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Ayinger Kirta-Märzen – filtriert oder unfiltriert?

Am zweiten Oktoberwochenende ist in Aying immer die Bräu-Kirta. Wir Mitglieder des „Ayinger Freundeskreises“ bekommen dafür jedes Jahr einen Gutschein geschenkt, für eine Maß „Kirta-Bier“. Auf den Gutscheinen steht dazu immer als Datum geschrieben „Zweiter Sonntag im Oktober“. Das hatte bei uns für ein klein wenig Verwirrung gesorgt: „Zweiter Sonntag“. Soll das heißen, der Gutschein gilt nur am Sonntag? Oder gilt er an dem ganzen Wochenende, das den „zweiten Sonntag“ umfasst? Heuer war am Beginn des Kirta-Wochenendes, das ist am Freitag, ein Konzert der „Münchener Freiheit“, das ich mir gerne anhören wollte. So war für mich klar, dass ich schon am Freitag zur Kirta nach Aying fahre. Da habe ich aber keinen Gutschein einlösen müssen, weil ich am Zelteingang schon von einem Angehörigen der Brauerei begrüßt wurde, der mir gleich einen Biergutschein in die Hand drückte, und ich am Sonntag eh noch einen Termin mit meinen Blog- und Freundeskreis-Freunden hatte, zu dem ich meine Freundeskreisgutscheine einlösen wollte. Das Freitagsbier war dann auch, wie ich es von der Ayinger Brauerei kenne, entsprechend sagenhaft. Doch der Sonntag – der hatte dann etwas noch Sagenhafteres zu bieten!

Freitag, Sonntag, Kirta-Bier. Was kann dabei schon sagenhaft sein?

Freitag

Da bestellte ich mir, dank Gutschein meines Bekannten, ganz unbeschwert eine Maß vom Kirta-Märzen. Es hatte eine phänomenale Farbe: Mittelbraun, Kastanienbraun, Dunkelbernstein, wie auch immer man es bezeichnen möchte. Jedenfalls außerordentlich hübsch. Und das Bier in der Maß glänzte mich durch die Glasaugen des Standardmaßkruges freundlich an. Es war klar, offenbar filtriert, und hatte – eben durch die Filtration – diesen schönen dunkelbernsteienleuchtenden Glanz. Es war wirklich schön anzuschauen. Ich konnte mich ob der Farbe erst gar nicht daran satt sehen, aber irgendwann war dann Schluss, und ich musste natürlich auch davon kosten. Und ja – das Bier schmeckte so gut wie es aussah. Vollmundig malzig, an Karamell oder Tannenhonig erinnernd, und im Abgang kontrastreich würzig, mittelherb, mittelkräftig, optimal ausgewogen. Ich freute mich schon auf den Sonntag, wo ich dieses Meisterwerk in Gesellschaft meiner Freunde genießen würde. Und siehe da: Am Sonntag sollte ich eine wahre Überraschung erleben!

Ayinger Bräu-Kirta-Sonntag

Sonntag, so sollte ich erst am Montag realisieren, ist DER Tag, um in Aying eine Kirta-Maß zu trinken. Ich muss gestehen, dass ich am Sonntag nicht kapiert habe, wie mir geschah. Tja, manchmal gibt es halt auch Wichtigeres als Bier: Das war ganz klar die Gegenwart meiner Freunde. Das Bier habe ich – haben wir – trotzdem genossen. Was ich zwar gesehen, aber eben nicht bewusst wahrgenommen haben, war die Trübe des Sonntags-Bieres. Sehr wohl aber habe ich den kellerfrischen Geruch desselben bemerkt. Gärig, CO2-frisch lag er über der Maß. Das roch schon nach echtem Kellerbier. Ich habe mir auch schon für das Blog eingeprägt, dass es trüb ist. Unfiltriert – daran zu denken war ich zu sehr abgelenkt von meiner angenehmen Gesellschaft, vom „wo und wie“ ich das Bier genoss. Ich hatte mich sogar gewundert, dass es mir nicht mehr so süß schmeckte wie am Freitag noch. Sanft war es, trotzdem vollmundig würzig, mit einer gedämpften Süße, wenn überhaupt eine Süße vorhanden war, und ausgeglichen rund. Und bei alledem war das Sonntags-Kirta-Bier auch noch angenehm erfrischend. Rückblickend war aber am beeindruckendsten der kellerfrische Geruch.

