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feine Biere, wo und wie wir sie am liebsten haben

Das besondere Polen: Hausbrauer Jan

BrowarUJana

Manchmal ist es wirklich praktisch, wenn man so „seinen Ruf weg“ hat. Ich habe auf diese Weise schon so manche unverhoffte Bierprobe bekommen. Und diese Woche hat mich mal wieder ein Kollege glücklich gemacht, in dem er mir von seinem Heimaturlaub in Polen eine Probe mitbrachte. Diesmal aber keine käuflichen Biere, sondern welche von „einem Verwandten von einem Bekannten …“, der als Hausbrauer aktiv ist. In Gorlice, im äußersten Südwesten, braut „Browar u Jana“ („Brauer John“) seine Biere und verteilt sie an Freunde und Verwandte – und nun haben es 4 Sorten bis München geschafft!

Pszeniczne – Weizen

BrowarUJanaWeizen

Das auffälligste der 4 ist das „Weizen“ in seiner grünen Flasche und ist daher als Erstes dran. Es wurde am 5. Juli gebraut, mit 10,5 Grad Stammwürze und 4,1% alc. steht auf dem Etikett.

Schon beim Öffnen schäumt es stark in der Flasche, lässt sich aber beim Einschenken und im Glas gut zähmen; es bleibt reichlich Hefesatz in der Flasche übrig, obwohl das Bier schön trüb ist. Erstaunlich hellgelb finde ich es, mit einem sehr frischen und fruchtigen Duft. Sowohl Nase als auch Gaumen beim ersten Antrunk erinnern mich aber gar nicht an ein bayrisches Weizen oder Weißbier, sondern ganz klar an ein belgisches Witbier! Es hat einen schönen Körper, ohne dass bestimmte Malznoten besonders hervorstechen würden, am ehesten noch das Getreidefruchtige. Auch der Hopfen ist sehr im Hintergrund, vor allem schmeckt man die fruchtigen Noten einer typischen Witbier-Hefe: ein bisschen säuerlich, ein bisschen Aprikose, ein bischen apfelmostig; schöne Eigenschaften eines erfrischenden Sommerbieres, wozu auch der eher niedrige Alkoholgehalt gut passt. Insgesamt ist es nicht zu fordernd, nicht wahnsinnig komplex, so dass es bestimmt auch für Witbier-Neulinge gut zu trinken ist. Ausgewogen, stimmig und absolut Sorten-typisch.  Alle Achtung, gut gelungen!

Gorlicer

BrowarUJanaGorlicer

Das soll ein typische Bier im traditionellen Stil der Gegend sein, wurde mir vom Spender erläutert. Mit 4,9% alc. aus 12 Grad Stammwürze ist es auf jeden Fall im üblichen Bereich. Beim Einschenken zeigt sich eine schöne dunkelgold – fast schon bernstein – opalisierende Farbe, und vor allem ein ganz toller Duft: fruchtig, ein wenig mit Waldhonig, an der Flasche sogar leichter Schinkenrauch, und deutliche obergärige Hefe, würde ich sagen. Ich würde es auch am ehesten mit einem Alt vergleichen: fruchtig im Antrunk, viel Malzkörper, der an das wogende Getreidefeld im Spätsommer erinnert, und ein knackig-trockener Abgang. Es würde mich interesseieren, wie das Bier gebraut wurde, und auch mit welchem Hopfen. Denn der ist so geschmeidig mit dem Malz, das erlebt man selten! Das ist mehr als gut gelungen, mein Respekt steigt!

Ciemniak

BrowarUJanaCiemniak

Das Dunkle ist sagenhaft dunkel, fast schon schwarz, mit einem Schimmer Rostrot; dazu der dunkle braune Schaum. In Optik eine glatte 1+! Die Nase wird regelrecht beschäftigt mit Düften nach Brot und Pumpernikel, nach starkem Filterkaffee und Ovomaltine – alles wunderbar passend zur Optik. Auch im Antrunk kommen diese Aromen, dazu aber noch ein weicher, runder, samtiger Malzkörper, der das alles trägt, und ein Gefühl von dunklem kühlen Wald gibt. Mit der Zeit kommen auch noch andere Kaffee-Aromen durch, z. B. Irish Coffee, und Lakritz, weniger die fruchtigen. Trotz diesen eher schwer klingenden Aromen bleibt das Bier süffig. Auch diese Sorte ist Brauer Jan perfekt gelungen!

Kölsch

BrowarUJanaKoelsch

Als Abschluß habe ich mir das Kölsch aufgehoben. Sehr hell und schön feinperlend fließt es ins Glas, wie aus dem Bilderbuch! Hefe-fruchtig ist der Duft, nach Melone, Ananas und Honig. Sehr spritzig ist der Antrunk, auch das gehört sich so. Zu den bereits mit der Nase erkannten Aromen gesellen sich noch ein bischen Mandarine und grüner Apfel. Dann kommen die blumigen und die würzigen Aromen nach, am deutlichsten werde ich an Cumin-Körner erinnert. Hmmmmm!!! Selbst nach dem Runterschlucken hört der Genuß noch nicht auf, es bleibt ein schön langer fruchtiger Nachhall. Fantastisch!

Fazit:

Jan, du bist ein Tausendsassa! So grundverschiedene Birstile so perfekt hinzubekommen, das ist eine Meisterleistung. Nur schade, daß es diese Biere nicht zu kaufen gibt. Aber vielleicht kommt das ja noch, wenn auch alle anderen Genießer so denken…

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am Mittwoch, 9. September 2015 und wurde abgelegt unter "benhur, Hausbrauer, Polen". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen. Pingen ist zur Zeit nicht erlaubt.

2 Kommentare

  1. Daniel sagt:

    Dasist schon etwas gemein, hier ein Bier vorzustellen, dass bei gefallen nicht zu erwerben ist. 😉

  2. Steffi sagt:

    Hallo Daniel,

    das Bier kann man sicherlich erwerben, warum nicht? Man kann doch die Brauerei anschreiben und sich ein paar Fläschchen zuschicken lassen. Oder du machst einen kurzen Wochenend-Trip.
    LG
    Steffi

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