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feine Biere, wo und wie wir sie am liebsten haben

Bier aus USA: Brauereiführung bei Stone Brewing Co.

stone_titel stone_tour_test_ausschank Die beste Informationsquelle für besuchenswerte Brauereien sind in jeder Gegend die Einheimischen. Diese „locals“ habe ich natürlich auch hier in Südkalifornien gleich befragt. Die erste Brauerei, die sie mir darauf genannt hatten, war eine in Escondido CA mit Namen „Stone Brewing Co.“ . Lustigerweise kam fast gleichzeitig auch hier im Blog per Kommentar eine Empfehlung für genau diese Brauerei von unserem Leser Barm. Und als ob das nicht schon genug Zufall gewesen wäre, liegt diese Brauerei auch noch von allen mir genannten am kürzesten von meiner Unterkunft entfernt. Also ließ ich mich am frühen Nachmittag von meinem Gastgeber vor der Brauerei in Escondido aussetzen. Er hatte noch einiges privates zu erledigen und meinte, ich würde schon ein paar Stunden lang dort Spaß haben können, bevor er mich wieder aufsammeln kommt. Das würde mein erster Besuch in einer US-Brauerei sein, wusste also nicht so recht, was da auf mich zukommen würde, und so ließ ich es einfach mal geschehen…

First Contact

Von außen sieht das Gebäude eher aus wie eine normale Werks- oder Lagerhalle. Nur ein einziger brauereitypischer siloähnlicher Tank, der bei der Anfahrt schon von weitem gut sichtbar ist, signalisiert, dass man hier richtig ist. Vom Parkplatz führt dann ein schmaler mit Pflanzen überwachsener künstlich angelegter Hohlweg zum Besuchereingang der Stone Brewing Co. Etwas unbeholfen stehe ich im Eingang herum, bis mir eine der freundlichen Angestellten brav ihre Hilfe anbietet. Bier würde ich gerne verkosten, sage ich, und evtl. einer Tour (bzw. Brauereiführung) beiwohenen, falls es hier sowas gibt. Ja das wäre möglich meint sie, die nächste Tour beginne um 2pm, ich müsse mich nur am steinernen Tisch nebenan anmelden. Und Bier würde man dabei auch zu verkosten bekommen. Was es denn koste, frage ich. Oh, meint sie, das wäre alles „free“. Das ist ja großartig, sage ich. Ob ich denn danach auch noch meine eigene Verkostung fortsetzen könne? Ja, natürlich könne ich das. Man wird mir dann gern behilflich sein, im angeschlossenen Restaurant oder im Garten (Biergarten meinte sie wohl) einen Platz für mich finden.

Tour

Bis 2pm hatten sich noch eine ganze Reihe weiterer einheimischer Bierfans im Souvenir-Shop vor der Brauerei eingefunden, bis schließlich der brewery guide kam und die Menge zusammenrief. Der Anfang der Tour war erst mal, wie man sich als Europäer die USA so vorstellt. Mit einem vollen Bierglas in der Hand heizte der Guide die Besucher an mit Fragen, ob jemand da wäre, der Bier mag. Die Antwort ein gellendes amerikanisches Juhu! aus der Menge. Dann lehrte er das richtige gemeinsame Prosten. Ich hab’s ob des American Slang nicht so ganz verstanden. Es war sowas wie „Cheers to me!“. Die Menge brüllte es auf Aufforderung jedenfalls dem Guide entgegen. Na das kann ja heiter werden, dachte ich mir.

War dann aber gar nicht so, denn dieses Gehabe ist nämlich nicht wirklich ein Gehabe, sondern Teil der Professionalität des Guides, sowie offenbar der ganzen Company. Das Volk will eine Show erleben, und dabei vielleicht auch noch was lernen. Genau das wurde in der Folge auch geboten. Gut, als wir die Brauerei betraten, war gerade einer der Brauereimitarbeiter mit der Hopfengabe befasst. (Interesanterweise hat er das Säckchen in den Whirlpool der Anlage gekippt.) Der Kommentar des Guides dazu: I’m glad you can join this magic moment. Und aus der Menge das inzwischen übliche „Juhuuu!“.  In diesem unterhaltsamen Stil hat er die ganze Tour durchgezogen, aber dabei eben auch viel Sachliches, und wie ich meine auch sehr Korrektes erzählt. Am Anfang erklärte er z.B. den Brauprozess, beginnend mit den Zutaten: die unterschiedlichen Malze – hell, karamel, dunkel usw. – sowie deren Auswirkung auf die Bierfarbe; den Hopfen. Dann den Gär- und Lagerprozess. Es folgte ein Rundgang durch die ganze Halle, die alle Produktionsstufen der Brauerei unter einem Dach zu beherbergen scheint. Sowas ist halt möglich, wenn man alles von Grund auf neu am Reißbrett plant. Sollte die Stone Brewing Co. mal expandieren müssen, was gut möglich ist, denn der aktuelle Brauereistandort ist schon der zweite seit der Gründung des Unternehmens im Jahre 1996, dann wird sich vielleicht auch eine so geschachtelte Anlage bilden, wie man sie von alteingesessenen deutschen Traditionsbrauereien her kennt.

