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feine Biere, wo und wie wir sie am liebsten haben

Zum heil’gen Veit von Staffelstein…

Ich beschäftige mich nun schon länger mit Bier und dadurch zwangsläufig auch mit Franken. Und dabei wurde ich in einer Bamberger Brauereigaststätte einmal auf das „Lied der Franken“ und auf dessen Dichter Victor von Scheffel aufmerksam gemacht. In diesem Lied, der inoffiziellen Hymne Frankens, wird unter anderem die Gegend des Maintals am Fuße des Staffelbergs bei Bad Staffelstein und Lichtenfels besungen, eine der schönsten Landschaften, die das Frankenland überhaupt zu bieten hat. Dort kann man sich an einem sonnigen Sommertag eine wunderbar ausgewogene Mischung aus Natur, Bier und Kultur einverleiben. Und genau dieses habe ich in diesem Sommer bei einer Wanderung auf den Spuren Victor von Scheffels getan.

Die Vorgeschichte

Anlass meiner Fahrt ins Maintal war ein Kommentar vom Brauer Wichert aus Lichtenfels zu meinem Artikel über die Brauerei Spezial in Bamberg. Eigentlich war es mehr ein uriger Reim als ein Kommentar, den der Brauer Wichert uns ins Blog eingetragen hat. Der hat mir so gut gefallen, dass ich ihn einfach in seinem Brauereigasthof in Lichtenfels/Oberwallenstadt besuchen musste. Leider war der Chef Michael Wichert am Abend meines Besuchs, ich war ja nicht angemeldet, gerade nicht da. Halb so wild dachte ich mir, dann bleibe ich einfach einen Tag länger in dieser schönen Gegend und nutze die unverhofft gewonnene Zeit für eine längst überfällige Wanderung auf den Staffelberg. Wozu hatte ich denn gerade Urlaub 😀

Die Wanderung

Schnell war mein Zimmer im Hotel in Lichtenfels um einen Tag verlängert. Am nächsten Morgen im Getränkemarkt noch zwei Wasserflaschen gekauft und los gings. Nach einem etwa einstündigen sanften Aufstieg durch den morgendlich kühlen Wald kam ich an einen Aussichtspunkt oberhalb des Klosters Vierzehnheiligen, von wo sich mir ein erster atemberaubender Blick hinunter auf des Maintal eröffnete. Da konnte ich zum ersten mal nachempfinden, was vor fast 150 Jahren Victor von Scheffel zur Hymne an das Frankenland inspiriert hatte, als er damals im Sommer auf der gegenüberliegenden Seite des Mains im Kloster Banz war. Banz konnte ich durch den Morgendunst noch nicht klar erkennen, für ein Foto war es noch zu diesig. Also packte ich meine Pfeife aus und saß fast eine Stunde lang auf einer Bank über Vierzehnheiligen, grüßte die ab und zu vorbeikommenden anderen Wanderer und sah zu, wie Kloster Banz sich langsam immer klarer zu erkennen gab. Von unten hörte ich alle viertel Stunde lang die Turmuhr von Vierzehnheiligen. Ich hätte 100 Jahre lang so sitzen bleiben können.

Schließlich machte ich doch meine Fotos und zog weiter hinab zur nächsten Station: Kloster Vierzehnheiligen mit der alten Klosterbrauerei Trunk. Vor dem Biertesten kam aber erst die Besichtigung der fränkischen Barockbasilika mit ihrem herrlichen Gnadenaltar in der Mitte. Ob man nun der katholischen Kirche anhängt oder nicht – ihre Prachtbauwerke sind für jeden halbwegs mit Sinnen ausgestatteten Menschen in jedem Falle schwer beeindruckend. Ich hatte während meines Aufenthalts im Gotteshaus auch keinen einzigen Gedanken an die dahinterliegende Brauerei gehabt. Die kam erst nach dem Auftanken der Seele dran. Dann aber mit gleich starker Körpernahrung aus herzhafter Sülze nebst den diversen Klosterbieren.

