Trappistenbiere sind sehr lecker – und sehr stark. Zumindest für die Flaschenabfüllungen, getrunken unter alltäglichen vielleicht nicht ganz idealen Bedingungen sind aber die Unterschiede marginal.

Es deutet sich an, dass wir hier einmal direkt zu den Klöstern reisen müssen, um die im Ausschank befindlichen Sorten zu testen…

Zur Vertiefung sei hier Feigos sehr schön gemachte Trappistenbier-Seite empfohlen.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am Sonntag, 26. September 2010 und wurde abgelegt unter "Belgien, benhur, Klosterbrauerei". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen, oder einen Trackback senden von deiner eigenen Seite.

3 Kommentare

  1. Alexander sagt:

    Das mit dem Bier in Belgien ist wirklich so eine Sache. Zumindest kommen viele Touristen nur deswegen oder nehmen dies zum Anlaß für die Lieben zu Hause entsprechende Bier-Geschenke mitzunehmen. Es ist aber etwas ganz besonders am Abend wenn man die besucht hat ein Bier an einem der Kanäle oder in einem schönen Lokal in der Altstadt zu genießen. Besonders interessant sind die Biere mit den Fruchtaromen.

  2. benhur sagt:

    Bei einer Frankreich-Tour kürzlich fand ich dort Leffe in ganz kleinen 0,3l-Fläschchen und konnte nicht widerstehen. Diesmal war die Flasche gut gekühlt, ich musste aber ohne Glas direkt aus der Flasche trinken. Es ist auf diese Weise frisch und spritzig und trotzdem samtweich und fruchtig-voll. Mein Fazit: das bisher beste Bier, das ich in diesem Land des Weins gefunden habe!

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  1. […] mit Belgischen Bieren berichtet, darunter sogar von direkt in Belgien getrunkenen (siehe Bierland Belgien oder auch Belgien: Was sonst noch so getrunken wurde). Heute bin endlich auch ich in den intensiven […]

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