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feine Biere, wo und wie wir sie am liebsten haben

Bierverkostung des Ayinger Freundeskreises

Nachdem am letzten Ayinger Zwickelbiertag fast das ganze Blogteam Mitglied im Ayinger Freundeskreis geworden ist, kommen wir nun auch in den Genuss, zu den professionellen Biertests eingeladen zu werden. Die Termine sind für Berufstätige leider meist zu früh, um 18:00 Uhr, heute jedoch war speziell für diese ein später Termin um 19:30 angesetzt. Keine Frage, dass ich diesen wahrgenommen habe.

Zum Test stand diesmal der Biertyp „Helles Vollbier“.

Der Großteil der 13 Teilnehmer kannte sich ganz offensichtlich schon von früheren Bierproben und vom Freundeskreis-Stammtisch. Daher war ihnen auch das für mich ganz neue Prozedere schon bekannt:

Rahmenbedingungen

Vier Biere gilt es zu verkosten. Dazu liegen an jedem Teilnehmerplatz, man sitzt gemeinsam um einen großen Tisch im Schalander herum, vier Bierfilze nebeneinander bereit, die von 1 bis 4 nummeriert sind. Der Tisch steht in größtmöglicher Entfernung von der Theke, damit keiner sehen kann, welche Marken dort eingeschenkt werden. Fest steht nur, dass auch der Ayinger Vertreter des getesteten Biertyps darunter ist.

Zu Beginn der Probe gibt der Ayinger Braumeister eine kurze Einführung in den Biertyp. Zum Vollbier erklärt er z.B., dass dieses einen Stammwürzegrad zwischen 11 und 12% hat, und daraus einen Alkoholgehalt von um die 5% vol. alc. plus/minus ein paar Zehntel.

Jeder Tester bekommt einen Bogen Papier zur Verfügung gestellt. Darauf ist eine Tabelle vorgedruckt mit je einer Spalte für jedes Bier. In dieser Tabelle kann man für die Biermerkmale Farbe, Geruch, Antrunk, Rezenz und Nachtrunk Noten von 1 für „schlecht“ bis 5 für „sehr gut“ vergeben. Aus der Summe der Punkte ergibt sich dann die jeweilige persönliche Rangfolge des Testers. Diese Einteilung in die Merkmale und Punkte ist jedoch nur als Hilfestellung gedacht. Die Tester können auch einfach nur den Gesamteindruck der Biere bewerten. Entscheidend für den Ayinger Brauer ist nur, dass eine klare und begründete Rangfolge herauskommt.

Am Schluss nimmt der Testleiter die Rangfolgen von allen Testern auf und ermittelt die Gesamtbewertung der Gruppe. Danach wird für einen kleinen Wettbewerb bekannt gegeben, welche Marken im Test waren, und die Tester können versuchen diese nun den vier Bieren zuzuordnen.

Sag einfach immer „Paulaner“

sagte mir schon vor dem Test eine der erfahrenen Teilnehmerinnen im Scherz. 😉 Naja – ganz so einfach war das dann aber nicht.

Der Test

Es kamen in schneller Reihenfolge die vier Testbiere an den Tisch, so dass jeder vier Gläser mit je einer halben Halben vor sich stehen hatte und mit Riechen und Schmecken seine Wertung ermitteln konnte. Zur Geschmacksneutralisierung zwischen zwei Bieren standen Körbchen mit Knäckebrot bereit. Da wurde dann eine gute halbe Stunde lang kräftig geschnüffelt, geschlurft, geknabbert und geschwenkt bis jeder seinen Testbogen mit Zahlen und Notizen vollgeschrieben hatte.

Das Ergebnis

Nach Testabschluss durfte reihum jeder seine Rangfolge bekanntgeben und ein paar Worte zur Begründung sagen. Ich machte den Anfang.

Mein persönliches Ergebnis

Platz 1: Bier Nr. 4 – weil es in allen Eigenschaften am deutlichsten und angenehmsten war, „vollmundig“ angenehm eben.

Platz 2: Bier Nr. 1 – es war schwächer als mein Sieger, aber auch rundum angenehm

Platz 3: Bier Nr. 2 – auch noch angenehm und rund, aber noch schwächer als meines auf Platz 2

Platz 4: Bier Nr. 3 – das roch für mich vor allem unangenehm muffig, lief ölig und war pelzig säuerlich

Das gemittelte Gesamtergebnis

Nachdem der Testleiter alle Wertungen zusammengetragen hatte, ergab sich diese Reihung:

Platz 1: Bier Nr. 4

Platz 2: Bier Nr. 3

Platz 3: Bier Nr. 2

Platz 4: Bier Nr. 1

Beim Spitzenreiter stimmte ich also mit der Mehrheit überein. Beim Rest waren es, so hörte ich aus den individuellen Begründungen der Tester heraus, eher die persönlichen Geschmacksvorlieben, die den Ausschlag gaben. Gerade das Bier Nr. 3 kam auf allen Platzierungen vor: Beim einen das beste, beim anderen wie bei mir das schlechteste.

Auflösung

Jetzt wollten wir Tester aber endlich wissen, was wir da getrunken hatten (und der Leser sicher auch :razz:). Und vor allem waren wir gespannt, ob das Bier Nr. 4 denn auch wirklich das Ayinger Lager Hell war, wovon alle überzeugt waren.