So gestärkt ging es weiter auf dem Bergkamm auf den Staffelberg zu. Eine weitere Stunde angefüllt mit unvergesslichen Natureindrücken auf einer Wanderung durch den Wald und über die Hochebenen über dem Maintal, während der mir immer wieder der Anfang der vierten Strophe aus dem Frankenlied durch den Kopf ging:

Zum heil’gen Veit von Staffelstein
Komm ich empor gestiegen

Ich konnte es kaum erwarten, ihn endlich zu sehen, diesen „heil’gen Veit von Staffelstein“. Für diesen hatte ich aber oben auf dem Staffelberg zunächst mal keinen Blick übrig. Zu berauschend war der Ausblick über die „Lande um den Main zu meinen Füßen“, als ich ganz oben auf dem Staffelberg angekommen war. Ich hatte das Gefühl, das ganze Frankenland auf einmal sehen zu können. Der Blick reicht zurück über Vierzehnheiligen und die Brauerei Trunk nach Lichtenfels, weiter hinüber nach Banz bis zur Feste Coburg in der Ferne und weiter fast bis nach Bamberg.

Und seh‘ die Lande um den Main
Zu meinen Füßen liegen
Von Bamberg bis zum Grabfeldgau
Umrahmen Berg und Hügel
Die breite stromdurchglänzte Au
Ich wollt‘, mir wüchsen Flügel

Mit Sicherheit war eineinhalb Jahrhunderte vor mir Victor von Scheffel genau hier oben gestanden, wo noch heute jeder Wanderer den selben Wunsch nach Flügeln bekommt. Ich zumindest hatte diesen Wunsch innigst gespürt. Da war ich also, beim „heil’gen Veit“ – das musste doch die malerische Kapelle sein, die hier oben auf dem Staffelberg steht. Doch halt – da hatte Herr von Scheffel wohl etwas geflunkert. Von wegen Sankt Veit! Nein, das ist eine Adelgundiskapelle. Hmmm… die Stimmung passt, alles ist tatsächlich wie im Frankenlied, nur weit und breit kein Veit. Tja, das war dann eben die künstlerische Freiheit, die Scheffel sich hier raus genommen hat. Macht nix. Neben der Kapelle ist ein kleines Gasthaus, und davor sind Bierbänke im Schatten. Bier gibt’s auch. Ich ließ mich von diesem Ensemble gerne zu einem fränkischen Landbier einladen und stärkte mich für den Abstieg auf der Rückseite des Staffelbergs.

Der Staffelberg wäre nicht in Franken, wenn auf seiner Rückseite im Tal nicht eine weitere Brauerei wäre, die Staffelberg-Bräu in Loffeld. Dort aß ich noch eine Kesselsuppe, beschränkte mich dabei auf zwei Biere aus der umfangreichen Palette der Staffelberg-Bräu und bereitete mich auf die Rückfahrt nach Lichtenfels vor. Ja richtig: Rück-Fahrt. Mir waren auf dem Staffelberg ja leider nicht wirklich von Scheffels Flügel gewachsen. So nahm ich für den Rückweg den weltlichen Bus. Kein echter Ersatz für Flügel, aber ich wollte ja an diesem Abend noch den Bräuer Wichert kennen lernen, dessen Reim mich hier her in diese traumhafte Gegend gelockt hatte. Vor dem Heimweg war beim Bier auch noch ausreichend Zeit für einen Plausch mit anderen Wanderern, die ebenfalls beim Staffelberg-Bräu eingekehrt waren. Diese Zeit sollte man sich immer gönnen, will man ein Bier ganzheitlich genießen. Die Geselligkeit gehört einfach dazu, und man kann doch immer auch mal was neues erfahren. Die Wanderer erzählten mir nämlich, dass sie auch von einer Kapelle aus her gewandert waren. Nicht die vom Staffelberg, sondern von einem kleineren Berg in der Nähe. Und Wunder was – es war eine Sankt-Veit-Kapelle!

