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Die Forschungsbrauerei hat einen Weizenbock!

Ganz heimlich, still und leise hat die Forschungsbrauerei ein neues Bier gebraut. Das ging sogar so heimlich vonstatten, dass bei der Ausschankpremiere am 15. Dezember 2012 viele Gäste die Ankündigung in der Speisekarte völlig übersehen haben:

DIE WILDE WEISSE

Weißbierbock

zart malzig, mild gehopft, fruchtig frisch

Alc. 7,6% vol. Stammwürze °P 18,5

stand in der Tageskarte. Und darüber „Zur Premiere unseres neuen Bieres“, winzig klein und vorsichtigst platziert. Ganz so, als ob hier behutsam etwas ausprobiert würde. Und ungefähr so war das auch. Die Brauanlage der Forschungsbrauerei war von ihrem Erbauer für untergärige Biere optimiert worden. Obergäriges Weißbier ließ sich da nur schwer herstellen. Doch Manfred Silbernagl hat das Brauen ja in einer Weißbierbrauerei erlernt und wollte sich deshalb damit nicht abfinden. Er hat im Keller ein paar Anpassungen gemacht, ein neuer Tank für Weißbier zum Beispiel, und mutig den Versuch unternommen, diese urbayerische Biersorte nun auch in der Forschungsbrauerei zu brauen. Als Versuch zunächst nur, in kleiner Menge, doch auf Anhieb mit großem Erfolg!

Es wird wieder geforscht

Im Volksmund wird die Perlacher Braustätte schlicht „Die Forschung“ genannt, oder auch „Versuchsbrauerei“. Was läge da näher, als genau dieses auch zu tun: Forschen. In den frühen Jahren befasste sich dieses Forschen vorwiegend mit Brautechnik und Brauverfahren. Dieses Gebiet ist schon weit fortgeschritten und ausgereift. So kann man sich jetzt auf die Rezepturen konzentrieren. Und da ist mit dem neuen Weißbierbock „wahrhaftig“ ein großer Wurf gelungen. Ich hoffe nur, Manfred hat sich alle Schritte des Rezeptes genau notiert, damit es beim nächsten mal wieder so gut gelingt. Und was die technischen Probleme im Keller angeht – das erste Weißbier hat schon mal geklappt, und die Routine wird mit der Zeit schon kommen.

Optisch einwandfrei

Jetzt aber zum neuen Weißbierbock. Hell in seiner Farbe, mit sattem Goldmessinggelb, und mit seiner typischen Hefetrübung sieht er zunächst genau so aus, wie man es von einem Hefeweißbier erwartet. Die Besonderheiten zeigen sich im Detail. Da wäre zunächst der Schaum zu nennen. Feinporig, fest und dauerhaft haltbar wie Eischnee liegt er auf der frisch eingeschenkten Weißen, überzogen von einem feinen brillanten Glanz.

Aufregender Duft von Frucht und Hopfen

Darüber liegt am Anfang ein zart hefiger und mit feinkomplex fruchtigen Noten vermischter Duft. Schon damit könnte die Genießernase den ganzen Abend lang beglückt zufrieden sein. Nach einiger Zeit hat sich der Schaum etwas gesetzt und entlässt ein aromatisch würziges Hopfenaroma in den nach den ersten Schlucken entstandenen Freiraum im Krug. Ich bin beeindruckt, wie harmonisch sich diese Hopfenblume zu den fruchtigen Weizenaromen gesellt, und wie sich diese nun gegenseitig ergänzen. Das Schöne an der Forschung ist, dass die Biere frisch aus dem Keller ausgeschenkt werden. Die Frische lässt die Fruchtnoten angenehm leuchten, und den Hopfen lässt sie so natürlich würzig wirken, wie ich es sonst nur von sogenannten kaltgehopften Trendbieren aus der Craft-Brew-Szene kenne. Wie ich ihm meine Eindrücke so beschreibe, betont Manfred jedoch gleich, dass er den Weizenbock rein traditionell gehopft hat. Traditionell heißt im Heißbereich, nach alter bayerischer Brautradition. Das Ergebnis spricht ganz eindeutig dafür: Sortentypisch fruchtiges Weizen, das gleichzeitig deutlich würzig-hofpenaromatisch ist. Diese Hopfenkraft ist bei Weißbieren sehr selten.

Schluck für Schluck ein Hochgenuss

Vor lauter Schwärmen vergesse ich fast das Trinken. „Wilde Weiße“ heißt es zwar, aber das Weizenbockbier läuft ganz und gar sanft und angenehm die Kehle hinab. Im Mund ist es schön vollmundig fruchtig cremig und erfrischend spritzig zugleich. Störende Bitter- oder andere Wirkstoffe sucht man vergebens. Stattdessen auch hier die angenehmen Fruchtnoten, die, wenn ich sie jetzt zu beschreiben versuche, am ehesten an exotische Früchte erinnern. Mango und Maracuja etwa. Einige Gäste haben auch die berüchtigte Banane genannt. Davon nehme ich auch ein klein wenig wahr, doch nur, wenn ich mich bewusst darauf konzentriere. Wenn da überhaupt Bananenaromen drin sind, dann höchst zurückhaltend und eher von voll ausgereiften als von billigen grünen Bananen. Nein, ich nehme nur edle Früchte wahr.

