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Schumacher Jubiläumsaltbier „1838er“

20131011_schumacher_1838er_titel Kaltgehopfte Biere sind zur Zeit in aller Munde. Bei der Methode der Kalthopfung, auch Hopfenstopfen genannt, wird der Hopfen erst nach dem eigentlichen Brauvorgang im Gär- oder Lagertank ins kalte Bier gegeben. Diese Methode hat sich schon vor über 20 Jahren in den USA unter den dortigen Microbreweries verbreitet. In Deutschland kennt man dieses Verfahren noch nicht so lange, doch über die letzten fünf bis zehn Jahren hat sich das Hopfenstopfen auch hier breit gemacht, insbesondere bei den kleinen jungen Brauereien der „neuen deutschen Craftbrew-Welle“. Mit großem Erfolg, denn mittlerweile versuchen sich immer öfter auch große Markenbrauereien in der Disziplin des Hopfenstopfens, und eifern so den Jungen Wilden aus der Szene nach. Tucher z.B. kam letztes Jahr mit einem kaltgehopfen Pils auf den Markt. Schon ein paar Jahre länger kennt man die „Hopfenweisse“ von Schneider aus Kelheim. Die Münchner Hofbräu versucht seit zwei Jahren auf der Szene-Biermesse „Braukunst Live!“ mit einem Bier namens „Eiskalt gehopfter Hallodri“, sich in der neuen deutschen Bierszene zu etablieren. Sogar vor Franken hat dieser Trend nicht Halt gemacht. So hat der Hechtbräu aus Zimmern mit seinen kaltgehopften Bieren bei den fränkischen Bloggern-ums-Bier schon mehrfach Anklang gefunden.

Natürliches Hopfenaroma

Der Clou am Hopfenstopfen ist, dass durch die kalte Verarbeitung die Hopfenaromen weitestgehend natürlich und ursprünglich im Bier erhalten bleiben, die Biere also in etwa so schmecken, wie der Hopfen im Rohzustand riecht. Den Geschmack von Bier hat man in Deutschland so bisher noch nicht gekannt, und das macht dann vermutlich auch einen gewichtigen Teil des großen Erfolges der kaltgehopften Biere aus.

Leichter im Hellen als im Dunklen?

Sehr oft wird das Hopfenstopfen mit Bieren der Sorte IPA gemacht, „India Pale Ale“ oder auch „Imperial Pale Ale“. Dieser helle Biertyp scheint besonders gut dafür geeignet, wohl weil sich darin das Hopfenaroma relativ unbeeinflusst vom Aroma des Malzes entfalten kann. Je dunkler und malzaromatischer das Bier aber ist, desto schwieriger wird die Sache, so stelle ich mir das vor. Daher war ich letzte Woche höchst überrascht, dass sogar die alteingesessene Düsseldorfer Altbierbrauerei Schumacher in diesem Jahr ein hopfengestopftes Altbier gemacht hat 😯 ! Altbier hopfengestopft, das passt doch gar nicht, oder doch?

Hopfen aus USA und Australien

20131011_schumacher_1838er_post_aufgeschlagen Zum 175jährigen Brauereijubiläum sollte ein besonderes Festbier gebraut werden. So war es den im Brauereiausschank „Zum Goldenen Kessel“ ausliegenden Informationsheftchen „Schumacher-Post“ zu entnehmen. Ich hätte mir für so einen Anlass vorgestellt, dass man ein stärker als üblich eingebrautes Fest- oder Starkbier machen würde. Doch so etwas hat Schumacher ja schon längst: das Latzenbier, mit für Altbier extremen 5,5% vol. alc. (normales Schumacher Alt hat 4,6%). Da musste zum Geburtstag schon was richtig Neues her. Das hat man schließlich auch gefunden: In der Schumacher-Post steht, dass das „Jubiläumsaltbier 1838er“ mit zwei Aromahopfensorten gestopft wurde: Amerikanischer Cascade und Australischer Galaxy Hopfen. Hmmmm… ob das wohl schmeckt? Ja! Tut es. Und wie!

