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Seekrieger in München im Weissen Bräuhaus im Tal

Diese Woche war ich am „Kalbskopftag“ mal wieder in München im Weissen Bräuhaus im Tal. Freitags steht immer Kalbskopf auf der Kronfleisch-Wochenkarte. Das Weisse Bräuhaus ist stets gut besucht, und so bekam ich auch an diesem Freitag gerade noch einen einzelnen Platz an einem der voll besetzten Tische. Das Weisse Bräuhaus ist halt ein mal ein sehr beliebtes Wirtshaus. Es hat sogar einen Kultstatus, und dies aus zwei Gründen: Erstens der Aventinus Weizenbock vom Fass, mit 8,2% Vol. Alc. einer der stärksten seiner Art, zum anderen wegen der legendären Kronfleischküche – im Artikel über das Kuheuter habe ich bereits davon berichtet. Nun, die „Variationen vom Kalbskopf mit gemischtem Salat“ machten dem guten Ruf des Wirtshauses alle Ehre, und der Aventinus tat seinen Teil dazu. Als ich meinen Teller gerade geleert hatte, wurde der Nachbartisch frei. Wie bei Parkplätzen in der Münchner Innenstadt sollte dieser Leerraum nicht lange bestehen, und nach weniger als drei Minuten nahm eine Gruppe von fünf kräfitigen Burschen mit fremd klingender Sprache, aber doch noch mitteleuropäisch anmutenden, wenngleich etwas rauh wirkenden Mienen dort Platz. Einer von ihnen war der deutschen Sprache halbwegs mächtig und übersetzte seinen Kollegen die Speisekarte. Offenbar Touristen. Aber woher? Das vermochte ich nicht zu erraten.

Ich hatte mein Lieblingsgericht des Tages ja bereits gehabt, und war gespannt, was diese Kerle bestellen würden. Die Bedienung nahm zunächst die Getränke auf: Fünf „Lager“ wollten sie. Die Bedienung brachte das naheliegendste: Tegernseer Hell. Kein schlechtes Bier. Aber in einem Weissbierwirtshaus, ja sogar DEM Münchner Weissbierwirtshaus schlechthin? So kann das nicht weitergehen, dachte ich mir, da muss ich einschreiten. Also sprach ich den Deutsch sprechenden Mann aus dieser interessanten Gesellschaft an, man solle doch auch mal auf die kleine Karte sehen, die da so harmlos hinter dem Blumentopf steht. Denn darauf stünde ein ganz besonderes Gericht, das es nur an Freitagen gibt, der Kalbskopf eben. Und auch das Bier, das gerade bestellt wurde, wäre nicht gerade typisch für diese Gaststätte. Mein leerer Teller war noch nicht abgeräumt. Um bei den Fremden Vertrauen aufzubauen deutete ich darauf und erklärte, dass ich selbst auch gerade eben den Kalbskopf verspeist hätte. Und um das zu untermalen prostete ich der Gruppe mit meinem Aventinusglas zu, das mit seiner Form und der dunklen Farbe des Inhalts das Interesse der ganzen Gruppe weckte.

So kam man also, wie es so oft im Weissen Bräuhaus geht, langsam immer mehr miteinander ins Gespräch. Die Fremden fanden heraus, dass ich kein eingeborener Münchner bin, sondern aus der kleinen Nachbarstadt Augsburg komme, und ich erfuhr, das diese Gruppe aus Norwegen kam und jedes Jahr im Advent eine Bierreise unternimmt: Letztes Jahr nach Dublin, heuer nach München. Und sie erzählten mir, dass Weissbier eigentlich nicht gerade deren Lieblingssorte sei. Ich weiß nun nicht wie und warum mir das gelang: Jedenfalls brachte ich zwei der Wikingernachfahren dazu, auch eine Portion Kalbskopf zu bestellen (nachdem ich ihnen versichert hatte, dass da kein halber Schädel mit Augen drin und Ohren dran serviert wird), und fast alle bestellten sich einen Aventinus. Es kam alles sehr gut an bei den Nordmännern. Und wie man sich eine Horde Wikinger so vorstellt, wollten sie zum Abendmahl auch einen kräftigen Schnaps dazu, nach Möglichkeit einen für die Region typischen. Nachdem ich mir die rauen Gesichtszüge der Seebären noch mal angeschaut hatte, konnte ich eigentlich nur Enzian, Bär- oder Blutwurz empfehlen. Ich hatte die Wikinger richtig eingeschätzt: sie bestellten eine Runde Blutwurz, setzten an, nahmen einen kräftigen Schluck, schüttelten sich kurz, und gaben mit synchronem Kopfnicken alle ein zufriedenes Brummen von sich.

Schweinshaxe fotografierende und essende Touristen, die an schlechtem Bier riechen, hatte ich ja schon oft ansehen müssen. Mich hat es da am Freitag sehr gefreut, dass ich Zugang zu dieser lustigen Gruppe Münchenbesucher aus dem Norden fand und ihnen ein wenig von der Besonderheit des Weissen Bräuhauses vermitteln konnte. Sie emfpanden es wohl ähnlich. Denn bevor sie zufrieden weiterzogen, bestellten sie noch eine Runde Enzian und gaben einen für mich aus.

Anmerkung des Autors

Natürlich waren diese Norweger nicht mit behörnten Helmen bekleidet, und Schwerter und Schilde hatten sie auch nicht dabei. Bewaffnet waren sie nur mit einer Leika-Digitalkamera in einem hellbraunen Retro-Lederetui, bemerkenswerter Weise aber nur eine Kamera für alle fünf. Die Bezeichnung „Wikinger“ verwendete ein an meinem Tisch sitzender Gast, nachdem die Gruppe weitergezogen war, und meinte, dass Wikinger allgemein schon mal recht merkwürdige Dinge essen würden, wie etwa faulen Fisch. Da wäre Kalbskopf jetzt nichts sooo ungewöhnliches. Naja – bei einem adligen Briten etwa könnte ich mir das jetzt auch nicht so gut vorstellen, dass er sich einen Kalbskopf bestellt. 😉

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am Sonntag, 30. November 2008 und wurde abgelegt unter "Gaststätten, Oberbayern, Privatbrauerei, ralf, Weizenbier". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen, oder einen Trackback senden von deiner eigenen Seite.

1 Kommentar

  1. benhur sagt:

    Oh, ralf, bei deiner Schilderung ziehen wunderbare Phantasiebilder in meinem Kopf vorbei und ich wär so gern dabei gewesen, obwohl ich weder Weizen noch Kalbsköpfe mag… Aber vielleicht werde ich ja auch mal missioniert 😉

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