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„O’zapft is!“ – Es herrscht wieder Normalzustand in der Forschungsbrauerei

Gestern um Elf Uhr war in der Forschungsbrauerei der für viele Fans der „Forschung“ wohl wichtigste Moment nach der Übernahme der Brauerei durch die Wirts- und Brauerfamilie Silbernagl: Der Anstich des Bockbieres „Sankt Jakobus – Blonder Bock“. Geöffnet hatte das Bräustüberl bereits seit dem 1. August mit einem inoffiziellen Probebetrieb von knapp zwei Wochen, bis am 12. August dann die offizielle Wiedereröffnungsfeier abgehalten wurde. Seit dieser Zeit, sechs Wochen sind es mittlerweile schon, gab es nur die „leichte“ Biersorte aus dem Forschungskeller zu trinken: Den Pilsissimus, ein helles Exportbier. Das Flaggschiff der Forschungsbrauerei aber war immer schon der „Blonde Bock“ gewesen. Dieser wurde auch gleichzeitig mit dem Hellen zu Anfang Juli eingebraut. Durch seinen hohen Stammwürzegehalt von über 19% braucht er jedoch eine längere Lagerzeit, bis er ausschankfertig ist. Diese Zeit war jetzt, rund zehn Wochen nach dem Brauen, erreicht.

Anstich durch Wies’n-Stadtrat Helmut Schmid

Für den festlichen Akt das Anstichs war der Wies’n-Stadtrat Helmut Schmid eingeladen. In dieser Position war Helmut Schmid wohl seit der Zeit der 80er Jahre, als Franz-Josef da selbst in Perlach angestochen hatte, der wohl ranghöchste Amtsträger, der den Anstich vornahm. Er verspätete sich allerdings um einige Minuten, zehn oder fünfzehn, was einige Bierfreunde etwas spöttelnd mit zwinkerndem Auge sagen ließ: „Diese Partei (die Partei Helmut Schmids) kann man jetzt aber nicht mehr wählen!“ 😉 Und sie meinten damit die CSU, denn er sähe doch aus wie ein waschechter CSU-Politiker. Daran sieht man aber, dass die Parteizugehörigkeit bei Bierfesten doch nicht so wichtig ist, denn Helmut Schmid ist tatsächlich SPD-Stadtrat in München! Als er dann aber endlich eingetroffen war, fackelte er nicht lange rum, sondern erfüllte zielstrebig und schnell seine Pflicht. Ein echter Profi halt in Sachen Bier, und wohl schon ein würdiger „Wies’n-Stadtrat“. (Was macht eigentlich so ein extra Stadtrat für die Wies’n :?:)

Auch wenn das jetzt mit den Bierspritzern auf den Bildern nicht so aussieht – der Wies’n-Stadtrat hat wirklich professionell und erfolgreich angestochen. Dass es zu den Spritzern kam, lag an einem kleinen technischen Problem am Zapfloch des Anstichfasses. Denn schon während des Anstechens sagte Helmut Schmid als erster, dass mit dem Fass etwas nicht in Ordnung wäre. Das hat dann offenbar auch Manfred Silbernagl erkannt und unter Mitwirkung des befreundeten Brauers Georg Mayr nachträglich behoben, wie man auf den Bildern erkennen kann. Nach dieser „Reparatur“ waren dann schnell die 20l aus dem Anstichfass abgezapft.

Der „Blonde Bock“ 2011

Genau zehneinhalb Monate hatte die bockige Trockenheit jetzt gedauert. Doch jetzt fließt er wieder, der Blonde Bock. Und kein bisschen scheint er sich verändert zu haben, außer dass er jetzt auch immer unfiltriert ausgeschenkt wird. Klar, dass ich keine direkte Vergleichsmöglichkeit mit früher habe. Mit den zehn Wochen ist der Bock auf jeden Fall sehr jung für den Anstich. In der Ära Jakob hatte er zum Anstich immer eine Reife von gut vier Monaten gehabt. Für den Anstich wohlgemerkt. Wenn während der Saison nachgebraut wurde, dann gab es auch da einen jüngeren Bock. Geschmacklich merkte ich das immer an einer Verschiebung des Geschmackseindrucks von brotig reif zu fruchtig frisch. Geschmeckt hat es aber immer, so auch jetzt beim Bock-Anstich 2011.

