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Geschlossene Braustätten: Die Wahrheit über Altenmünster

Die Gemeinde Altenmünster ist im Landkreis Augsburg gelegen, in meiner schwäbischen Heimat. Bekannt ist dieser Ort weit über den Landkreis hinaus durch seine Brauerei mit dem gleich lautenden großen Namen. Das Altenmünster Brauerbier wird viel gelobt, nicht zuletzt wegen seiner ganz speziellen Reliefform-Bügelverschlussflasche. Wegen dieser Flasche hat es unter Biertrinkern fast schon Kultstatus. Aber kaum jemand weiß, dass die originale alte Altenmünster Brauerei schon längst nicht mehr existiert. Ich will hiermit darüber aufklären. Ein Artikel, den ich mit großem Herzschmerz verfasse. 😥

Die Geschichte

Ich muss zu meiner Schande eingestehen, dass ich die Altenmünster Kronenbrauerei sehr vernachlässigt habe. Vielleicht, weil die Brauereien der Heimat zu nah waren, um entsprechend gewürdigt zu werden. Deshalb kann ich keine genaue Angabe über den Schließungszeitpunkt der Brauerei in Altenmünster machen. Ich war auf einer Tagesradtour einmal im Bräustüberl eingekehrt und erinnere mich noch ganz genau an den Dampf und Duft aus der im Nachbargebäude befindlichen Brauerei. Sogar an den Salat mit den Putenstreifen, den ich mir bestellte, kann ich mich noch erinnern. Und daran, dass ich stolz war, dieses Bier an seiner Braustätte trinken zu können. Aber die Jahreszahl – keine Chance.

Sailer-Bräu Marktoberdorf

Irgendwann in den 90er Jahren gab es das Altenmünster Bier plötzlich in jedem Getränkemarkt und vor allem an Tankstellen von großen Paletten mit auffälligen Werbeplakaten daran zu kaufen. Bei genauerem Hinsehen las ich, dass das Altenmünster jetzt aus Marktoberdorf kam. Die dortige Sailer-Brauerei stellte dieses Bier nun her und verkaufte es – offenbar mit großem Erfolg.

Allgäuer Brauhaus AG

Als benhur dann heuer im Mai aus dem Hamburger Exil einen Artikel über das Altenmünster schrieb, kam ein neuer Name ins Spiel: Die Allgäuer Brauhaus AG. Diese hatte im Jahr 2003 die Marktoberdorfer Sailer-Bräu aufgekauft – inklusive des guten Namens „Altenmünster“. Und dies ist der Stand heute, am Ende des Jahres 2009.

Dr. Oetker

Was hat jetzt dieser mit Altenmünster am Hut? Ganz einfach: Ihm gehört alles. Denn das Allgäuer Brauhaus gehört schon seit 1993 mehrheitlich zur Radeberger Gruppe, und diese wiederum gehört zum Oetker-Konzern. Und seit wann das so ist, das nachzuforschen erspare ich mir, sonst wird mir noch ganz schlecht von den vielen Geschichten über Brauereiübernahmen und -Tode.

Die traurige Wahrheit ist: Die Altenmünster Kronenbrauerei ist tot. Altenmünster Bier kommt jetzt aus Marktoberdorf von Dr. Oetker.

Bilder vom Ende

Im Jahr 2004 kam ich mehr oder weniger zufällig wieder mit dem Rad durch Altenmünster. Und da musste ich Entsetzliches sehen: Eine im Abbruch befindliche Traditionsbrauerei. Das Brauereigebäude stand noch da, aber in der Wand des Sudhauses klaffte ein riesiges Loch, durch das man ihm das Herz, die Sudpfanne, und alles weitere herausgerissen hatte. Die Lagertanks und alle noch irgendwie verwertbaren Geräte, darunter der Würzekühler und der Bierfilter standen zum Abtransport bereit. Wer weiß wohin man sie gebracht hat.

Umbau 2009

Heuer fuhr ich aus Neugier nochmals nach Altenmünster, um zu sehen, was aus der abgerissenen Brauerei geworden ist. Das Haus mit dem ehemaligen Bräustüberl steht noch da, allerdings komplett eingerüstet. Man baut es um zu einer Art Wirtshaus mit Hotel.

