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Fässer Pichen in Buttenheim

fasspichen_buttenheim_38 Wenn ich im Urlaub in Oberfranken bin, fahre ich auch immer gern nach Buttenheim zum Löwenbräu. Vor allem natürlich wegen des ungespundeten Kellerbieres. Als ich diesmal ankam, roch es im ganzen Dorf so, als ob irgendwo jemand eine altersschwache Heizung betreiben würde. Aber es war Juni. Wer heizt denn da? Und hoppla, da ziehen doch sogar dicke Rauchschwaden durch die Marktstraße. Man hätte meinen können, es brennt. Oder räuchert jemand Fisch? Kann auch nicht sein. Bei dem Gestank ist der Fisch sicher nicht mehr genießbar. Aber die Sache hat sich schnell aufgeklärt. Man muss sich eigentlich nur so wie ich beim Löwenbräu an einen Tisch mit Einheimischen setzen und schnell ist man im Bilde über das, was sich im Dorf so tut. Und das war an diesem Tag der Testlauf der alten Fasspichanlage der Löwenbrauerei, mit der am nächsten Tag der „Verein zur Förderung der Fränkischen Bierkultur“ („VFFB“) eine Demonstration des Fasspichens veranstalten wollte, und dabei auch die Fässer aus dem Vereinsfundus pflegen. Fasspichen, dass heißt nämlich Holzfässer mit heißem Pech abdichten.

Die Anlage war bis 1990, also bis vor 20 Jahren noch richtig in Betrieb. Aber um dies so genau zu ergründen, musste sogar Hans Modschiedler, der ja selber an dieser Anlage gearbeitet hatte, erst seine alten Unterlagen studieren. Mit den letzten Rechnungen vom Eichamt hat er es dann gefunden. Vom Eichamt, weil die Fässer nach dem Auspichen immer frisch geeicht werden mussten.

Irgendwie hat der Vorstand vom VFFB Kunde von der Existenz dieser Anlage bekommen und bei Hans Modschiedler angefragt, ob man die mal benutzen könne. Der hatte nichts dagegen, und so kamen die Bierkulturförderer schon einen Tag vorher, um mal einen Testlauf zu veranstalten. Am nächsten Tag war die Presse geladen, und auch das Fernsehen sollte kommen. Da musste dann schon alles klappen.

Der Probelauf hat sich auch wirklich gelohnt. Denn eine der beiden Pechspritzen war noch nicht heiß genug, als das Getriebe in Gang gesetzt wurde. Da waren noch harte Pechklumpen drin, das Getriebe blockierte, und irgendwo baute sich ein Überdruck des Pech auf und das Pech begann auszulaufen und sich auf den Brennofen zuzubewegen. Das Ergebnis war die vorübergehende Zerstörung der Pechspritze, ein Beinahe-Abbrennen des Pichereigebäudes und ein entleerter Feuerlöscher, den der Vorstand vom VFFB geistesgegenwärtig korrekt einsetzte, um das Unheil abzuwenden.

Jetzt wusste man, wie man die Picherei betreibt, und es war noch eine funktionstüchtige Pechspritze übrig, um am nächsten Tag dann die historische Demonstration zu veranstalten. Zu dieser waren auch alle Fassbesitzer der Hausbrauerszene geladen, um ihre Fässer instand halten zu lassen. Einer, der ehemalige Bräu vom Strullendorfer Lindenbräu, kam dann auch gleich mit einem ganzen Anhänger voll.

Wie es da dann zuging, kann man in der folgenden Bildergalerie sehen. Ich habe die Bilder in chronologischer Reihenfolge eingestellt.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am Samstag, 12. Juni 2010 und wurde abgelegt unter "Allgemeines, ralf". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen, oder einen Trackback senden von deiner eigenen Seite.

2 Kommentare

  1. Tobias sagt:

    Hallo Liebe fränkische Hobbybrauer,
    wir sind Mannheimer Hobbybrauer und auf der Suche nach der richtigen traditionellen Veredlung unseres Bieres. Wir würden unser Bier gerne in gepichten Holzfässern lagern und ausschenken. Woher bekomm ich denn noch solche Holzfässer und was benötige ich alles um ein Fass selbst zu pichen?

    LG Tobi

  2. ralf sagt:

    Hallo Tobi,

    das Fasspichen haben leider nicht wir vom BLOG-UMS-BIER veranstaltet. Das waren die sog. „Hobbybrauer aus Erlangen“ vom „Verein zur Förderung der Fränkischen Braukultur e.V.“. Frag doch am besten mal bei diesen nach. Ihre Kontaktinformation findest Du auf deren Webseite (siehe auch bei uns in der Linkabteilung).

    Gruß
    ralf

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