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Neues Bier von Schneider: Meine Hopfenweisse

„Unverhofft kommt oft“ heisst es im Sprichwort, und es stimmt! Eigentlich wollte ich mich heute nur mit meinen Freunden Peter und Herbert im Weissen Bräuhaus im Tal zu München treffen, um mit ihnen zusammen die Stierhoden zu essen. Die gibt es dort jeden Sonntag. Und dazu ein, wie man sagt, „gepflegtes Schneider Weißbier“ trinken und als Dessert dann den sprichwörtlichen dunklen Aventinus, den Weizenbock von Schneider. Peter kam ein wenig später, und so hat Herbert etwas in der Getränkekarte geschmökert. Plötzlich sagte er etwas von „Hopfenweisse mit einem Hauch Zitrone“. „Hopfenweisse? Zitrone? Nie gehört.“ sagte ich. Ich nahm mir auch eine Getränkekarte zur Hand und tatsächlich: ein neues Bier von Schneider!

Wegen der „Zitrone“ meinte ich erst, die Brauerei Schneider wäre auf den Modetrend der Mixgetränke aufgesprungen. Beim Studieren der Karte las sich das aber so, als ob doch alles dem Reinheitsgebot gemäß korrekt zuginge:

Ein hopfiges Feuerwerk – ein ganz neues Weissbiererlebnis.
Goldfarbenes Weizenstarkbier mit rötlichem Schimmer. Der ausgeprägt blumige Duft erinnert an tropische Früchte und Ananas. Die dominante Bittere wird von einer fruchtigen Süße abgelöst. Dieses wirklich extreme Weissbier zeigt, wie weit Weissbiergeschmack gehen kann und passt zu sehr würzigen und exotischen Gerichten.

  • Weizendoppelbock
  • Alkoholgehalt 8,2 % vol.
  • Stammwürze: 18,5 %

Alkoholgehalt 8,2 % vol.! Das ist ja genau so wie der Aventinus von Schneider, der stärkste „normale“ Weizenbock, den ich bisher kannte. „Goldfarbenes…“ – also ein heller Bock, wenn er einer ist. Herbert und ich waren uns einig, dass es vielleicht eher ein Druckfehler war. Genügend Irritation, um umgehend die „Hopfenweisse“ zu bestellen und sich zu überzeugen. Die Getränkekarte sagte ja auch „… passt zu … exoitischen Gerichten“, also ideal für unser Vorhaben, gebratene Stierhoden zu essen.

Inzwischen war auch Peter zu uns gestoßen, und wir bestellten. „Stierhoden sind aus“, sagte die Bedienung. Autsch. Aber das Weiße Bräuhaus im Tal wäre nicht das Weiße Bräuhaus im Tal, wenn es da jetzt keine exotische Alternative gegeben hätte. Während Peter und Herbert auf eher traditionelles auswichen, wählte ich dann etwas ganz besonders traditionelles: „Geschmorte Schweinsohren in Gemüsesoße mit Kartoffelknödel und Krautsalat“. Und die Hopfenweisse passte dann auch wie angegeben hervorragend dazu.

Falsche Gläser

Die Hopfenweisse wurde uns in der Flasche an den Tisch gebracht, mit Gläsern dazu. 0,33l Gläser, wie sie im Weissen Bräuhaus für den Aventinus Eisbock verwendet werden. Eigenlich zu klein, wenn man gewohnt ist, ein Hefeweissbier immer im Ganzen in ein Glas zu schenken. Die Aventinusgläser hätten wir bekommen sollen, meinten Herbert und ich. Sowohl das eine wie das andere waren nicht optimal, sollten wir kurze Zeit später erfahren.

Mehr als nur ein Hauch Zitrone

„Ein Hauch Zitrone“ soll in der Weissen sein, so steht es auf der Flasche. Und tatsächlich: Die Hopfenweisse roch ganz und gar nicht nach Bier, sondern eher nach einem kühlen leichten spritzigen und exotischen Cocktail mit viel Zitrusfruchtanteil. Aprikose könnte es sein, meinte Herbert. Ich dagegen hätte mir die Ananas auch gut vorstellen können. Ganz stark und deutlich für uns beide aber die Zitrone. Insgesamt extremst duftig fruchtig zitronig frisch. Und auch beim trinken: Ganz luftig leicht und erfrischend rinnt das Bier die Kehle hinunter. Ganz und gar nicht schwer, wie etwa der Aventinus. Und von den 8,2% ist nix zu merken. Eher im Gegenteil. Fast wie eine leichte Weisse wirkt es. Richtig hinterhältig schon fast. Das kommt wohl daher, dass die Hopfenweisse eben ein helles Bier ist. Und weil die Hefe an den 18,5% ganze Arbeit geleistet hat, ist das Endprodukt der Brauerei Schneider auf der Zunge ziemlich trocken und damit eben so leicht.