Tanz der Aromen

20131011_schumacher_1838er_voll 20131011_schumacher_1838er_schaum Cascade soll Citrus- und Grapefruitnoten in das Bier bringen. Das kann ich bestätigen. Vor allem in der Nase ist das deutlich zu merken. Nur – Altbier hat eigentlich einen malzigen Charakter. Cascade alleine reicht noch nicht für ein ausgewogenes Aroma, jedenfalls nicht in einem malzaromatischen Alt. Die Bitterung wird ja durch „Heißhopfung“ erzeugt. Das wäre in einem Alt mit nur Cascade an sich schon OK. Trotzdem muss den Citrusfrüchten noch etwas hinzugefügt werden, damit das Ganze nicht zu eintönig wird. Das ist nun wohl der Zweck des zweiten Stopferhopfens. Galaxy hat laut „Schumacher-Post“ ein beeriges Aroma. Genau dieses unterstützt den Malzcharakter des Alt und bringt das Bier wieder ins Gleichgewicht. Einfach genial, was und wie die Schumacher-Brauer hier komponiert haben. Wäre die Nase ein Ohr, würde sie diesen frischen Citrus-Grapefruit-Beeren-Altbiermalz-Duft so wohlklingend ausbalanciert wie einen reinen Dur-Akkord empfinden. Und wäre der Mund ein Auge, würde er sehen, wie Hopfen und Malz erst eine Zeit lang umeinander tanzen, wie sich zum Finale hin die Tänzer mit dem Malz in der Mitte in einer Reihe aufstellen, und wie zum Ausklang schließlich die beiden Hopfen einen Schritt zurück treten, um zu zeigen, dass doch das Malz der Hauptton in der Altbiermelodie ist.

Meisterklasse

20131011_schumacher_1838er_getrunken 20131011_schumacher_1838er_post Es zeichnet das Schumacher als grandioses Meisterwerk aus, dass trotz deutlicher Kalthopfung das Altbiermalz die Hauptrolle behält. Wäre das nicht so, dann wäre das „1838er“ nicht mehr als nur ein weiterer Versuch eines chicen Szene-Craftbrew geworden. Nein, Hopfenstopfen muss nicht zwangsläufig zu einem den Geschmackssinn vernebelnden, hopfenwolkigen IPA führen. Es kann auch mal ein Alt draus werden und das Alt ein Alt bleiben. Nicht übertrieben, doch deutlich gehopft, kalt gehopft, und das Malz in seiner Hauptrolle belassen. So sind Hopfen und Malz gleichwertige Partner, und zeigen uns im Schumacher „1838er“ einmal mehr: Hopfen UND Malz bestimmen das Bier. Nicht entweder oder.

Happy Birthday 175, Brauerei Schumacher!

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am Freitag, 11. Oktober 2013 und wurde abgelegt unter "Altbier, Brauereiausschank, Nordrhein-Westfalen, ralf". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen. Pingen ist zur Zeit nicht erlaubt.

2 Kommentare

  1. Schmidt Hans sagt:

    hallo Wo kann ich im Saarland das

    Jubiläumsbier von SCHUMACHER kaufen?

    mit freundlichen Grüßen

  2. ralf sagt:

    Hallo Hans,

    das ist eine sehr gute Frage, und scheinbar gar nicht so leicht zu beantworten. Ich habe mal nach dem 1838 gegoogelt und speziell im Saarland keinen einzigen Treffer gehabt. Auch die üblichen Online-Bier-Shops haben, wenn überhaupt, dann nur das normale Schumacher Alt im Versand, in 1 Liter Bügelverschlussflaschen. Ich wohne ja selbst auch recht weit weg von Düsseldorf und „löse“ das Problem für mich durch sporadische Ausflüge an den Rhein. Das wird Dir aber wohl nicht helfen, fürchte ich.

    Mein Tipp wäre nur, mal in der Brauerei direkt anzurufen und nachzufragen. Auf der Brauereihomepage findest Du auch die Kontaktdaten vom Schumacher Stammhaus.

    Es tut mir sehr leid, dass ich nicht mehr helfen kann.

    Gruß
    ralf

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