Am Sonntag war auf der Ayinger Bräu-Kirta neben Bierausschankbetrieb auch noch ein üppiges Rahmenprogramm geboten. Wir waren hauptsächlich vom Tag der offenen Tür in der Brauerei angetan, wo wir das an diesem Sonntag gesiedete frische Weißbier, die „Bräu-Weiße“ im Gärkeller oben (!) im Schalander bewundern konnten. Dass das Bier, das wir durch die Fensterscheiben zum Gärkeller sahen, tatsächlich erst wenige Stunden alt war, hätten wir vom bloßen Anblick her nie geglaubt. Doch zufällig war auch der Ayinger Braumeister Iwan gerade in der Nähe, den wir dazu befragen konnten, und der uns geduldig, bereitwillig und kompetent Auskunft gab.

Als wir dann von der Brauerei, es war schon nach Fünf Uhr abends, zurück zum Festgelände gingen, erlebten wir eine Überraschung: Das Fest-Märzen war aus! Nachdem wir kurz zuvor erst frisch gebrautes Weißbier gesehen hatten, bestellte ich mir als Ersatz ein „altes“ – also reifes – Weizen und dachte mir nichts. Ich dachte mir nichts, wunderte mich nur kurz, weil eben das Ambiente und meine Gesellschaft so überaus angenehm waren, und freute mich darüber, dass ich rundum zufrieden und glücklich war. So soll es beim Biergenuss auch sein. Erst am Montag kam dann die Erkenntnis …

Montag

Am Montag ist bei der Ayinger Bräu-Kirta abends das große Kesselfleisch-Essen. Da war ich die letzten Jahre nie dabei, so wie ich bei der ganzen Kirta nie dabei war, weil meine Lieblingsbrauerei da immer ihr letztes reguläres Wochendende der Saison hatte, um am dritten Oktoberwochendende mit einem Abschlussfest in die vier- bis fünfmonatige Winterpause zu entschlafen. Da hatte ich natürlich andere Prioritäten. In diesem Jahr aber fuhr ich am Montag zum ersten Mal, ja sogar zum dritten Mal an einem (verlängerten) Wochenende nach Aying: Ich mag Kesselfleisch, und ich hatte noch Gutscheine, die nur am Montag gültig waren. Die Ayinger Brauerei weiß schon, wie sie ihre Fans zur Kirta lockt ;-)! Ich konnte also noch mal das Kirta-Märzen genießen. Und siehe da – am Montag war es wieder so glasklar glänzend wie am Freitag, mit dem Unterschied, dass ich diesmal den Unterschied bewusst wahrnahm. Ich hatte dabei auch Unterstützung durch Bekannte, die auch am Sonntag mit uns in Aying waren. Diese, auch Freundeskreismitglieder, fahren schon längere Jahre regelmäßig nach Aying, und wussten Bescheid über die Tatsache, dass am Sonntag das Festbier immer unfiltriert ausgeschenkt wird. Als sie mir das bestätigend erklärten, fiel es mir auch endlich wie Schuppen von der alten Fischhaut, dass da zwischen Freitag und Sonntag sowie Montag etwas anders war. Und so schmeckte ich am Montag also – endlich – ganz genau hin. Und ich schaute auch hin. Die Farbe war ziemlich gleich. Nur dass das Bier eben wieder glänzte und klar war. Auch der Schaum kam mir anders vor, aber da kann auch ein gutes Quäntchen Einbildung dabei sein. Jedenfalls habe ich meine Geschmackseindrücke eifrigst und peinlichst umgehens in mein Biertagebuch niedergeschrieben: Härter und kristalliner im Körper wirkt das Bier. Süßer und malziger. Klar und deutlich ist die Hopfenherbe im Abgang zu schmecken, der zurückbleibende Hopfenteppich ist stärker, greifbarer. Dagegen war das unfiltrierte Sonntagsbier diffuser, gedämpfter, irgendwie breiter und ausgeglichener, nicht so klar strukturiert. Am Sonntag konnte ich keine eindeutigen Geschmacksnoten ausmachen, eher einen Gesamteindruck von urig-würzigem … Bier! In der Klarheit des Montags und Freitags finde ich dagegen klare Worte wie „Karamell“ und „Tannenhonig“. Das ist das Malz. Der Hopfen wirkt in beiden Bieren hauptsächlich „bitter“, also „würzig“. Dies ist soweit interessant, ja richtig spannend. Was am Montag und Freitag fehlte, war die lebendige gärige Note im Geruch. Das filtrierte Märzen riecht frisch, nach Kohlensäure, aber nicht mehr „gärig“. Das hatte nur das Bier am Sonntag. Dafür war am Sonntag nur wenig Karamell im Bier und überhaupt kein Tannenhonig. Ich beginne zu erkennen: im filtrierten Bier lassen sich die Malztöne besser wahrnehmen, im unfiltrierten merkt man das Leben im Bier. Das Leben der Hefe, den aktiven Vergärungsprozess.