Richtige Gläser

Im Laufe des Abends kam zufällig Otmar Mutzenbach, einer der beiden Geschäftsführer vom Weissen Bräuhaus an unserem Tisch vorbei. Wir sprachen ihn auf die ausgegangenen Stierhoden an, worauf er uns aufklärte, dass wir an diesem Tag auch mit Vorbestellung keine Chance gehabt hätten: Der Metzger hatte an diesem Wochenende nicht geliefert. (Vielleicht war auch nur der Stier diesmal schneller gewesen, scherzten wir 😉 .) Ich nutzte die Gelegenheit und fragte ihn, seit wann es denn dieses Ausnahmebier schon gebe. Seit Juli 2009 war geplant, sagte er uns. Seit August 2009 ist es dann wirklich in der Gaststätte. Wir hätten aber die falschen Gläser dafür. Man müsse es aus Rotweingläsern probieren. Sprachs, entschuldigte sich und verschwand. Wir kuckten uns kurz verdutzt an, und bevor wir wieder normal kucken konnten, war Herr Mutzenbach schon wieder da, mit drei Rotweingläsern und einer Flasche Hopfenweisse in der Hand. Als Entschädigung für die verpassten Stierhoden, sagte er und schenkte uns auch gleich ein.

Weissbier aus dem Rotweinglas

Das hatte ich noch nie getrunken, Bier aus dem Weinglas. Ist in der Regel auch nicht nötig. Ausnahme: Die Schneider Hopfenweisse! Die kommt nämlich wirklich erst im Rotweinglas zur vollen Entfaltung. Wie klar und deutlich doch auf ein mal die Zitrone in die Nase schwebte. Und auch all die vielen anderen exotischen Duftbegleiter konnten sich plötzlich ganz zwanglos dazu gesellen und mit der Zitrone eine einmalige blumige Duftwolke bilden. Wenn nicht schon in der Getränkekarte und auf der Flasche stehen würde „ein ganz neues Weissbiererlebnis“, spätestens hier und jetzt an dieser Stelle hätte ich es ausgerufen und niedergeschrieben.

Der Hopfen machts

Was für einen Unterschied doch das Glas macht! Das ist eigentlich ja nichts neues. Zumindest bei Weinen und Spirituosen. Beim Bier kenne ich das im Prinzip schon auch. Doch in dieser Intensität war es wirklich ein neues Erlebnis. Die Verwendung des richtigen Glases, in diesem Fall des Rotweinglases, öffnete uns eine ganz neue Wahrnehmungsdimension. Die Wahrnehmung änderte sich nicht nur durch den Umstieg auf das richtige Glas, sondern auch noch während sich die Füllhöhe des Weissbieres sich in diesem Glas selbst änderte. Im letzten Drittel gingen mir dann nämlich die Augen, bzw. Nase und Gedächtnis auf und ich erkannte, was mir von vorn herein hätte klar sein müssen: Der Hopfen ist es, was diese „Hopfenweisse“ ausmacht. Darum heisst sie ja wohl auch so. Die Schneiders haben es nämlich geschafft, dieses Bier mit so viel und so natürlichem Hopfen zu veredeln, dass es riecht wie in den Tagen zum Ende des August, wenn man durch die Hallertau fährt, anhält, an einem Hopfenfeld sich eine frische Dolde pflückt und diese unter seiner Nase zwischen den Fingern verreibt.

Fazit

Schneiders „Meine Hopfenweisse“ ist ab jetzt auch meine Hopfenweisse. Auch pur, ohne ein exotisches Gericht dabei. Mit exotischem Gericht natürlich noch viel mehr. 😛

Und vor allem: Ab jetzt die Hopfenweisse immer aus dem Rotweinglas!

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am Sonntag, 28. Februar 2010 und wurde abgelegt unter "Doppelbock, Niederbayern, obergärig, Privatbrauerei, ralf, Weizenbier". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen, oder einen Trackback senden von deiner eigenen Seite.

1 Kommentar

  1. Hallo Ralf,

    ist ja ein sehr ausführlicher Bericht, den ich, weil dabei gewesen, voll unterstützen kann !!
    War ein netter Abend !!
    Ich will in die FoB am Freitag ca. 19.00 Uhr da sein. Wenn das Wetter mitspielt werde ich mit dem Rad kommen, ist weniger belastend für mich. Vielleicht hat dann auch schon die Behandlung begonnen.
    Viele Grüße Peter

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