Die Biere waren also

Bier Nr. 1: Tegernseer Hell (Platz 4)

Bier Nr. 2: Ayinger Lager Hell (Platz 3)

Bier Nr. 3: Augustiner Hell (Platz 2)

Bier Nr. 4: Paulaner Hell (Platz 1)

DAS war dann aber wirklich eine Riesenüberraschung für alle. Paulaner! Ausgerechnet Paulaner war das beste Bier im Test. Und auch der Ayinger Braumeister gestand, dass er sich für sein Bier einen besseren Platz erhofft hätte. Doch dazu dient ja so ein Test: die Akzeptanz der Ayinger Biere zu ermitteln und herauszufinden, ob und was sich da verbessern lässt.

Bei der Zuordnung der Marken lag ich übrigens auch ziemlich daneben. Gut, das Tegernseer und das Augustiner hatte ich noch richtig getippt. Das waren auch die beiden Biere aus dem Test, die ich schon mal getrunken hatte. Die beiden anderen hatte ich andersrum eingeordnet. War auch schwer, ohne diese vorher je probiert zu haben (nur zu meiner Entschuldigung :oops:).

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am Mittwoch, 3. Februar 2010 und wurde abgelegt unter "Allgemeines, Helles, ralf, Vollbier". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen, oder einen Trackback senden von deiner eigenen Seite.

6 Kommentare

  1. fwolf sagt:

    In diesem Fall hätte ich vermutlich das Ayinger Hell sofort gefunden – alle anderen Biermarken kenne ich schon. Das Tegernseer finde ich z.b. etwas sehr wässrig, während das Paulaner einen – für Paulaner – typischen Eigengeschmack hat. Augustiner Helles Vollbier, welches zu meinen Lieblingssorten zählt (muffig? ja ne, is klar), hat tatsächlich eine leicht säuerliche Note, und ist zugegebenermaßen in den letzten Jahren leicht wässriger geworden als es, sagen wir mal, vor 10 Jahren war.

    Dennoch würde ich jedes dieser Biere aus diesem „Pulk“ herausschmecken können. Das Ayinger Hell ist das einzige davon, das ich nicht kenne.

    cu, w0lf.

  2. benhur sagt:

    Na, das find ich aber auch sehr überraschend! Da bekomme ich doch auch mal Lust, so etwas durchzuführen, um zu sehen, ob meine „Markenmeinung“ auch anonym noch Bestand hat. Bis auf das Paulaner kenne ich auch alle und meine, sie zuordnen zu können, aber das ist vermutlich wirklich schwerer als man denkt.
    Waren das Flaschenbiere oder alle aus einem Fass, oder gemischt? Ob ich mir echt doch mal eine Flasche Paulaner Helles kaufen sollte…?

  3. oliverxt77 sagt:

    Ein sehr Aufschlußreicher Artikel, der mich doch etwas stutzig macht. @ benhur: Kauf Dir zwei Paulaner Orginal Münchner Hell. Ich kenne es aus als Feierabendbier aus dem Bauwagen. Man muß sich darauf eintrinken…

  4. benhur sagt:

    Wer hätte das gedacht, dass ich so schnell zu einer Gegenprobe des Paulaner komme: wegen Schneesturm kann mich die Lufthansa nicht nach hause fliegen und ich komme nur bis Nürnberg, wo ich mir dann als Frustkompensationsbier doch glatt anstelle eines leckeren Frankenbiers ein Paulaner anbieten lasse… Aber nach diesem Bericht war ich ja doch gespannt und erwartungsvoll. Leider wird die Erwartung total enttäuscht, ich muss bei meinem früheren Urteil bleiben: das Paulaner ist Massenware ohne irgendeine geschmackliche Note. Ich würde sogar das Ayinger neue Helle vorziehen, obwohl ich das schon ganz schwach fand.

  5. ralf sagt:

    Hehe 😛 . Tja benhur, ich habe auch nicht geschrieben, dass das Paulaner Hell auf einmal ein gutes Bier ist. So richtig gut geschmeckt hat mir tatsächlich keines aus der Testreihe. Weil wie Du auch sagst: einfach zu dünn. Das hat den Test aber auch so schwierig und interessant gemacht, diese feinen Unterschiede, vor allem zwischen dem Tegernseer und dem Ayinger. Das Augustiner und das Paulander hoben sich deutlicher von den beiden und voneinander ab.

    Wahrscheinlich macht es für den Gelegenheitstester auch stark was aus, ob er ein Bier quasi blind verkostet, oder ob er weiß, was er vor sich hat. Und es ist mit Sicherheit ein Unterschied, ob man sich an eine Einzelflasche macht oder parallel mehrere Biere kostet. Genau im letzteren Falle kommen nämlich die kleinen Unterschiede zum tragen. Und dann kann ein absolut für sich gesehen schwaches Bier unter mehreren schwachen schon mal gut aussehen.

    In meinem Urteil (es war mein erster derartiger Test) ging ich dann nach dem Gefälligkeitsfaktor. Ergebnis siehe oben. Wäre ich nach dem Nasen- und Gaumenkitzelfaktor gegangen, wäre wohl das Bier Nr. 3, das Augustiner, mein Favorit gewesen.

    Ich merke schon – bei der nächsten Verkostung sehe ich zu, dass ich wieder dabei bin 😉 .

  6. ralf sagt:

    So, hier noch als Ergänzung ein Bild der Testkandidaten (bitte Link klicken).

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