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feine Biere, wo und wie wir sie am liebsten haben

Eine Zeitreise mit der Hausbrauerei Altstadthof Nürnberg

Hausbrauerei Altstadthof Nürnberg – es ist kein Geheimnis, dass diese Braustätte zu unseren absoluten Lieblingsbrauereien gehört – so oft, wie wir über den Altstadthof und seine Bierspezialitäten schon berichtet haben. Dass der Altstadthof in unserem Blog so prominent vertreten ist, liegt zum einen daran, dass das Biersortiment dieser Hausbrauerei recht vielfältig ist: Nürnberger Rotbier, Rote Weisse, Helles Bier, Schwarzbier, sowie die saisonalen Biere Roter Bock, Dunkler Bock, Ostergold und Maibock – das will alles mal probiert und hier vorgestellt werden, was wir ja auch ausführlichst getan haben. Nun ist unter den saisonalen Spezialitäten eines ein ganz besonderes Bier. Besonders aber nicht, weil es nur einmal im Jahr für kurze Zeit verfügbar ist, sondern weil wir jedes Jahr aufs Neue den Eindruck haben, dass der Braumeister versucht, das Bier noch etwas schöner, besser, ausgefeilter, raffinierter zu brauen. Tatsächlich kommt es uns auch jedes Jahr so vor, als ob der „heurige“ Maibock wieder ein Stückchen feiner geraten wäre, also der vom letzten Jahr. Aber vielleicht ist das ja auch nur Einbildung. Schöne Erinnerungen pflegt das menschliche Gehirn bekanntermaßen auf besondere Art und Weise. Da kann es schon mal zu einer verschönernden Verklärung der Vergangenheit kommen.

Es wäre schön gewesen, wenn man die beiden Biere im direkten Vergleich hätte probieren können.

So hatte ich bereits im Jahr 2011 beim Gedanken an den Maibock vom Jahr davor geschrieben. Ich habe mir dabei eigentlich etwas ganz Unmögliches vorgestell: Nämlich eine Zeitreise um ein Jahr zurück. Oder umgekehrt: Dass einfach mal ein Gläschen aus der Vergangenheit ins Jetzt geholt werden könnte. Ganz so weit sind wir heute noch nicht. Aber die Brauer vom Altstadthof haben so etwas Ähnliches doch hin bekommen! Sie haben vom Maibock 2013 nicht alles restlos ausgeschenkt, sondern einen Teil davon gut gelagert und zum Mai 2014 in Flaschen abgefüllt. Beim diesjährigen Maibockanstich durfte ich nun tatsächlich eine dieser Jahrgangsflaschen aus den Händen von Brauereichef Engel entgegen nehmen. Klar, dass ich mich dadurch aufs Höchste geehrt gefühlt habe, und darum an dieser Stelle an großes Dankeschön an Herrn Engel! Ich habe am Abend auch gleich noch eine frische Flasche vom Jahrgang 2014 mitgenommen. Oliver ebenso. Und derart ausgestattet haben wir uns heute auf die Zeitreise zwischen den Jahren 2013 und 2014 gemacht.

Unsere „Zeitmaschine“ bestand aus folgenden Teilen:

  • eine Flasche Maibock 2014 (plus noch eine für später zum unbekümmerten Genuss 😉 )
  • eine Flasche Maibock 2013
  • sechs Exemplare vom „Offiziellen Bierdegustationsglas des Verbands der Diplom-Biersommelieres“
  • zu den Gläsern gehörende Bierfarbkarte nach Hubert Hanghofer

Zeitreisebericht

Maibock 2014Maibock 2013
Mit der Farbkarte messen wir etwa 12 EBC.Der ältere Bock liegt bei etwa 16 EBC.
Wenn man ein bischen schwungvoll einschenkt, entwickelt sich ordentlich Schaum.Der gereifte Bock braucht einen größeren Schubser, um seinen Schaum aufzusetzen.
Im Geruch sind die Rohstoffe noch recht deutlich aufzulösen. Der Gesamteindruck ist noch sehr natürlich, ähnlich wie der ganz frische Bock am 1. Mai. Doch die Lagerzeit von seit daher über drei Wochen ist schon merkbar. Vor allem die Hopfennote vom Saphir Hopfen aus der Kalthopfung ist nicht mehr ganz so grün frisch, beginnt zu reifen und sich abzuschleifen. Wir meinen übereinstimmend, dass der Maibock einen Duft wie von Mandeln bekommen hat, und zwar den Duft, den man bei echten Mandeln bekommt, wenn man sie z.B. für das Backen mit heißem Wasser aufbrüht und enthäutet.Der erste Geruchseindruck ist geprägt von Säure und reifer Frucht. Erinnert an das Nürnberger Rotbier aus gleichem Hause. Über der Fruchtnote liegt auch ein würziger, leicht pfeffriger Ton.