Ja was denn nun?

Ich muss gestehen, so hin- und hergerissen wie an diesem Wochenende war ich noch nie. Ich hatte auch nie die Möglichkeit, ein Bier filtriert und unfiltriert gleichzeitig oder so kurz hintereinander probieren zu können. Im filtrierten Bier, in der „glänzenden“ Kirta-Maß, konnte ich insbesondere die vom Malz stammenden Geruchs- und Geschmacksnoten toll erriechen und -schmecken. In der Sonntags-Maß waren es die Hefenoten, die Gärnoten, die ich wahrnehmen konnte, das Malz schon auch, aber nicht so klar, so transparent. Der Hopfen war an allen Tagen würzend und bittermachend, was mich eine traditionelle Bitterhopfung vermuten lässt.

Ich sage es mal so: Wenn ich an nur einem Tag des Kirta-Wochenendes nach Aying fahren könnte, dann wäre der Sonntag meine erste Wahl. Die Keller- und Gärfrische und somit der unverfälschte Geschmack eines unfiltrierten Bieres sind einfach etwas zu selten Erhältliches, als dass ich mir das entgehen lassen würde. Könnte ich nur an den anderen Tagen kommen, wäre das auch kein Drama. Das filtrierte Kirta-Bier ist immer noch herausragend anders, einmalig und es wert, dafür eine kleine Reise auf sich zu nehmen.

Kellerfrisch aber, mit lebendiger Hefe, und mit dem Geruch und Geschmack von noch aktiver Gärung – das ist es, was Biergenuss zum Bier-Höchstgenuss macht. Und so und nicht anders will ich Bier am liebsten haben!

Auf nach Aying an jedem zweiten Sonntag im Oktober eines jeden Jahres!

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am Freitag, 19. Oktober 2012 und wurde abgelegt unter "Märzen, Oberbayern, ralf". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen. Pingen ist zur Zeit nicht erlaubt.

4 Kommentare

  1. oliverxt77 sagt:

    Danke für den leidschaftlichen Bericht. Ich werde nächstes Jahr sicherlich mit dabei sein. Ist halt doch eine besondere Brauerei da in Aying!!!

  2. benhur sagt:

    Das wußte ich auch nicht, dass sonntags unfiltriert und anderntags filtriert ausgeschenkt wird. Da ich letztes mal samstags auf dem Kirta war, mag der Unterschied – mal abgesehen von Erinnerungslücken – zwischen meinem Eindruck heuer und der vom letzten mal also daran gelegen haben, und nicht nur am andern Jahrgang!
    Ich kann, zumindest zum naturtrüben, deiner Schilderung voll zustimmen, genauso habe ich es auch empfunden. Das letztjährige hat mit nicht ganz so arg begeistert wie heuer. Als absoluter Kellerbier-Liebhaber würde ich auch das Unfiltrierte dem Filtrierten sofort vorziehen, aber wie du sagst: beides sehr gute Biere!

  3. fwolf sagt:

    „Kirta“ – was genau heißt diese kryptische Umschreibung? Sowas ähnliches wie „Kirchweih“?

    cu, w0lf.

  4. benhur sagt:

    „Kirta“ ist Dialekt für „Kirchweih-Tag“ – und deswegen heisst es auch DER Kirta und nicht die Kirta.

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