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Das Ende(?) der Forschungsbrauerei – Stefan Jakob hört auf

Solange es nur ein Gerücht war, habe ich über das drohende Ende der Forschungsbrauerei hier im Blog nur chiffriert geschrieben. Siehe dazu meine Sonderartikel (click). Wer mich gut kennt, konnte es entschlüsseln, und bei den Bedienungen der FoB ist es inzwischen sogar schon ein geflügeltes Wort geworden: „Serengeti“, das letzte Bierreservat in der ehemaligen Bierstadt München. Spätestens seit letzten Donnerstag muss ich aber keine Geheimniskrämerei mehr betreiben. Da war nämlich ein Artikel von der Größe einer halben(!) Seite in der der Süddeutschen Zeitung – über das Ende der Familientradition der Brauerfamilie Jakob.

Und was ist jetzt wirklich los?

Tja, in dem Artikel stand auch nur so viel oder so wenig, wie Stefan Jakob selbst – auch auf eindringlichste Fragen seiner Gäste – heraus lässt. Die Bedienungen und die Angestellten in der Küche sagen und/oder wissen ebenfalls nicht mehr:

  • Stefan Jakob war seit 2003 acht Jahre lang der Pächter der Forschungsbrauerei und hat seinen Pachtvertrag mit dem Vater Heinrich Jakob gekündigt.
  • Er will sich in Zukunft mehr seinem Brauerberuf widmen als dem Wirtsdasein. Er ist ja von Beruf auch wirklich Braumeister – mit Diplom.
  • Der Vater möchte den Betrieb in Familienhand lassen und im nächsten Jahr mit einem neuen Pächter weiter laufen lassen. Dieser noch unbekannte Pächter wird gerade gesucht. Dazu soll Heinrich Jakob in der vergangenen Woche auch schon „Bewerber“ durch die Gaststätte geführt haben.
  • Der Wunschkandidat pachtet am besten Gaststätte und Brauerei zusammen. Dann sollte er also wohl ein Brauer sein oder einen Brauer mitbringen.

So der Stand der Dinge heute am Saisonende 2010.

Und wir Gäste?

Für uns wird der Winter 2010/11 eine Zeit der Ungewissheit und des Bangens. Der Artikel in der Süddeutschen hat Hoffnung gemacht. Mehr aber auch nicht. Das wichtigste Gut der Forschung, das A und O, womit der ganze Betrieb in München Perlach steht und fällt, ist das vielgerühmte Bier, das in namhaften Bierführern durchweg zu den 100 besten Bieren der Welt gezählt wird. Wenn es der Familie Jakob und dem neuen Pächter gelingt, dieses Gut zu bewahren, dann besteht wirklich Anlass zur Hoffnung, dass die Forschungsbrauerei ihre Krise überlebt.

Allerdings ist – gerade für die Stammgäste – auch wichtig, dass neben dem Bier auch die Tradition ihren Fortbestand hat. Damit meine ich jetzt die diversen Bräuche wie den festlichen Anstich zur Saisoneröffnung oder auch die Abschlusstage. Viele Gäste wünschten sich ja immer, dass die Forschung doch auch im Winter geöffnet haben möge. Ein neuer Pächter könnte sich auch darauf einlassen. Vielleicht ja auch mit einer nur kürzeren Schließungsperiode über die Adventszeit bis zum Fasching.

Was meiner Meinung nach neben dem Bier aber am behutsamsten angefasst werden sollte, ist die Einrichtung des Bräustüberls. Die sollte am besten so bleiben wie sie ist. Denn genau diese vermittelt die besondere Gemütlichkeit des alten Münchens, die sonst so gut wie nirgends mehr in der Stadt zu finden ist. Eine Reise nach Perlach ist immer auch ein bisschen eine Reise zurück in der Zeit. Das kommt erstaunlicherweise auch bei jungen Gästen sehr gut an. Die finden allerdings auf der Speisekarte, die auch noch weitestgehend aus der guten alten Zeit stammt, den Tomaten-Mozzarella-Salat mal ausgenommen, oft nicht so recht eine passende Unterlage zum Bier. Da hätte ein neuer Pächter vielleicht eine gute Chance, sich beim Publikum erfolgreich einzuführen.

Aber was mache ich denn gerade? Ich ertappe mich dabei, weitere Gerüchte um die Forschung zu spinnen. Zurück zu den Fakten:

  • Kirchweihsonntag, am 17.10.2010 ist heuer der letzte „normale“ Tag der Forschungsbrauerei.
  • Vom Dienstag, 19.10.2010 bis zum Samstag gibt es eine „Verlängerung“ zum Bierkeller leer trinken. Mit Bier und Obatzd’n jeweils von 17:00 bis 23:00 Uhr.
  • Nach Leerung des Kellers ist dann erst mal Schluss.

Alles was jetzt kommt ist Ungewissheit und Bangen. Ich wünsche Heinrich Jakob und seiner Familie auf jeden Fall, dass sie das richtige Händchen und auch das nötige Glück bei der Pächtersuche haben. Und wenn dieser mal gefunden ist, dann sind alle gespannt, wann und wie es weiter geht. 🙄 Die Frage „Ob?“ will ich erst gar nicht stellen!

Serengeti darf nicht sterben!

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am Samstag, 16. Oktober 2010 und wurde abgelegt unter "Brauereiausschank, Oberbayern, Privatbrauerei, ralf". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen, oder einen Trackback senden von deiner eigenen Seite.

3 Kommentare

  1. Peter wahrendorff sagt:

    Hallo Ralf,
    sehr gute Berichterstattung !! Nun bleibt wie so oft die Hoffnung. Demnächst gibt es auch von mir einen Kurzfilm über die FoB.

    Gruß Peter

  2. Herbert sagt:

    Hallo Peter,

    die Forschung hat voraussichtlich bis 30.10. geöffnet, nicht bis zum 23.10 wie Ralf geschrieben hat. Ich hoffe wir können Dich bis dahin nochmal in der Forschung begrüßen und in den Genuß des Kurzfilms kommen.

    Gruß
    Herbert

  3. ralf sagt:

    Danke Herbert, für diesen erfreulichen Hinweis. Ich habe die Terminankündigung für diese außerordentliche Verlängerung inzwischen angepasst.

    Gruß
    ralf

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