Weil Helmut Schmid sich verspätete, musste die Zeit irgendwie überbrückt werden, und da gab es als „Nothelfer“ halt doch noch einen Pilsissimus vorneweg. Mit diesem verglichen muss ich sagen, dass der Forschungsbock einfach um ein vielfaches bieriger schmeckt, „bieriger“ im Sinne von voller, reichhaltiger. Das wäre ja auch schlimm, wenn das nicht so wäre bei gut sieben Prozent mehr Stammwürze! Meine erste Maß hatte ich von Manfred Silbernagl aus dem Anstichfass bekommen. Das war – wie immer – rund-malzig perfekt, ohne Ecken und Kanten, samtig weich und rundum bierig. „Bierig“, das ist voll malzig, aber überhaupt nicht unangenehm süß, und trotzdem auch noch würzig hopfig herb. Total ausgewogen in allen Geschmacksrichtungen. Der Blonde Bock zeigt keinerlei Ambitionen, irgendeine der in den Rohstoffen enthaltenen Geschmacksfarben besonders herauszuheben, außer der von … Bier! 😛

Zwölf Stunden Ochs‘ und Bier

An diesem Festtag war ich schon vor Elf Uhr im Biergarten, und ich blieb, wie viele andere auch, den ganzen Tag, bis es am Abend nochmals Elf Uhr wurde. Den Forschungsbock muss man langsam trinken, und so bleibt er lange im Steinkrug liegen und wird dabei schon auch mal etwas warm. Erstaunlich ist, dass er aber bei jedem Füllstand immer schmeckt. Bei dem warmen Spätsommerwetter ist es wohl auch gut, dass er noch sehr jung ist für seine Verhältnisse. Seine jugendliche Fruchtigkeit passt hervorragend zu diesem Tag. Ich habe wirklich den Eindruck, einen guten Wein zu trinken. Gerstenwein in diesem Fall. Drei Maß in zwölf Stunden reichen da für den vollkommenen Hochgenuss. Vollendet wurde dieser Genuss durch den Ochs‘ vom Spieß, den es zum Anstichtag gab. Mit seinem sensationellen Preis von 5,50€ für die Portion – mit Knödel und Krautsalat – konnte man sich da sogar noch eine „Dessert“portion leisten, was mehrere Gäste auch tatsächlich machten. Dieser Superpreis war als Dankeschön der Wirtsleute an die Gäste gedacht, sozusagen als eine Art Einstandsgeschenk.

Alles wieder normal – und doch auch nicht

Die Forschung ist jetzt endlich wieder komplett. Ein schwieriges Kapitel dieser Traditionsbrauerei ist mit dem Bockbieranstich endlich abgeschlossen – biertechnisch gesehen. Mit vielen Neuerungen drumherum hat die Familie Silbernagl der Forschungsbrauerei jedoch schon ihren eigenen Stempel aufgedrückt. Dass sie das richtige Gespür für einen Brauerei- und Wirtsbetrieb hat, sieht man an den Besucherströmen, die sich seit der Wiedereröffnung an jedem schönen Tag im Biergarten einfinden. Dieser Boom kommt nicht nur vom unveränderten Forschungsbier. „Zahlreiche Neuerungen“ hatten die Silbernagls vor der Wiedereröffnung angekündigt. Die kamen auch, begonnen ganz oben auf dem Dach der Brauerei mit den neuen Fahnen, bis zum Ochsengrill beim Bockbieranstich und dazwischen noch vieles mehr. Die Forschung ist schöner geworden, die Speisen vielfältiger, die Preise sind normal geblieben. Das Bier dazu, das Fundament der Brauerei, ist unverändert. Möge uns die neue Forschung noch lange so erhalten bleiben!

Bildergalerie vom Anstich

Hier noch mal gesammelt ein paar Bilder vom Anstichtag:

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am Sonntag, 11. September 2011 und wurde abgelegt unter "Brauereiausschank, Doppelbock, Helles, Oberbayern, Privatbrauerei, ralf". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen, oder einen Trackback senden von deiner eigenen Seite.

3 Kommentare

  1. Tine sagt:

    Wir waren zur gleicher Stunde in Aying.Zwicklbiertag.
    Das Bier war sehr gut, wenn ich auch ein wenig geschwächelt habe. Das lag aber sicher daran, das ich wenig Weisswurst gegessen habe, um so eine Grundlage fürs Bier zu schaffen.
    Die Musi spielte, Sonnenschein und ( was sehr wichtig für mich war) es gab Espresso.

  2. Markus V. sagt:

    Interessanter Beitrag – schön dass es noch Bierkultur gibt und wie sich Fachleute damit auseinandersetzen. Vielen Dank!

  3. Guido sagt:

    Schön, daß uns dieses Kleinod erhalten bleibt. Weiter so, ich freue mich auf den nächsten Besuch!

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