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feine Biere, wo und wie wir sie am liebsten haben

Die Master Classes der Braukunst LIVE!

Im Februar oder März findet jedes Jahr in München die Braukunst LIVE! statt, eine Bier-, aber keine Brau-Messe. Schaut Euch ruhig unsere älteren Einträge an, wenn ihr wissen wollt, was da so los ist und wie die Atmosphäre dort ist. Was mich am meisten begeistert hatte, waren die sog. Masterclasses dort, dreiviertel-stündige Seminare mit und am Bier zu unterschiedlichen Themen. Die waren einfach klasse gemacht: unterhaltsam, lehrreich, und dabei ganz ganz tolle Biere in Verkostung. Ich erzähl euch mal von einer, die mich am meisten beeindruckt hat:

Glasverkostung


Dr. Markus Seilers Seminar war so toll, dass ich es schon 2x besucht habe und auch ein drittes mal wieder hingehen würde: Es geht darum, eine Reihe von verschiedenen Bierstilen in einer Reihe von verschiedenen Gläsern zu verkosten und zu erfahren, was dabei die unterschiedlichen Gläser mit demselben (hervorragenden) Bier jeweils bewirken. Wer jetzt denkt: „Mätzchen!“, der sollte unbedingt mal hingehen, der Aha-Effekt ist enorm!
Im ersten Seminar (2015) waren 4 Biere ausgewählt und 5 Gläser, das wird aber knapp mit der zur Verfügung stehenden Zeit. Die 3 Biere in 4 Gläser bei der BKL 2016 waren vollkommen ausreichend. Zusammengefaßt waren es:

  1. Ein Willi-Becher (natürlich 0,5l)
    Die meisten Biere trinkt man wohl aus diesem Glas, es ist einfach herzustellen und ein Generalist. Der Rollrand führt dazu, dass das Bier quasi in den Mund springt, und dabei die Zungenspitze auch mal überspringt…
  2. Der Teku-Pokal von Rastal
    Dieses Glas ist eins der ersten Gläser, die speziell für Bierverkostungen geschaffen worden, aber trotzdem als Universal-Glas für möglichst alle Biersorten. Man hat sich inzwischen gut an das ungewöhnliche Aussehen gewöhnt und es wird z. B. auch auf solchen Messen gerne benutzt. Seit meiner ersten Verkostung habe ich mir ein solches Set angeschafft und nutze es fleißig, wie ihr an den Fotos hier im Blog erkennen könnt.
  3. Der Degustationspokal von Schott-Zwiesel
    Im Grunde hat er dasselbe Ziel wie der Teku: für möglichst viele Bierstile zu passen; ist aber ein wenig edler und seltener anzutreffen. Er hat einen langen Kanal und zusätzlich einen „Moussierpunkt“ (unten angeritzt), um konstant Kohlensäure aufsteigen zu lassen. Ich hatte noch keine Erfahrungen mit diesem Glas und war sehr gespannt.
  4. Das I.P.A.-Glas von Spiegelau
    Die Spiegelauer haben versucht, für jeden (naja, für viele) Bierstil ein eigenes Glas zu schaffen. Das erste war für I.P.A.s, da diese ja die Craftbeer-Welle ausgelöst haben und vermutlich immer noch der am meisten vertretene Bierstil ist. Auffällig ist die Dünnwandigkeit bei diesen randlosen Gläsern, und die Ausgestaltung des Glasfusses: beim I.P.A.-Glas ist der wellig, so daß der Inahlt beim Einschenken belüftet wird. Nach oben hin wird es schmäler, um die Düfte nicht so schnell entfleuchen zu lassen, sondern direkt in die Nase zu leiten, den gerade beim I.P.A. geht es ja auch sehr stark ums Riechen…
  5. Das Stout-Glas von Spiegelau
    Es sieht ähnlich aus, ebenso dünnwandig, aber das wars dann schon mit den Gemeinsamkeiten – das Glas ist in der Wirkung quasi das Gegenteil vom I.P.A.-Glas. Man merkt z.B. schon beim Anfassen den extrem dünnen Sockel (Glasboden). Es ist auch ein wenig bauchiger, aber sein eigentlicher Effekt ist verblüffend…

Die damit verkosteten Bierstile waren 2015:

  1. Schönramer Pils
  2. Karg Helles Hefe-Weißbier
  3. Schönramer India Pale Ale
  4. BrauKraft P.Orter

und 2016:

