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feine Biere, wo und wie wir sie am liebsten haben

Roter Weißbiertraum in der Hausbrauerei Altstadthof Nürnberg

Eigentlich hätte ich im November letzten Jahres schon über dieses wunderbare Bier schreiben können. Eigentlich und hätte, wäre da nicht dieses Virus gewesen, das meine Nase so verstopft hat. Das ist für mich immer eine Riesenkatastrophe, weil mir dann die Feinheiten eines Bieres vorenthalten bleiben. Ich schmecke einfach nichts mehr. So konnte ich also nur gegen den Durst trinken. Und dafür ist ein Altstadthof-Bier eigentlich zu schade. Immerhin konnte ich doch schon spüren, dass das Rote Weißbier kein gewöhnliches Bier ist. So weich und angenehm, wie es in meinem Mund lag. Natürlich habe ich mir fest vorgenommen, den Komplettgenuss nachzuholen, sobald sich wieder einen Gelegenheit für einen Ausflug nach Nürnberg ergibt, dann mit voll funktionsfähigem Geruchsorgan. An diesem Wochenende war es endlich so weit. Und die Nase, ja die hat es mir gedankt und kräftig mitgetrunken.

Auge, Nase, Mund

Vor der Nase trinkt aber zuerst das Auge. Helles Weißbier kennt man, dunkles auch, schwarzes und bernsteinfarbenes. Aber rotes, das gibt es nur im Altstadthof. Zumindest kenne ich bisher kein anderes. Da freut sich das Auge. Oh Mann, denke ich mir dann aber, als ich das Rote Weißbier an meine Nase halte. Was habe ich da Schönes verpasst beim letzten Mal! Ein runder Duft von frischen Schalen reifer Äpfel schwebt über dem Glas. Mit einem winzig kleinen Hauch von Schwefel erinnert mich das an einen Apfelwein. Nur voller, weicher und runder. Nein, das ist absolut kein herkömmliches Weißbier! Auch im Mund bleibt es apfelig, vollmundig fruchtig mit deutlicher aber angenehm erfrischend prickelnder Säure. Diese Säure und das fruchtige rote Malz sind absolut harmonisch aufeinander abgestimmt. Und mit jedem Riecher und mit jedem Schluck bestätigt sich das Aroma. Dieses Rote Weißbier schmeckt wirklich ein wenig wie – sanfter – Apfelmost. Und ich kann mir sogar die Apfelsorte bildlich vorstellen. Diese Äpfel wachsen auf einer fränkischen Streuobstwiese, sind klein mit kräftiger, natürlich roter bis dunkelroter Schale und haben ein vollmundiges mildwürziges Aroma.

Ein fränkischer Traum

Die Sinneswahrnehmung von diesem Weißbier will am Beginn sehr scharf und klar sein, wäre da nur nicht dieses wunderbare Rotbiermalz verarbeitet, welches das Bild so herrlich samtartig verzeichnet. Das Rote Weißbier ist spritzig prickelnd, dabei aber samtig umhüllt. Und es hat eine feine Säure, die ebenfalls wie von einem Samtkissen abgefangen wird. Und so bleibt das Rote Weißbier bis in den Abgang ein wohlig weich gemaltes Traumbild einer herbstlich sonnigen fränkischen Landschaft.

Durch und durch Kunst und Harmonie

Die Rote Weiße hat jedoch viel, viel mehr Aromen als einfach nur Apfel. Die Fruchtnoten sind durchaus komplex, nur eben mit Dominanz in einer bestimmten Obstrichtung. Insgesamt ist es ein sehr ausgereiftes Weißbier, das sich ganz deutlich abhebt von anderen Bieren dieser Art, und ganz weit über einfache Hefe- und Grünobstaromen hinausgeht. Man schmeckt förmlich, dass dieses Bier aus hochwertigen Rohstoffen gemacht wurde, allen voran das traumhafte Rotbiermalz. Mit jedem Schluck meine ich immer mehr, dass der Braumeister in vollkommener Harmonie mit den Rohstoffen und streng nach deren Bestimmung gearbeitet haben muss. Sonst hätte nie ein Bier entstehen können, das so rund und ausdrucksvoll zugleich ist. Ein vollkommenes Brau-Kunstwerk. Eine brautechnische Punktlandung in Reife und Geschmack.

Ich rätsle nur, wie ein Bierbrauer so ein Kunstwerk ersinnt. Hat er schon am Anfang, bei der Wahl der Zutaten und beim Festlegen des Brauprozesses eine klare Vorstellung vom Endprodukt? Die rote Farbe war hier sicherlich von Anfang an schon klar. Dass Weißbier eher eine fruchtige Richtung einschlagen wird, ist auch klar. Aber welche Fruchtsorte genau es werden wird? Kann man das vorher wissen? Weiß ein Bildhauer bei jedem Holzklotz, den er in die Hand nimmt sofort, welche Skulptur daraus entstehen wird und wie genau sie aussehen wird? Vielleicht weiß er es genau so oft, wie er es auch nicht weiß, solange er nur das Können hat, sein Werkstück immer perfekt zu bearbeiten, und das bei jedem einzelnen Arbeitsschritt. Der Brauer jedenfalls muss bei diesem Roten Weißbier geradlinig alles richtig gemacht haben. Die Zutaten ideal ausgewählt, die weizenbiertpischen Merkmale von Frucht und Säure sicher und perfekt getroffen und behutsam gepflegt, und, auch wenn ich ihn am fertigen Kunstwerk nicht isoliert wahrnehmen kann, den Hopfen mit meisterhafter Erfahrung gewählt und kunstfertig präzise eingebracht. Am Ende steht ein rundum perfektes Kunstwerk vor mir auf dem Tisch.

Rundum schön

Nürnberger Rotes Weißbier – eine natürlich runde Sache. Rund wie die Äpfel, von deren Düften es mich träumen lässt, rundum ausgereift und punktgenau getroffen in Farbe, Geruch und Geschmack. Das Rote Weißbier aus der Hausbrauerei Altstadthof ist rundum Genuss. In der Nase wie im Mund bis in den Schlund ein Nürnberger Rotbier, das von jeder Seite sich von seiner schönsten Seite zeigt.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am Samstag, 26. Januar 2013 und wurde abgelegt unter "Franken, Gasthausbrauerei, ralf, Rotbier, Weizenbier". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen. Pingen ist zur Zeit nicht erlaubt.

1 Kommentar

  1. benhur sagt:

    Diese Farbe! Das leuchtende Rot! Ooooohhhh!
    Der wunderbare Durft! Aaaaaaahhhh!
    Und dann dieser samtige Geschmack! Uuuuuuuuhhhhh!

    Ich kann dir voll zustimmen, dass dieses Bier ein einmaliges Genusserlebnis ist!
    Komischerweise allerdings erkenne ich keinen Apfel, sondern eher Aprikosen, und zwar ein Aprikosen-Minibananen-Mus! (Ja, die Banane auch. Aber die süßeren, intensiveren Minibananen!) Mir fiel sofort der verwachsene Aprikosenbaum mitten im Bächlein im Garten meiner Kindheit ein…

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