Deutsche Brautechnik

Die Brauerei wie ich sie besichtigt habe ist übrigens erst gute fünf Jahre alt und wurde von einer Deutschen Firma eingerichtet: ROLEC aus Chieming am Chiemsee.

Bilder von der Tour

Bierige Sprüche

Ich habe mir die Sprüche des Brauereiführers in seiner Geschwindigkeit gar nicht alle notieren können. Hier aber zwei Kostproben, bei denen mir das Mitschreiben gelungen ist:

Zur Erklärung, dass Dunkles Bier nicht gleich Starkes Bier bedeutet:

Guinness has got less calories than Bud Light.

(I don’t say one is better than the other 😉 )

Oder eben nach der Erklärung des Brauprozesses:

Brewing is no harder than scrambling eggs.

Sowas hilft – auch mir – sich die Fakten besser zu merken.

Bierwissen aus einer US-Brauerei

Ich war erstaunt, und zugleich auch hoch erfreut, wie viel Wichtiges und Richtiges über Bier während der Tour vermittelt wurde. Wenn ich Tour sage, dann meine ich auch die anschließende Verkostung, die ja Teil der Tour ist. Ich zähle lose zusammenhängend und ohne Anspruch auf Vollständigkeit auf, was man auf einer Brewery Tour bei Stone lernen kann:

  • „It’s all about the ingredients“. Soll heißen: Nur hohe Qualität der Ausgangsstoffe ermöglicht auch eine hohe Qualität des Endproduktes (Bier).
  • „Bitterness is not an instinctively pleasing sensation“. Damit wurde erklärt, bzw. darauf aufmerksam genmacht, das Bier eigentlich niemandem beim Erstkontakt mit diesem Getränk schmecken kann. Da gehört ein Lernprozess dazu. Die Wirkung des Alkohols mag dabei durchaus auch eine Rolle spielen.
  • Bier gehört in braune Flaschen, keinesfalls in grüne oder gar klare. Der Grund ist, dass die Hopfenwirkstoffe empfindlich sind gegen gewisse Wellenlängen von UV-Licht. Eine Ausnahme gegen diese Regel sind bestenfalls dunkle Biere, das „Newcastle Brown Ale“ wurde genannt, weil die dunkle Farbe des Bieres selbst gegen UV-Licht schützt.
  • Große Billigbrauereien  nützen den UV-Effekt, weil mit dem Lichtschaden alle ihre Biere gleich (schlecht) schmecken und so beim Verbraucher einen Wiedererkennungseffekt haben.
  • Sauerstoff ist schlecht für Bier. Wenn man auf einer Party beobachtet, dass jemand sein Fass mit Luft unter Druck setzen will, dann sollte man ihm umgehend eine überbraten, damit er das sein lässt. Denn: Bier oxidiert unter Sauerstoffeinfluss und wird damit unbrauch- bzw. trinkbar.
  • Der Hauptunterschied zwischen Ales und Lager-Bieren ist die Temperatur, bei der die Gärung stattfindet. Dabei sind jeweils unterschiedliche Hefen am Werk (den Unterschied von ober- und untergärig hat der Guide hier ausgelassen).
  • Großbrauereien machen unter anderem deswegen Lager-Biere, weil man diese leichter pasteurisieren kann, ohne dass der Verbraucher dies merkt.
  • Ales haben in der Regel fruchtige Aromen, beim Lager fehlen diese wegen der anderen Gärungsart.

Und noch das eine oder andere mehr. Das hat in mir den Eindruck erweckt, dass hier sehr wohl mit großem Wissen und Verstand gebraut wird.

Fazit

In den USA ist durchaus gut Bier trinken, vorausgesetzt, man ist am richtigen Ort und hat das richtige Bier. Eigentlich selbstverständlich und überall auf der Welt gültig. Aber eben auch in den USA. Ich habe meinen Besuch bei Stone Brewing in Escondido CA sehr genossen, bis 10pm. Was und wie ich genossen habe, dazu muss ein weiterer Artikel her. Vielleicht fahre ich dazu sogar noch mal nach Escondido, bzw. lasse mich fahren 😛

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am Donnerstag, 20. Januar 2011 und wurde abgelegt unter "Ale, ralf, USA". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen, oder einen Trackback senden von deiner eigenen Seite.

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