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Sonderartikel: Schweinebraten in der Serengeti

Zum Abendessen habe ich mich heute noch mal zur Serengeti aufgemacht. Meine Gazelle freut es. Sie ist ja einer der Ureinwohner der Serengeti. Sie mag besonders den Garten. Ich auch. Heute aber bin ich schon nach Einbruch der Dunkelheit in Serengeti angekommen. Da habe ich mir innen eine warme und ruhige Ecke gesucht. Auch der Gazelle dürfte es heute lieber sein, dass sie den Garten noch mal fast für sich alleine hat. Ich wüsste gerne, welche Gedanken ihr heute durch den Kopf gehen. Ob sie ahnt, was der Serengeti bevorsteht? Wir Massai haben es ja schon vernommen. Geschockt zuerst, natürlich. Inzwischen trauern wir schon.

Und diese Trauerstimmung war es, die mich heute in das Nebenzimmer mit dem gelblich-grünlich beleuchteten Fenster gehen ließ. Erst heute erkenne ich, wie gut die Farbe „Gelblich-Grünlich“ doch zu allen Gemütsverfassungen passt. Heute in meiner Trauer bemerkenswerter Weise so gut wie damals, als ich zum ersten mal in diesem Stüberl saß, in der gegenteiligen Stimmung. Ich weiß sogar noch, was ich damals aß. Den Schweinebraten gab es da noch nicht. Der ist erst vor kurzem in der Serengeti aufgetaucht. Ein Paar Pfälzer mit Weinkraut waren es. Und eine Süddeutsche hatte ich dazu gelesen. Die brauchte ich damals noch als Beilage zum Essen; als einsamer Massai, als der ich anfangs immer in Serengeti saß. Die anderen Massai kannte ich noch nicht, und sie mich auch nicht. Erst im Laufe der Jahre wurde für mich da eine Heimat draus, wurde ich Teil der Massai-Bevölkerung der Serengeti. Ja sogar meine Massai Familie habe ich mir gefunden. Denn in so einem Reservat wie der Serengeti lässt es sich einfach nicht vermeiden, jedem der Bewohner irgendwann mal über den Weg zu laufen. Fremdartige Menschen scheinen es zunächst zu sein, diese Massai. Doch gute Menschen sind es, interessante Menschen, bemerkenswerte Menschen – ganz einfach Wesen, von denen man gern umgeben ist, in deren Mitte man sich wohl fühlt, fast geborgen manchmal, und immer gut, selbst wenn es manchmal Zank gibt zwischen ihnen, oder sogar zwischen ihnen und einem selbst. Es liegt was ganz geheimnisvolles in der Luft der Serengeti, was das alles schnell vergessen und wieder zur Freude übergehen lässt.

Keinen der Massai kannte ich damals, als ich erstmals in dem Gelblich-Grünlich-Zimmer saß. Beim zweiten mal war das schon anders, da war ich bereits selbst zu einem Massai geworden. Und ich hatte sogar schon Freunde mit dem Serengeti-Virus angesteckt. Eine der empfänglichsten für diesen Virus war Claudia. Als ich berufsbedingt eine Zeit lang fern der Serengeti leben musste, hatte sie mir angeboten, dass ich in ihrem Arbeitszimmer schlafen könne, wann immer es mich nach Hause zieht zur Serengeti. Und sie verbreitete den Virus weiter. An einem der Jahresenden in der Serengeti bat sie mich, dort einen Platz zu reservieren, wo wir mit Freunden, Tante und Eltern zusammen noch mal feiern wollten, bevor die Serengeti in den Winterschlaf ging. Es wurde – wie immer in der Serengeti – ein wunderschöner Abend im Gelblich-Grünlich-Zimmer. Und wieder erinnere ich mich an das Essen. Die Vögel waren an diesem Abend schon alle in ihr Winterquartier entflogen, sodass keiner mehr da war, den man hätte fangen und verspeisen können. Die jungen Rinder aber waren nicht schnell genug gewesen, sodass es noch die klein geschnittene Lunge eines der Kälber für mich gab.

In jenem Jahr war ein neuer Massai in der Serengeti aufgetaucht, der die anderen mit seiner Musik und mit seinen Sprüchen bestens in Stimmung bringen konnte. Auch Claudias Tante war bester Laune, was dem Massai-Musiker nicht entging. Als er die Stimmung der Tante bemerkte, ließ er einen Spruch vom Stapel, der uns allen seither unvergesslich blieb:

Auch eine alte Scheune
kann noch lichterloh brennen!

Lebens“weisheiten“ wie diese haben ohnehin in der Serengeti eine alte Tradition. Begründet hat diese Tradition der Sprüche der Stammesallerälteste der Massai. Ich nenne ein paar Beispiele:

Mein liebster,

den ich in einer Seitenhöhle der Serengeti entdeckte, als ich mich samstags nachmittags mal auf einer Radtour vor dem Regen dort hin geflüchtet hatte. Ich gebe so gut wieder, wie meine Erinnerung es zulässt:

Man soll von Gottesgaben
nicht stets das Beste haben.
Drum Wasser nicht verschwenden,
weil es das Best aus Gotteshänden.
Bescheiden sei allhier
und trinke Bier.

Über den ich sehr lange gerätselt habe:

Eine gute Nahrung…
abends Bier und morgens Harung.

Und der bekannteste

der Sprüche des Stammesgründers:

Bist du alt, gebrechlich, krank
wandere zu dem Zauberfass.
Du wirst jung, gesund und schlank
durch das edle Forschungsnass.

Tja, jetzt wo Serengetis Ende in greifbare Nähe gerückt ist, da geht mir dies alles wieder durch den Sinn. Ich durchlebe einen Filmablauf der Erinnerungen an all das in der Serengeti erlebte, als ob ich schon hundert Jahre dort verbracht hätte. Rund zehn dürften es dagegen tatsächlich nur gewesen sein. Doch diese waren dermaßen intensiv erlebt, dass ich mich hier sogar traue, zu obigen Sprüchen des Stammesgründers einen weiteren hinzuzufügen. In Demut vor der Serengeti beschränkt er sich auf nur vier Worte:

Morgens Schlankschluss,
abends Tankschluss.

Es wäre ein Jammer, wenn Serengeti wirklich sterben müsste. Möglich ist es. Notwendig – so hoffe ich – nicht. Und so rufe ich nochmals inbrünstig aus:

Serengeti darf nicht sterben!

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am Freitag, 1. Oktober 2010 und wurde abgelegt unter "Allgemeines, Oberbayern, Privatbrauerei, ralf". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen, oder einen Trackback senden von deiner eigenen Seite.

1 Kommentar

  1. Claudia sagt:

    Ich fühle mich sehr geehrt, dass ich in Deinen erinnerungen so präsent bin!

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