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5. Weltmeisterschaft der Sommeliers für Bier

Meine Güte, zum fünften Mal bereits wurde die WM der Biersommerliers jetzt schon veranstaltet. „Worldcup Beersommeliers“ heißt das inzwischen. Die Veranstaltung wurde, wie die dritte WM vor vier Jahren, in der Messe München abgehalten, im Rahmen der „drinctec“, der Weltleitmesse für die Getränke- und Liquid-Food-Industrie. Und weil es einfach praktisch ist, wenn so ein Event direkt vor der Haustür stattfindet, habe ich mir das natürlich angeschaut.

Im Prinzip war das eigentlich genau so wie bei der Deutschen Meisterschaft im Frühjahr (ich hatte berichtet). Nur dass der Rahmen bei einer WM wesentlich größer ist. 70 Teilnehmer aus 15 Nationen waren angetreten. Sechs davon hatten es ins Finale geschafft, wo sie nach den üblichen Vorgaben dem Publikum und den Wertungsrichtern, der „Jury“, ein ihnen vorher nicht bekanntes Bier präsentieren mussten. Das Ganze in ca. 8 Minuten, die Zuhörer sollen informiert werden, nicht zugeschwafelt, so hat es der Wettbewerbsleiter von Doemens, Dr. Zepf erläutert. In dieser Zeit musste das Bier vorgestellt und serviert, etwas über die Brauerei und das Bier im Speziellen erzählt, und auch noch Speiseempfehlungen für das Bier abgegeben werden, wozu es passt, oder was dazu passt, das berüchtigte „food pairing“. Man kennt das alles mittlerweile ja schon.

Auch die beiden Deutschen Finalisten waren mir keine Unbekannten. Frank Lucas von der Rügener Inselbrauerei, der amtierende deutsche Meister der Biersommeliers. Mit ihm konnte ich vor dem Beginn der Finalrunde ein paar Worte wechseln. Er hat mir vorab schon die Nationalitäten der Endteilnehmer verraten: Zwei Deutsche, zwei Österrreicher, ein Italiener und ein Brasilianer. Gerade die letzten beiden sah er aufgrund deren südländischen Temperaments als sehr starke Konkurrenten für sich an. Seinen Kollegen aus der „deutschen Nationalmannschaft“, den Bonner Stephan Hilbrant, hatte ich heuer bei der Deutschen Meisterschaft in Gräfelfing in der Doemens Akademie kennengelernt, und im Laufe des Jahres in Köln auf dem Festival der Bierkulturen wieder getroffen. Dort war er am Stand der „Kölner Bierhistoriker e.V“ aktiv und hat dort mein Interesse an Braggot, einem Malz-Honigmet-Hybridgetränk fachkundig gestillt – mit dem Wissen darüber, wie auch mit dem eigentlichen Getränk. So habe ich mich hier in München also erst einmal gefreut, den sympathischen Hobbybrauer wiederzusehen, und dann noch mehr gefreut, zusehen zu können, wie er zum 5. Weltmeister wurde.

Die Finalkandidaten aus den drei anderen Nationen waren aus Österrreich der diesjährige Vizeweltmeister Felix Schiffner, Sohn des ersten Weltmeisters Karl Schiffner, und Clemens Kainradl. Dann Matteo Toso aus Italien und Rodrigo Sawamura aus Brasilien, welcher in diesem Worldcup den dritten Platz erringen sollte. Sie alle hatten ihre Sache gut gemacht, dabei jeder in seiner persönlichen Art, und alle mit großer Fachkompetenz. Dr. Zepf hatte für die Finalvorträge eine ziemlich anspruchsvolle Bierauswahl getroffen. Clemens Kainradl, Felix Schiffner und Frank Lucas hatten alle ein Bier gewählt, das sie nach ihren eigenen Angaben selbst noch nicht zuvor getrunken hatten bzw. überhaupt nicht kannten. Ich stelle mir das ganz schwer vor, aber auch mutig, so ein Bier im Finale einer Sommelier-WM zu verkosten. Ob der Italiener Matteo Toso es aber mit dem  Aecht Schlenkerla aus Bamberg da leichter hatte? Ein Bier das wirklich jeder kennt – damit zu punkten – ich hätte mich das nicht getraut, dachte ich beim Zuhören. Rodrigo Sawamura, der Drittplatzierte, hat sich auch sehr mutig das „Deus, Brut des Flandres“ vorgenommen, ein Bier das immerhin unter Experten eine Nummer ist. Hier hatte er noch die Zusatzherausforderung des Sektkorkens beim Öffnen und Servieren.

Stephan Hilbrandt schließlich wählte das belgische Orval. Auch ein sehr bekanntes Bier. Für ihn war es ganz offensichtlich ein Glücksfall. Er kannte dieses Bier, das merkte man ganz deutlich, aufs Allerbeste. Ich werde mich ab heute vermutlich jedesmal, wenn mir in Zukunft ein Orval begegnen wird, an Stephans Ausführungen über das Wirken der Brettanomyces in belgischem Bier erinnern. Profundes Wissen hatten natürlich seine Konkurrenten auch allesamt, keine Frage. Was Stephan zum Weltmeister gemacht hat, war vielleicht, so sehe ich es im Vergleich zu seinen Mitstreitern, eine bewahrte Natürlichkeit im Umgang mit dem Malztrunk. Während man bei seinen Finalistenkollegen doch eine gewisse Routine im Wettbewerbsbiervorstellen bemerkte, teilweise klangen ihre Vorträge allzu eingeübt und dadurch etwas steif, hat der Weltmeister sich voll in sein Bier vertieft und gleichzeitig die Zuhörer daran teilhaben lassen. Obwohl er auf einer großen Bühne stand, vor Publikum, war er einfach nur er selbst, vollkommen eins mit seinem Bier, und hat diese Einheit in das Publikum ausgestrahlt. Am bemerkenswertesten an Stephan Hilbrandt finde ich, dass das Bier nicht sein Beruf ist: er ist Informatiker. Bier ist sein Hobby, das er jetzt ganz weltmeisterlich ausüben kann.

Herzlichen Glückwunsch, Stephan!

Optische Eindrücke vom Worldcup

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am Sonntag, 10. September 2017 und wurde abgelegt unter "Allgemeines, ralf". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen. Pingen ist zur Zeit nicht erlaubt.

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