Die Biere

Eigentlich ist das wichtigste auf so einer Wanderung, dass man unterwegs ausreichend Stationen zur Stärkung und Erfrischung findet. Wasser würde wirklich genügen. Hier um den Staffelberg liegen statt Wasserquellen sogar Bierquellen mit Bieren von bester fränkischer Qualität. Im Himmel könnte es nicht schöner sein!

Brauerei Trunk (Alte Klosterbrauerei Vierzehnheiligen)

Dunkles Exportbier

Satt malzig, dezente angenehme Süße. Sehr edelmild gehopft. Kaum Bittere.

Pils

Klar, herb mit erfrischender Hopfenblume, zitrusfruchtig prickelnd. Kaum Süße. Ein eher trockenes Bier. Dadurch ist es ein sehr angenehmer Durstlöscher. Es schmeckt so wie ich mir ein Bier aus der guten alten Zeit vorstelle, lange bevor im Fernsehen Werbung für Industriebiere gemacht wurde.

Bio-Weisse

So langsam breitet sich das Weizenbier auch in Franken aus, das sonst eher von traditionellen Land- und Lagerbieren geprägt ist. Die Bio-Weisse gibt es erst seit drei Wochen, d.h. seit Anfang Juli 2008. Sie hat die weizentypische Aromavielfalt, hier in der Ausprägung eins sauren Sudes für Kronfleisch oder für blaue Zipfel, riecht nach Nelken, Wacholder, Lorbeer und sogar ein wenig nach Zwiebel. Ich fand es sehr gut gelungen, das neue Bier aus Vierzehnheiligen.

Gaststätte auf dem Staffelberg

Buttenheimer Sankt Georgen Bräu Kellerbier

Oben auf dem Staffelberg ist halt keine Brauerei. Das merkt man dem Bier wie es dort ausgeschenkt wird leider auch an. Das Bier, das ich bekam, hatte ein Aroma nach fast überreifen Feigen oder Pflaumen und besaß sehr viel Säure. Danach ein langer unangenehm herber Nachgeschmack. Das ist aber nicht so schlimm wie es klingt. Denn wenn man als durstiger Wanderer auf den Berg steigt, da hat man andere Beweggründe als das Bier. Will man das Georgenbräu gut konditioniert haben, sollte man es besser in Buttenheim auf dem Georgenkeller suchen. Auf dem Staffelberg ist es mehr was rein für den Durst, der dort oben aber groß genug ist, um auch dieses Bier mit Genuss zu trinken.

Staffelbergbräu Loffeld

Pils

Fein gehopft, malzbetont. Fast etwas schwer für ein Erfrischungsgetränk.

Dunkles

Gutes leicht würziges vollmundiges süffiges dunkles Bier. Feinmalzig, mild gehopft. Schöne echte rot-braune Farbe. Lang anhaltender fruchtiger Nachgeschmack.

Besonders schön sind die Brotzeittische im Freien. Die liegen idyllisch an der ruhigen Straße im Schatten zwischen Gast- und Brauhaus. Hier im Dorf kann man eine Wanderung um den Staffelberg wunderbar entspannend ausklingen lassen.

Brauereigasthof Wichert – Lichtenfels/Oberwallenstadt

Dazu kommt ein eigener Blogartikel.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am Mittwoch, 30. Juli 2008 und wurde abgelegt unter "Allgemeines, Franken, ralf". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen, oder einen Trackback senden von deiner eigenen Seite.

2 Kommentare

  1. benhur sagt:

    WOW! Nach der Lektüre deines Artikel mein ich gerade, ich komme frisch von dieser Tour, so einen starken Eindruck hat sie auf mich gemacht! Brauch ich ja jetzt gar nicht mehr selber hinwandern? Oder nee, ich geh‘ ein „zweites“ mal 😉

  2. ich finde der Verfasser hat die Situation so richtig passend geschildert. Ihm sage ich Dank! einer, der ich erstmals vor mehr als 60 jahren da oben war und auf dem Fels rumkrackcselte, ebenfalls erfaßt vom Zauber dieser Landschaft, von Kloster Banz und von Vierzehnheiligen als den Höhepunkten im Besonderen.
    Gerne kam ich immer wieder dorthin!

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