Um-, Anbau und Sanierung des bestehenden Brauhauses mit Errichtung von Gästezimmern

steht auf der Bautafel. „Bestehendes Brauhaus“. „…stehend…“. Dass ich nicht lache! Niedergerissen hat man es! Das Brauhaus. Das Sudhaus meine ich. Von dem spricht keiner mehr. Ist ja auch nicht mehr da.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am Samstag, 26. Dezember 2009 und wurde abgelegt unter "Allgemeines, Privatbrauerei, ralf, Schwaben". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen, oder einen Trackback senden von deiner eigenen Seite.

19 Kommentare

  1. benhur sagt:

    Das ist aber wirklich traurig, Ralf! Es sieht sogar noch böser aus, als die Ruine des X.-Münch-Bräu, den ich zufällig in Feldkirchen entdeckt hatte…

  2. fwolf sagt:

    das passt natürlich prima ins Bild – erklärt auch, warum mir das Altenmünsterer Bier schon seit meinem Fortgang aus heimatlichen Gestaden nimmer schmeckt.

    cu, w0lf.

  3. Mac sagt:

    Hallo Ralf,
    Deine Geschichte stimmt nur zum Teil. Die Kronenbrauerei Altenmünster wurde Anfang der 1980-er-Jahren vom Inhaber der Sailerbräu, Marktoberdorf, gekauft und erst zu diesem Zeitpunkt von ihm das Altenmünster Brauer Bier in der heute bekannten Flasche „kreiert“. Aufgrund des großen Erfolgs wurden div. Brauerein im Coburger Raum gekauft und dort ebenfalls das Altenmünster Bier und div. Spezialbiere (Rauchenfelster Steinbier, u.a.) gebraut.
    Irgendwann in den 1990-er-Jahren erfolgte ein millionenteurer Um- und Ausbau der Brauerei in Marktoberdorf, um dort die Kapazitäten aus Kostengründen zu konzentrieren. Da der Inhaber Gerd Borges keinen seiner Nackommen für die Weiterführung seines Lebenswerkes betgeistern konnte, sah er als einzige Möglichkeit zur Rettung der Braustätte in Marktoberdorf den Verkauf an einen leistungsstarken Brauereiverbund.
    Gruß Mac

  4. ralf sagt:

    Danke Mac, für diese Richtigstellung und ergänzende Info. Damit wird das dann so was wie „die volle und ganze Wahrheit über Altenmünster“ :-).

    Ich gestehe, dass ich bisher immer etwas voreingenommen war, wenn ein Großer einen Kleinen „geschluckt“ hat und dass ich das eher schlecht gesehen habe. Durch Deinen Kommentar ist mir bewusst geworden, dass das nicht zwangsläufig so sein muss. Man muss halt einfach „die Wahrheit“ kennen, gell 😉 Um so mehr freue ich mich über Deinen Beitrag zu diesem Artikel.

    Dankeschön
    Ralf

  5. Marcus sagt:

    Habe eben zufällig den Artikel über die ehemalige Brauerei Altenmünster entdeckt und bin hocherfreut – nicht über das traurige Ende der Brauerei, sondern dass Du hier noch ein paar Bilder der Brauerei aus dem Jahr 2004 eingestellt hast und somit die Erinnerung an diese einstmals bekannte Brauerei aufrecht erhältst.
    Dass es noch jemanden gibt, der es entsetzlich findet, wenn Traditionsbrauereien verschwinden, stimmt mich sehr froh. Auch ich versuche auf meiner Webseite die einstmals in meiner Umgebung befindlichen, inzwischen geschlossenen Brauereien wenigstens in Wort und Bild „am Leben zu erhalten“.
    Vielen Dank nochmals und bitte weiter so, habe Deine Seite natürlich sofort meinen Favoriten hinzugefügt!

  6. Michael Heinze sagt:

    Durch Zufall bin ich auf diese Seite gestolpert.

    Das Altenmünster urwürzig gehört immer noch zu meinem Lieblingsbier.
    Die Geschichte der Brauerei ist schon sehr traurig geht doch auch immer ein Stück Kulturgut verloren.