Ein Weizen – ein Bock – ein Bier

Im Abgang geht das Erlebnis ungebremst weiter: Hier wird der Weizenbock nun doch noch etwas wild, indem er den Hopfen sich in seiner Herbheit noch mal neben den Früchten entfalten lässt. Auch dies gefällt mir sehr gut, weil das keine Störwirkung ist, sondern eine harmonische Unterstützung und Begleitung des mit dem Hinunterschlucken langsam verklingenden fruchtigen Erlebnisses. So werde ich am Ende wieder daran erinnert, dass auch ein Weizenbier ein Bier ist. Herrlich! 🙂

Steinkrug, Henkel-Halbe oder Glas?

Der Weizenbock, das Weizenbier also, wird in gläsernen Henkel-Halben ausgeschenkt. Glas deshalb, damit man die Farbe und die Trübung des Bieres gut sehen kann. So wurde und wird auch das Forschungs-Dunkle serviert, das „Münchener Naturquell Dunkel“. Die Durchsichtigkeit des Glases ist hier also zuerst vor allem von optischem Nutzen. Doch auch die Form dieser Glaskrüge hat einen Vorteil: mit ihrem im Vergleich zu herkömmlichen Gastronomiegläsern dickeren Trinkrand unterstützt diese Form die Vollmundigkeit der Forschungsbiere. So wird das edle Getränk gleich dort im Mundraum platziert, wo sich der volle Geschmack entfaltet. Wie sich dies im Sommer im Biergarten bewährt, muss sich noch zeigen. Bier ist ja lichtempfindlich und sollte tunlichst vor der Sonne geschützt werden. Da wäre dann das Steinzeug wieder die bessere Wahl. Ob Glas oder Stein – in jedem Fall dürften die Henkel für die Kellnerinnen und Kellner eine Erleichterung sein. Ich selbst muss mir diese Frage zum Glück nicht stellen, da ich als Stammgast ja meinen eigenen steinernen Krug habe. Dass ich daraus einmal Weizen trinken werde, und dass sich das dann so perfekt anfühlt, das hätte ich vorher nie gedacht.

Ein Weißbier ganz in der Forschungstradition

Forschungsbrauerei – Die Wilde Weiße Weizenbock. Habe ich schon erwähnt, dass ich begeistert bin ;-)? Endlich gibt es in der Forschung wieder einen Bock. Und es ist sogar wieder ein Heller Bock. So kannte und kennt man die Forschung. Nicht gekannt hat man bisher ein Forschungsweißbier. Das ist neu. Und doch in seiner Art und in seiner Perfektheit so, als ob es schon immer zur Forschung gehört hätte.

Bruder Bock und Schwester Bock

Ab 15. Februar 2013 wird wieder der Sankt Jakobus ausgeschenkt werden, das bisherige Ausnahmebier aus Perlach. Würde es dann noch diesen Weizenbock geben, dann hätte der Sankt Jakobus in der Wilden Weißen jetzt eine Schwester bekommen, die es ohne Weiteres mit ihm aufnehmen kann.

Bilder vom Premierenabend

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8 Kommentare

  1. Bernd sagt:

    Bier ist ja lichtempfindlich und sollte tunlichst vor der Sonne geschützt werden. Da wäre dann das Steinzeug wieder die bessere Wahl.

    Wenns mal im Glas ist, kommts darauf nicht mehr an

    Gruß

  2. fwolf sagt:

    Nun .. ich werd mir das dann am 1. Weihnachtsfeiertag (also 25.12. – so denn nicht vorher die Erde in die Sonne stürzt, oder letztere explodiert) mal näher zu Gemüte führen 😉

    cu, w0lf.

  3. Uwe sagt:

    nach Deinen Ausführungen muss das Bier ja heilig gesprochen werden. deswegen werde ich Weihnachten das NEUE selbst testen und als Verstärkung Ilse mitbringen.

  4. ralf sagt:

    Da bin ich ja gespannt, ob und wie es Dir gefällt.

    Am 25. musst Du aber auf die Öffnungszeiten achten. Da ist nur bis 16 Uhr auf, also bis Vier!

    Pröstla
    ralf

  5. Klaus sagt:

    Hallo,

    ich habe es am Freitag probiert – die Wilde Weisse ist ein sehr, sehr gutes Bier.

    VG
    Klaus

  6. Herbert sagt:

    Hallo Ralf,

    ich bin ebenfalls ganz begeistert vom Weißbierbock und kann Deiner Beschreibung nur zustimmen. Ich hoffe der Weißbierbock reicht bis zum 15. Februuar. Auf jeden Fall wird die bocklose (Sankt Jakobus lose) Zeit dadurch auf das Angenehmste verkürzt.

    Gruß aus der Forschung und einen guten Rutsch wünscht Allen
    Herbert

  7. oliverxt77 sagt:

    Letzten Freitag abend konnte ich die Wilde Weiße ausgiebig geniesen und kann mich dem Artikel nur anschliesen. Ein tolles Bier das seinesgleichen sucht…

  8. ralf sagt:

    Seit letzten Dienstag, also schon fünf Tage lang, ist der Weißbierbock nun ausgetrunken. Die Weißbierliebhaber unter den Forschungsfreunden mögen es Herbert und mir verzeihen :oops:. Wir hatten zur Unterstützung, damit unsere Krüge noch ganz gefüllt werden konnten, sogar noch die letzten Zoiglflaschen mit heranziehen lassen müssen. Nun gibt es also bis zum Sankt Jakobus Anstich am kommenden Freitag doch noch eine bockfreie Trockenzeit. Aber halb so wild, dass die Wilde Weiße aus ist, denn:

    Fünf mal werden wir noch wach, und dann ist schon wieder Anstichtag! 😛

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