Über dem 2013er Maibock ist kein frischer Hopfeneindruck mehr wahrzunehmen. Insgesamt merkt man diesem Bock sein Alter von einem Jahr deutlich an. Nicht aber in Alterung, das würde negativ klingen, sondern es ist Reife und Würde, eigentlich wie bei einer humanen Persönlichkeit, wenn sie positiv altert.
Wir schreiben das Jahr 2014, drei Wochen nach dem Maibockanstich. Das Bier ist das, das wir gut kennen. Und genauso schmeckt es uns auch: Vollmundig malzig mit deutlich hopfenherbem Abgang. Die Malzklänge klar und natürlich, noch nah am Geschmack des Rohstoffes, und die Hopfennote komplex aromatisch frisch. Beim Trinken wirkt dieses Bier nicht mehr vollmundig frischmalzig. Es hat sich auch im Trunk zu einer säuerlichen Fruchtigkeit entwickelt. Der Geschmack erinnert uns vom Mundgefühl her an Sauerkirschen, denen der Kirschgeschmack abhanden gekommen ist. Ein direkter vergleichbares Getränk wäre Rhabarberschorle.
Um nochmal einen Vergleich mit Menschen zu wagen: der 2014er Maibock ist ein Mitt-Dreissiger, der mit den richtigen Ideen und großem Engagement Karriere macht und erfolgreich seine eigene Firma aufbaut.Hier begegnet uns hingegen ein Mittfuffziger, der seine Firma verkauft hat und auf einem Segelboot das Leben genießt.

(Die Zeitreisenden: benhur, oliverxt77, ralf)

Rückblick in die Zukunft

Ganz so wie ich vor drei Jahren phantasiert hatte, war diese Zeitreise natürlich nicht, und irgendwie doch. Beim Anstich vor Ort sagte uns der Braumeister, dass das Rezept der Maiböcke 2013 und 2014 dasselbe war. Daher sollte man erwarten, dass die Biere im jeweils gleichen Alter auch ungefähr gleich schmecken sollten. Dies verifizieren zu können wird vermutlich in alle Ewigkeit unmöglich sein. Da werden auch die besten Laboruntersuchungen nicht helfen können. Bier Erleben findet immer im Hier und Jetzt statt, mit dem eigenen Mund und der eigenen Nase, und durch die Sinnesverarbeitung im eigenen Kopf, den ein Laborgerät nun mal nie haben wird.

Und trotzdem denke ich, dass wir eine echte Zeitreise unternommen haben. Nicht in die Vergangenheit, sondern nach vorne in die Zukunft des Maibocks 2014. Wir haben gesehen, was aus einem erstklassigen Bier werden kann, wenn man ihm die Zeit gibt, über ein ganzes Jahr hinweg reifen zu dürfen. Der 2013er Bock ist nach wie vor deutlich ein Bier aus Hopfen und Malz. Durch die Zeit haben sich allerdings die bierigen Eigenschaften, begründet in Hopfen, Malz und Hefe, verändert, und das Bier hat weinartige Züge bekommen, insbesondere durch die neu hervortretenden fruchtig säuerlichen Noten. Und eines meine ich ganz besonders gelernt zu haben: Ein gutes Bier wird bei guter Lagerung und Pflege nicht schlecht. Es verändert sich, es reift. Wie lange man das treiben kann, sodass das Bier dabei auch weiter schön bleibt, und welche verborgenen Eigenschaften im Bier noch stecken … Lasst uns doch noch eine Zeitmaschine bauen!

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am Samstag, 24. Mai 2014 und wurde abgelegt unter "Franken, Hausbrauer, Maibock, ralf". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen. Pingen ist zur Zeit nicht erlaubt.

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