  7. ububu sagt:

    Hallo,
    mich als Altenmünsterer Bub freut es wahnsinnig hier so viel Positives über „unser“ Bier aus unserem Dorf zu lesen. Auch freut es mich, dass nicht nur die Bewohner, sondern auch auswärtige Personen missfällt, dass die Brauerei abgerissen wurde und das Bier seitl langem schon nicht mehr in Altenmünster gebraut wird. Noch schlimmer finde ich aber, dass das Allgäuer Brauhaus nun zur Radeberger Gruppe gehört. Natürlich inklusive Altenmünster.
    Aber eine erfreuliche Nachricht habe ich doch. Seit diesem Jahr ist das alte Wirtshaus, welches 2 Jahre lang rundum renoviert wurde, wieder in Betrieb. Wer also Lust hat, zu den Wurzeln des Bieres zurück zu kehren, der ist herzlichst Willkommen. Zu trinken gibt es wohl kein besseres Bier;)

  8. Schluckauf sagt:

    Servus ububu,

    freut mich, dass das ehrwürdige Altenmünster Bräustüberl bzw. Wirtshaus wieder reaktivitiert wurde. Werde baldmöglichst dort aufschlagen!
    Aber: es gibt dort leider nun nur noch dem Namen nach das Altenmünster!
    DAS ALTENMÜNSTER gibt es -leider- unwiderbringlich nicht mehr (weil es ja auch die Brauerei nicht mehr gibt).
    Wie Du richtig festgestellt hast, wird ein/das Bier mit diesem Namen von der Radeberger Brauerei im Betriebsteil Allgäuer Brauhaus in Leuterschach/Allgäu produziert.
    Industrie gegen früheres Handwerk………schade!

  9. Gerd sagt:

    Hallo liebe Bierfreunde,
    ich bin 60 Jahre und Kölner, lebe auch in Köln.
    Bei einem Einkauf bei Hertie, im Sept. 2012, stieß ich zufällig auf Altenmünster Bier. Aus Neugier und der Flaschen wegen kaufte ich beide Sorten: Urig Würzig und Hopfig Herb. Nach dem ersten Schluck war Ich freudig erregt, so was Leckeres!!!
    Ich trinke gerne frisch gezapftes Kölsch, weniger gern aus Flaschen. Daher habe ich nun Altenmünster Bier auserkoren als mein Standart Flaschenbier.
    Mir tut auch die Entwicklung und das Sterben der „kleinen“ leid. Wie gut muss Altenmünster Bier früher geschmeckt haben als es noch aus Altenmünster kam.
    Beste Grüße und ein Prost aus Köln.

  10. Engelchen sagt:

    Hallo, liebe Altenmünster-Fans!
    Bin im Besitz einiger „alten“ Altenmünster großen (evtl. 2 1/2 Liter) bauchigen Bierflasche mit Schnappverschluss. Hat wer Interesse daran?
    Berliner Grüsse

  11. Jürgen Broska sagt:

    Hallo,
    es ist traurig,dass ich alter Sack von diesen
    Pulver Großkonzern mein Bier bezogen habe.
    Ich hoffe,das alle Biertrinker von diesen
    Geldgirigen Großkonzernen Abstand nehmen und
    zu kleinen Bierbrauereien wechseln,wo noch
    leckeres Bier gebraut wird!!!!!!

  12. Monika Ertl sagt:

    Hallo,
    es ist wirklich mehr als traurig, solch eine Brauerei dem Erdboden gleichzumachen.
    Einer meiner Vorfahren ein Herr J. Hämmerle war der Besitzer dieser Brauerei, er wurde erhängt aufgefunden, da er keinen Ausschanck mehr hatte ca. 1975, danach hat Sailer Bräu alles Ersteigert.

    Viele Grüße

    MRE

  13. Mchase sagt:

    Altenmünster habe ich sogar im Haus der 100 Biere in San Francisco gefunden! Ich trinke es seit 30 Jahren und ich glaube, es ist immer noch das gleiche Rezept, denn es schmeckt immer noch!