  1. Wittmann 2.9
  2. BrauKraft India Pale Ale
  3. Augustiner Dunkel

Der Willibecher

Dieses Glas bringt eher die frischen, zitrus-artigen Aromen hervor, aber trägt nichts zu besonderem Duft bei. Bei Hellen und Pils ist das in Ordnung. Auch ein IPA geht daraus, allerdings verwischen die einzelnen Aromen, die ja oft gerade das spezifische an einem I.P.A. ausmachen.
Beim Weißbier werden nur die bananigen Noten durchgelassen, die Nelkenaromen verschwinden völlig. Man wird sein Urteil damit sicher falsch fällen!
Das Dunkle wirkt etwas säuerlicher und röstig-hart. Und ein Porter geht gar nicht: es ist nur noch säuerlich und muffig, nur starke Kaffe-Röstaromen kommen noch ein wenig durch.
Fazit: Ok für helle Durstlöscher, ungeeignet für alle anderen Sorten und um einem besonderen Bier auch gerecht zu werden.

Der Teku-Pokal

Das Teku leistet erstaunliches: Aus dem Pils bringt es kräuterige und bittere Aromen hervor, aus einem I.P.A lassen sich die einzelnen Frucht- bzw. Kräuteraromen unterscheiden (hier z.b. Citrus, Aprikose, Papaya, …), auch das Weißbier hat darin Noten von Pfirsich und Erdbeere.
Sogar das Dunkle hat Zitrus-Noten! Beim Porter kommen die Kaffee-Noten richtig gut raus, das Säuerliche vom Willi-Becher ist vollkommen weg – es ist ja auch keine Frucht-Säure, sondern eher eine Röstsäure, die der Willi-Becher so kraß hervorhob.
Fazit: Ein brauchbares Allround-Glas, besser noch für fruchtige Biere als für malzige Sorten.

Der Schott-Zwiesel-Pokal

Durch den höheren „Kamin“ kommen sogar vom zarten Pils noch Düfte nach Leder in der Nase an. Da man den Kopf weiter nach hinten neigen muß, kommen auch mehr bittere Aromen durch (die weiter hinten im Gaumen erschmeckt werden können).
Beim Weißbier führt das wieder zu einer eher schwachen Wahrnehmung, da es ja kaum Bittere enthält.
Beim I.P.A. führt die Öffnung dazu, daß man viel mehr riechen kann, ein wunderbares Hopfenaroma wird direkt zu Nase geleitet. Geschmacklich fand ich da allerdings das Teku deutlicher, es „zerlegt“ die einzelnen Aromen regelrecht, so daß man sich leichter tut, sie zu erkennen und zu benennen; der Schott-Zwiesel führt da eher zu einem sich sanft und rund entwickelndem Geschmacksprofil.
Das Dunkle überrascht aus diesem Glas mit Malzaromen, Lakritz, Aprikose, deutlich mehr süssliche Noten. Beim Porter bringt das Glas Kakaonoten hervor und läßt es insgesamt ein wenig feiner wirken.
Fazit: Ein toller Allrounder für alles außer Weißbier.

Das IPA-Glas

Das Glas bündelt Düfte hervorragend und leitet sie direkt zur Nase während des Trinkens. Es bringt durch seinen Kamineffekt noch mehr Aromen von ganz unten hoch, was besonders den Hopfenaromen zugute kommt. Intensiver ist hiermit sogar das zarte Pils, und auch trockener, jedoch nicht unbedingt bitterer. Beim IPA kommt das erwartungsgemäss am Besten: hammerstarke Duftnoten in allen ihren Aspekten, ein wunderbare zeitlicher Verlauf der Aromen auf Zunge und Gaumen. Mit diesem Glas will man nie wieder was anderes trinken!
Das Weißbier hat im IPA-Glas nur noch leichte fruchtige Aromen, verliert aber komplett seinen bananigen Anteil, es wirkt völlig verfremdet.
Absolut übel kommen das arme Dunkel und Porter rüber: scharf brandig (Porter), metallisch (Dunkles), flach und leer, wie Reiswaffel. Das wäre ja aus der Flasche noch besser…
Fazit: Ein I.P.A. nur daraus, wenn man maximal geniessen möchte! (Alles andere niemals daraus!)

