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Brauereiführung im Weissen Bräuhaus G. Schneider – Kelheim

Als ich letztes Jahr den Braumeister Peter Lang in der Schlossbrauerei Eichhofen besucht hatte, versprach er mir für unser nächstes Treffen eine ganz exklusive Führung in der Weißbierbrauerei Schneider in Kelheim. Zu dieser hat er nämlich seit seiner Lehrzeit prima Beziehungen. Heuer am Freitag nach Fronleichnam war es dann so weit. Peter hatte noch zwei Freunde aus München eingeladen, natürlich ebensolche Bierliebhaber wie wir Blogger ums Bier, und noch ein paar große Bierfans direkt aus Kelheim. Wir trafen uns um halb Elf direkt vorm Weissen Bräuhaus am offiziellen Sammelpunkt für die Brauereiführungen. Peter verschwand erst mal im Gebäude der Produktionsleitung, von wo er etwas später in Begleitung von Braumeister und Produktionsleier Günter Uhl zurück kam. Damit waren wir vollzählig, und los gings zur lang erwarteten exklusiven Führung. Peter hatte nicht zu viel versprochen, denn uns wurde dann wirklich so manche Tür geöffnet, die Besuchergruppen normalerweise nicht passieren dürfen. Es ist halt schon was Feines, wenn man in Begleitung eines (einschlägig bekannten ;-)) Braumeisters zu einer Brauereiführung kommen darf.

Die Führung

Diese begann wie bei jeder richtigen Brauereiführung natürlich im Sudhaus. Man sieht sofort, dass die Brauerei Schneider ein hochmoderner Betrieb ist. Keine Spur mehr von den alten Kupferkesseln und von 70er-Jahre-Waschküchenkacheln. Stattdessen blitzblanker Edelstahl, Marmor und Spiegelwände. Schneider kann und will sich sehen lassen. Dafür sind auch wie in einer Lehranstalt diverse Schautafeln aufgestellt, die Rohstoffe im Original ausgestellt, und eine Flaschensammlung aller Biersorten von Schneider ist auch da.

Exklusiv: Der Gärkeller

Dieser war für uns das absolute Highlight der Führung. Denn hier kommt normalerweise außer den Brauereimitarbeitern keiner rein. Schneider arbeitet nämlich noch traditionell mit offener Gärung, und diese verlangt höchste Hygiene. In der Vergangenheit gab es da offenbar Probleme mit einzelnen Chaoten in den Besuchergruppen, und so hat man sich bei Schneider entschlossen, diesen Raum aus der offiziellen Führung auszuschließen.

Wir waren daher verständlicherweise alle mächtig stolz, dass wir die großen Bottiche sehen durften, in denen die Hefe fleißig bei der Arbeit war. Weizen ist bekanntlich ein obergäriges Bier, d.h. die Hefe schwimmt oben auf. Diese Hefe wird, traditionell eben, noch von Hand abgeschöpft, wobei wir einen der Schneider-Brauer live beobachten konnten.

Beim Anblick der großen Bottiche meinte einer von uns im Scherz, es wäre doch was, da mal eine Runde drin zu schwimmen. Gar keine gute Idee, warnte Günter. Man würde nicht mal eine ganze Runde vollenden können und ganz schnell ertrinken. Weil durch die Gärung so viel Kohlensäure im Bier ist, sind die Dichteverhältnisse so, dass man darin einfach untergeht. Das ist gerade umgekehrt wie im Toten Meer. Also: Im Bier schwimmen – eine schöne Vorstellung vielleicht, aber in der Praxis absolut nicht ratsam ❗

Eisbock

Kennern der Brauerei Schneider ist natürlich auch der Weizen-Eisbock ein Begriff: ein Bier mit sagenhaften 12% vol. alc. Die Nachfrage danach ist so groß, dass die Kapazitäten dafür erweitert werden mussten. Günter zeigte uns beim Weg zur Flaschenfüllerei auf dem Hof einen Tank, der ganau für den Eisbock dort aufgestellt wurde. Woanders war einfach kein Platz mehr.

Flaschenfüllerei

Freitag Mittag war die Arbeit dort schon beendet. Wir konnten daher nur ein paar historische Gerätschaften zur Flaschen- und Fassabfüllung betrachten. Unten in der Halle war alles still, nur ganz hinten am gegenüberliegenden Ende der Halle stiegen noch ein paar Damfschwaden auf.

