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feine Biere, wo und wie wir sie am liebsten haben

Geschichten aus der Forschungsbrauerei: Ein neues Forschungsexperiment – Der „Gazellator“

Seit einiger Zeit schon scherze ich mit Herbert, auch ein Stammgast der Forschungsbrauerei, über die Mischung von Bier mit anderen Getränken. Auf diesem Gebiet gibt es seit jeher eigentlich nur eines, das sich ernsthaft durchgesetzt hat: Das Radler. Radler gibt/gab es in der Forschung schon lange. Und Radler wird ja meist von denen getrunken, die entweder mit dem Rad fahren, wie Herbert es oft tut, oder von denen, die ein Bier trinken mögen, aber den Alkohol nicht wollen dürfen, weil sie Auto fahren, oder weil ihnen Normalbier zu stark ist. Bierkenner wissen aber, dass es über normalstarkes Normalbier hinaus noch stärkere Biere gibt. Bockbier heissen diese, oder gar Doppelbock, je nach Stammwürze. Und in der Forschung ist das Bockbier gleich ein Doppelbock. Ein ziemlich guter sogar. Was also tun, wenn man Bockbier gern hat, aber die Stärke nicht mag, oder gerade nicht wollen will oder darf?

Tja, Herbert und ich kamen da über das vergangene Jahr hinweg auf eine etwas unkonventionelle Idee. Als Stammgäste der Forschung, die wir beide sind, kennen wir natürlich die Einschätzung der beiden Forschungsbiere durch die Gäste. Genial finden fast alle Gäste beide Biere. Aber den einen ist das Helle, das mit dem Namen „Pilsissimus“, zu herb, zu hopfig, den anderen ist der „Blonde Bock“ zu malzig, zu süß, und allemal zu stark. Den Hopfen im Blonden Bock schmecken die meisten gar nicht erst, der fällt nur Kennern oder Brauern auf. Was läge da also näher, als beides zu kombinieren, in der Hoffnung, die Extreme dadurch auszugleichen?

Das waren die Gedanken, die Herbert und mich bewegt hatten. Aber erst jetzt, wo die Forschung sich im Ausnahmezustand befindet ob ihres stark gefährdeten Weiterbestehens, hatten wir den Mut, und auch die Stimmung, es endlich zu versuchen: Helles und Bock zu mischen. Der Bierliebhaber mischt sein Bier eigentlich nie. Auch Radler wird nur in Notfällen konsumiert. Doch genau das ist die drohende Schließung der Forschung ja: ein Notfall. Da brechen alle Dämme, und so auch unsere Hemmung vor dem Sakrileg, ein Bier zu panschen. Genau heute in der Zeit der Not ließen wir uns schließlich darauf ein und panschten das edle Forschungsbier, doch wenigstens dann noch mit Bier, und zwar dem Forschungsbier. Halb Pilsissimus, das Helle, und halb den Blonden Bock ließen wir uns vom verwunderten Bräu Stefan Jakob einschenken. Quasi ein „Radler“ auf höherem Niveau sollte es werden, so die Hoffnung. Da der Name „Radler“ aber schon vergeben war, nannten wir es natürlich nach einem Rad – meinem Rad nämlich – „Gazellator“.

„Gazellator“ also. Mischung aus den beiden Forschungsbrauereibieren. Was soll dabei rauskommen? Normalradler aus Bier und Limo ist ein süßes Getränk, das an Bier erinnert. Forschungs-Pilsissimus ist ein sehr hopfiges helles Münchner Bier. Der Forschungs-„Blonde Bock“ ist ein sehr malziges und dabei doch auch noch ziemlich hopfiges helles Starkbier. Beides zusammen könnte ein hopfiges mittelstarkes mittelmalziges mittelhelles neues münchenartiges Bier sein. – Denkste! – Ich war aufs höchste überrascht: Den „Pilsissimus schätze ich als hopfenwürziges pilsähnliches Bier mit angenehmer Restsüße, den Bock als stark malziges und dennoch(!) extremst hübsch hopfiges Starkbier. Aber gemischt wie ein Radler? Die Stärke passte: genau mittelstark. Das ist auch nicht schwer. Mehr als Basismathematik braucht es dazu nicht. Doch Geschmacklich? Da war ich fast geschockt. Da hat sich nämlich nix, aber rein gar nix gegenseitig ergänzt. Genau das Gegenteil war der Fall: Auf schon wieder wunderbare Weise haben sich der Pils- und der Malzbock-Charakter der beiden Biere fast vollständig gegenseitig aufgehoben. Übrig blieb reine Hopfenbittere, mit einer flachen Unterlage aus charakterlosem Malzkonglomerat.

Ist – bzw. war(?) – das Forschungsbier also doch nicht so gut? Würde man den Ausgang unseres Experiments so verstehen, wäre das vollkommen falsch. Gerade diese Unfähigkeit der beiden Biere, sich in in einem Krug halb und halb zu vereinigen, zeichnet sie in höchstem Maße aus. Jedes dieser beiden Biere ist aufs extremste Geschmackserlebnis konditioniert worden und für sich alleine ein perfektes Bier. Jetzt, nach diesem Versuch, erkenne ich sogar, warum ich mich nie entscheiden konnte, welches der beiden Forschungsbiere mein Lieblingsbier ist. Ja, ich hätte die Frage nie stellen müssen. Sie sind BEIDE mein Lieblingsbier. Aber: jedes für sich allein. Mischen geht nicht. Zwei Genies zusammen geben halt kein Doppelgenie. Oder biertechnisch ausgedrückt: Zwei Halbe sind nicht gleich eine Maß.

Was lerne ich daraus? Die Forschungsbiere sind – jedes für sich – Spitzenbiere. Und zwar so wie sie sind. Auch wenn ich jetzt zu übertreiben scheine, ich bin überzeugt, ich übertreibe nicht: Die Forschungsbiere sind die Krone der bayerischen Braukunst. Jedes in seiner Kategorie. Und jede Abweichung, egal in welche Richtung, macht alles Mögliche mit diesen beiden Forschungsbieren, nur eines nicht: sie besser. Warum? Weil sie schon die besten sind!

Danke Gottfried Jakob – für dieses Bier!

Danke Heinrich Jakob – für dieses Bier!

Danke Stefan Jakob – für dieses Bier !!!

Aus, Äpfel, Amen!

Und ach ja: Serengeti darf einfach nicht sterben!

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am Dienstag, 26. Oktober 2010 und wurde abgelegt unter "Allgemeines, Brauereiausschank, Oberbayern, Privatbrauerei, ralf". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen, oder einen Trackback senden von deiner eigenen Seite.

1 Kommentar

  1. Peter wahrendorff sagt:

    Hallo Ralf,

    sehr interessanter Versuch, ich hätte auch gedacht, dass bei der Mischung ein weiteres gutes Bier heraus kommt aber euer Urteil könnte ja fast heißen die Mischung schmeckt nicht nach mir oder dir.
    Ich habe eine Version meiner DVD über die Forschungsbrauerei ohne Musik-Untermalung fertig. Mail mir deine Adresse und ich schicke sie los !

    Gruß Peter

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