  14. ZedsDead sagt:

    Hallo, ich komme aus Reutlingen und habe in unserem Jugendclub das originale Altenmünster getrunken und kann mich noch seeeehr gut an den Geschmack erinnern. Er war sehr malzig, süffig, ohne aufdringliche Hefeanteile und sehr fein gehopft, also auf keinen Fall bitter. Ein Bier für jede Gelegenheit quasi. Damals wurde auch sicherlich Aromahopfen verwendet. Und obwohl wir nicht viel Geld hatten, tranken wir lieber das teurere Altenmünster als die anderen Biere.

    Jetzt sitz ich hier mit einer Flasche Altenmünster, in der ein extrem vordringlicher Hopfenextrakt verarbeitet wurde, welcher mit starker, einseitiger Herbheit die nur leicht durchschimmernde Malznote komplett überlagert: Zum Abgewöhnen, wenn man das Original kannte – ansonsten bestimmt irgendwie daseinsberechtigt für alle anderen Biertrinker.

    Mein Vorschlag an die Braumeister: bitte verwendet nur Pellets, auch wenns euch Radeberger Pilsnasen zu wenig herb sein sollte. Dann könnten wir euer „Altenmünster“ nochmals gnädiger bewerten. Wir können das Vergangene nicht zurückholen, aber das Neue doch vielleicht wieder zu einem echten Star unter den Bieren machen – ich stelle mich bei Bedarf gerne beratend zur Verfügung.

    Liebe Grüße

  15. ZedsDead sagt:

    P.S.: ….und es ist NICHT das gleiche Rezept 😉

  16. Peter Schulte sagt:

    Ich habe zu Weihnachten 1998 vom damaligen Brauereichef Borges eine Flasche „Schwarzbrand“, gebrannt aus Altenmünster Bier erhalten.
    Da ich Borges gut kannte, war ich etwas misstrauisch, ob der Schnaps auch trinkbar wäre.
    Heute, anlässlich der Eröffnung des Oktoberfestes 2014, habe ich diese Flasche zu einer kleinen Party bei meinem Sohn Stefan mitgenommen.
    Der Erfolg war überwältigend! Nicht nur, dass niemand auf den Rohstoff Bier kam, war es ein wunderbarer klarer Schnaps mit hervorragendem Aroma!
    Dank Gerd Borges, wo auch immer Du sein magst!

  17. bier genießer sagt:

    hallo hab noch zwei 2 literflaschen mit bügel zuhause. hat jemand interresse ?

  18. darkfader sagt:

    Dieser alte Artikel der Augsburg Allgemeinen passt da als Hintergrund Info auch noch gut dazu – da war ich noch nichtmal geboren…

    http://www.zeit.de/1977/53/schlimme-weihnacht-fuer-lola-haemmerle

    Also, die Sailer’sche Zeit war wohl noch eine Gute.

  19. Duarte sagt:

    Hallo,
    gerade trinke ich ein Altenmünster. Gekauft in einem Getränkemarkt im Rheinland. Die Flaschenform sowie die Bezeichnung „urig würzig“ fand ich spannend. Erwartet hatte ich dann ein eher dunkles Bier mit stark malzigem Charakter. Nun trinke ich wohl ein Helles. 🙁
    Neugierig habe ich nun nach der Quelle gesucht und bin auf diesen Artikel/Beitrag gestoßen. Vielen Dank dafür. Sehr interessant.
    Das kleine Brauereien schließen oder aufgekauft werden ist nun mal so. Es gibt viele Gründe dafür.
    Es gibt auch viele neue kleine Brauereien, die neu eröffnen oder auch Hausbrauereien. Diese besten oftmals sehr gute Biere.
    Ich muss leider nun mit einem Großkonzern-Bier vorlieb nehmen. War mit vorher nicht klar.
    Seit einem Jahr braue ich selbst und brauche immer wieder Bügel-Flaschen. Daher auch der Kauf.
    Meistens werden es IPA-Biere, die sehr stark gehopft sind.
    Allen Bierfreunden eine gute Zeit.
    Bei 34° geschrieben.
    Grüße
    Hier

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