Entalkoholisierung

Die nächste Station auf unserer Besichtigungstour war die Entalkoholisierungsanlage für das alkoholfreie Schneider Weissbier. Die Anlage muss gut sein, denn das Alkohlfreie ist das Testsiegerbier der Stiftung Warentest in dieser Kategorie. Im Getränkemarkt und in der Gaststätte kennt man es auch als das „Schneider TAP3, ‚Mein Alkoholfreies'“.

Diese Alkoholentziehmaschine verursacht so einen Höllen-Lärm, dass ich von Günters Ausführungen so gut wie nichts verstanden habe. Also musste ich nachträglich ein wenig recherchieren und habe folgendes gefunden: Solche Entalkoholisierer verdampfen das Bier wie bei der Destillation, und der Alkohol wird mittels einer Zentrifuge vom Rest abgeschieden. Der so gewonnene Alkohol hat jedoch nur eine geringe Konzentration, ca. 7-8%, und ist nicht so ohne weiteres weiter verwertbar. Weil es aber doch Alkohol ist, und der Staat da mit der Biersteuer seine starke Hand drauf hat, wird der Alkohol einfach durch den Gully gejagt. Und damit mit diesem Edelabwasser nicht doch noch jemand Unfug treibt, ist dieser Gully obendrein noch von höchst offizieller Stelle zollamtlich verplombt.

Schneider – Eine der modernsten Brauereien Bayerns

Zum Abschluss unseres Rundgangs bekamen wir noch mal beeindruckend vor Augen geführt, auf welchem hohen technologischen Stand bei Schneider gearbeitet wird.

Pharmaziestandards in der Hygiene

Die Abfülltanks z.B. sind mit einer zusätzlichen Hülle umgegen. Man erkennt es auf dem Foto an der welligen Oberfläche. Zusammen mit den modernen Pumpen, Ventilen etc. erreicht man hier Standards, wie sie sonst nur in der Pharmazie zu finden sind, so die stolze Erklärung des Braumeisters. Ist Bier also doch eine Medizin? 😉

Biomasseheizkraftwerk

Die jüngste Investition, für schlappe 1,3 Mio. €, ist das „Hackschnitzelkraftwerk“, mit dem die Brauerei Schneider den Wärmebedarf für das Sudhaus, die Füllerei und die Gebäudeheizung der Gaststätte deckt. Ja sogar die Wohnung von Herrn Schneider selbst wird damit beheizt. Mit dieser Anlage wird eine ganze Menge für die Umwelt getan, wie die folgenden Zahlen beeindruckend belegen:

  • 720.000 Liter Öl in einem Jahr werden durch die Hackschnitzel ersetzt
  • die jährliche CO2-Einsparung dadurch entspricht ca. 2.000 Tonnen
  • etwa 2.600 Tonnen Hackschnitzel aus der Region um Kelheim werden pro Jahr verwendet.

Obendrein werden die ökologisch wieder verwertbaren Teile der Asche zur Düngung in den Wald ausgebracht, womit sich ein perfekter Wertschöpfungskreislauf schließt. Das gilt insgesamt für alle regionalen Unternehmen und alle Menschen um Kelheim, die irgendwie an der Holz- und Waldwirtschaft um die Hackschnitzel herum beteiligt sind. Günter hat dazu einen Satz von Georg Schneider VI., dem heutigen Inhaber des Weißen Bräuhauses zitiert:

Nicht die russischen Gasbarone oder die arabischen Ölscheichs trinken unser Bier, sondern die Menschen hier vor Ort !

Klingt irgendwie logisch und auf der Höhe der Zeit, oder? 🙂

Nach so viel Laufen, Sehen, Lauschen, Lernen und Staunen – gute zwei Stunden waren es – freuten wir uns auf den zweiten Teil der Führung, die Bierverkostung. Diese ist auch Teil der offiziellen Führung. Unsere Verkostung war wie die Führen eine ganz exklusive, denn der Braumeister saß mit dabei und hat uns persönlich die Biere kredenzt. Klar, dass ich Günter (im Bild rechts) an dieser Stelle auch ein herzliches Dankschön sage! … es wurde noch ein langer unvergesslicher Frühschoppen. Siehe dazu einen separaten kleinen Artikel.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am Freitag, 4. Juni 2010 und wurde abgelegt unter "Niederbayern, Privatbrauerei, ralf, Weizenbier". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen, oder einen Trackback senden von deiner eigenen Seite.

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