Das Stout-Glas

Das bauchigere gibt mehr Raum für die Malzaromen, um sich zu zeigen. Beim Pils bringt das allerdings höchsten eine Nuance Kräuter hervor, beim Weißbier das Süßliche, die Banane. Beim I.P.A hat man sogar den Eindruck, dass gar kein Hopfen mehr drin wäre, das ist extrem (übel), erlaubt einem jedoch, zarteste Malznoten in einem I.P.A. zu entdecken, die man sonst gar nicht bemerken würde.
Das Porter kann in diesem Glas so richtig auftrumpfen: von Brotrinde über Kaffee, Kakao, Lakritz, die Vielfalt an dunklen Aromen ist unglaublich. Dabei bleibt alles sehr weich und rund, angenehm verwöhnend. Das Dunkle hatten wir nich in diesem Glas, ich habe es mir aber extra mit einem Fürst Carl Dunkel gekauft, nachdem ich im Ellinger Bräustüberl verkosten konnte, wie toll das Bier damit kommt.
Fazit: Je dunkler desto Spiegelau!

Was ich also gelernt habe: Das falsche Glas kann ein Bier richtig kaputt machen. Das richtige Glas macht zwar aus einem schlechten Bier kein Gutes, aber es bringt nochmal deutlich mehr von dem Guten in die Nase und den Gaumen. Als einziger Allrounder für wirklich alles taugt das Teku, wenn man sich aber für Weißbier ein separates Glas gönnt, ist das Schott-Zwiesel vorzuziehen. Für seine Lieblingssorten sollte man sich aber auf jeden Fall die Spezialgläser gönnen!

Masterclass Rohstoffe

Eine andere Masterclass wurde mit Schneider-Bieren bestritten und sollte sich den Rohstoffen der Biere widmen. Während uns der Braumeister Hans-Peter Drexler anhand von 5 Bieren (TAP2 Mein Kristall, TAP4 Meine Festweisse, TAP5 Meine Hopfenweisse, TAPX Marie’s Rendezvous und einen Aventinus Vintage!) die Eigenschaften und Wirkungen der wenigen am Bier beteiligten Rohstoffe anschaulich und unterhaltsam erläuterte, servierte Johanna Sturm dazu wieder passende „Häppchen“ – eigentlich bin ich genau deswegen zu dieser Masterclass gegangen, denn was diese begnadeten Damen da zum Bier servieren, schlägt meiner Meinung nach sogar diese tollen Bierkreationen! Um euch das Wasser im Mund zusammenlaufen zu lassen, hier die „Beilagen“:

  • zum Kristall: Flußkrebs in einem feinen Schaum aus Räucherforelle, Creme fraiche und Senf, gewickelt in dünnen Pfannkuchen
  • zur Festweisse: gerollter kalter Braten mit Meerrettich, Essiggurke und Radieserl im Noriblatt (Meeresalge)
  • zur Hopfenweisse: kleine Weißwurst mit roter Currypaste und Petersilie im Brezenknödel
  • zu Marie’s Rendezvous: Entenbrust mit Graupen, Walnüssen und Preiselbeeren, raffiniert aromatisiert mit Kurkuma und Zimt
  • zum Aventinus: Schwarzwälder Kirsch-Rolle

Masterclass Hopsessed

Georg Drexler von Baarth-Haas, dem (oder wenigsten einem der) größten Hopfenhändler, hielt eine sehr fordernde, aber dadurch auch unglaublich erhellende Masterclass zum Thema Hopfen: Welche Eigenschaften haben sie, wie kann man sie einsetzen und was bewirkt man dadurch. Erstaunlich, wie unterschiedlich derselbe Hopfen in unterschiedlichen Suden durch unterschiedliche Art der Gabe wirkt! 

Masterclass Malz

Leopold Schwarz vom Schwarzbräu in Zusmarshausen variierte über den eigentlich wichtigsten Rohstoff, das Malz. Dabei hatte er sein Export Exquisit, das Dunkle Weißbier, einen hellen Weißbierbock Premium Select und einen dunklen Aged Bock von 2014. Klassische Sorten, aber alles vom Feinsten! Neben dem reinen Genuß der Biere kam hier auch wunderbar rüber, wie der Brauer mit den Rohstoffen „spielen“ kann …

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am Sonntag, 18. Dezember 2016 und wurde abgelegt unter "Allgemeines, benhur". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen. Pingen ist zur Zeit nicht erlaubt.

1 Kommentar

  1. Stefan sagt:

    Hallo,

    den „Teku-Pokal“ von Rastal gibt es ja schon länger auch in einer geschwungenen Form (zum Beispiel: http://up.picr.de/28315600ck.jpg).

    Konnte schon jemand Erfahrungen damit sammeln und sagen, wie sich die Gläser in der neuen Form im Vergleich zum alten Pokal verhalten?

    Lohnt es sich auf die neuen Gläser umzusteigen oder kann man auch beim klassischen Teku Glas bleiben?

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