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Giesinger: was es sonst noch so gibt

Ich muß euch endlich noch erzählen, was es von der Giesinger Bräu sonst noch so gibt, denn das ist auf jeden Fall der Rede wert!

Maibock

Im November (!) habe ich noch einen Maibock bekommen. Das verspricht viel, denn wie wir aus dem Altstadthof-Experimet wissen, sind Maiböcke hervorragend geeignet, um sie zu lagern und eine Weiterentwicklung zu beobachten.

Der Giesinger Maibock ist auffallend weich und rund – war er das so schon im Frühjahr? Ich finde, er hat genau die Eigenschaften, die ein heller Bock so haben soll: vollmundig, fruchtig-getreidig, stark aber nicht schwer, und vor allem: süffig!

Wie ich inzwischen erfahren habe, wurde der Maibock nach dem alten Rezept vom Wiesn-Bock gebraut: obergärig, mit Ale-Hefe. Er verändert sich im Laufe des Brau- und Reifeprozesses so stark, daß es unheimlich schwer sei, bei diesem Bier sein Gelingen vorher abzuschätzen, meinte Brauer Simon. Umso mehr Lob hat er dafür verdient, finde ich!

Sternhagel

Das ist nun ein richtiges Winterbier. Leuchtend rot liegt es im Glas. Und rot-fruchtig, reif, fruchtsüß ist der Duft aus diesem Glas, Ananas, Mango könnte man sage, dazu noch ein typischer Altbier-Duft (wer Doppelsticke kennt, weiß, was ich meine). Kurz und fruchtig ist der Antrunk, dann kommt vehement eine Süße dazu, und zwar die von Plätzchen! Viele Aromen, die sich umspielen, ich kann sie beim besten Willen nicht benennen. Und die 8,5% Alkohol merkt man auch.

Das ist sehr ungewöhnlich, ich würde sagen: flüssige Weihnachtsplätzchen!

Weihnachtstrunk

Dieser ist ein Weizenbock, aber mit besonderen Hopfen: Mosaic und Amarillo. Letzterer ist weltweit so gut wie ausverkauft und ein Brauer kann sich glücklich schätzen, wenn er noch kleine Mengen bekommen kann. So hat auch der Giesinger Bräu zugegriffen und sich dann ein Bier um den Hopfen herum überlegt, erzählte er uns. Heraus kommt ein sehr geschmeidiges, weiches und rundes Bier, das durchaus besondere Aromen entfaltet, die aber sehr schön in den Bierstil passen: Früchte wie Birne und Mango fallen mir ein.

Tolles Bier, nicht nur für die Winterzeit!

Lemondrop Triple

7,% alc., aus Pilsner Malz mit Steirer Golding (eigentlich ein englischer Hopfen) und Lemondrop Hopfen, dazu Trapistenhefe – das klingt vielversprechend!

Ich bekomme kaum Schaum, vielleicht ist es noch zu kalt, orange-gold ist die Farbe, fast schon leuchtend. Fruchtig und orangenartig ist auch der Duft. Der Antrunk kommt säuerlich, zitronig, das ist heftig. Ich warte noch etwas, und wärmer verbindet sich das milchsäuerliche besser mit dem zitrus-säuerlichen und fruchtigen Aroma. So trifft das genaau meinen Geschmack.

Ganz toll, aber schwierig, und wohl nur was für Mutige und Sauerbier-Liebhaber.

Baltic Rye Porter

6,7% alc., Münchner, dunkles Roggenmalz, Roggencaramel-, Caramel- und Roggenröstmalz (wow, das ist jetzt aber schon sehr speziell), dazu Spalter Select Hopfen und Ale-Hefe.

Dunkel, fast ein bischen rötlich, und auch kaum Schaum. Kräftig, brotig und leicht säuerlich ist der Duft. Im Antrunk dominiert malzige Süße, Caramel, ungefähr wie die Bayrisch-Malz-Bonbons. Dann wird es aber schwerer, brotiger, und schließlich kommt auch diese Säure kräftig durch.

Das ist sehr komplex, definitiv ein „Tüftler“-Bier und nichts zum gemütlichen Trinken. Je wärmer es wird, desto runder wird es auch. Ein echtes Profi-Bier!

Roggen sei sehr schwierig im Brauprozess, erzählte mir der Brauer. Er läutert und läuft so langsam, dass der ganze Brauvorgang ungefähr doppelt so lange dauert wie bei einem Hellen, nämlich ganze 15 Stunden! Das erklärt mir, warum es so wenig Roggenbier gibt…

Wheat Stout

Mit nur 4,0% alc. direkt leicht. Pilsner, helles und Röst-Weizenmalz, dazu Spalter Select Hopfen und eine Ale-Hefe.

Malzig-röstig ist der Duft, nach Kaffee. Im Gaumen kommen zu diesem Aroma noch leichte Fruchtnoten, aber keinerlei brantige Röstaromen.

Das wirkt schön, ist rund und ausgewogen, und deutlich leichter zu verstehen als das Porter.

Doppel-Alt

7,0% alc. ist ein Wort. Pilsner, dunkles Caramel- und Röstmalz, Hallertauer Tradition und auch eine Ale-Hefe.

Im Glas ist es verdammt dunkel, beinahe schon schwarz! Darauf ein schöner, leicht bräunlicher Schaum, durch den ein dezenter „bieriger“ Duft dringt. Caramellig-fruchtig ist der Antrunk, dann folgt ein schönes ausgewogenes Mundgefühl: voll, samtig, aber auch fruchtig-frisch. Im Abgang schließt eine leichte Karamell-Bittere.

Absolut sortentypisch, und dabei sehr fein, gehobene Alt-Klasse, würde ich sagen. Und trotzdem extrem süffig, so daß man den Alkohol kaum merkt.

Fazit:

Unglaublich, das Team um Steffen Marx kann nicht nur traditionelle Sorten auf höchstem Niveau (ich kann mich gar nicht genug über das Märzen und die Erhellung freuen), auch die nicht-so-bayrischen Sorten sind aufs vortrefflichste gelungen! Hut ab!

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am Samstag, 20. Februar 2016 und wurde abgelegt unter "benhur, Oberbayern, saisonales Bier". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen. Pingen ist zur Zeit nicht erlaubt.

3 Kommentare

  1. fwolf sagt:

    Das „Baltic Rye“ liest sich schwer nach „Nur um alles in der Welt den Namen ‚Kwas(s)‘ vermeiden“ 😉

    Denn Roggenbrot ist (bekanntermaßen) die Basis vom klassischen Kwas. Einfach mal im russischen Laden nebenan (oder im Mix) kaufen und vergleichen ^^

    cu, w0lf.

  2. benhur sagt:

    Hallo w0lf,
    Ich kenne Kwas, aber sei versichert, mit diesem fürchterlichen Geschmack hat weder dieses noch irgendein anderes Roggenbier, das ich kenne, etwas zu tun! Auch muss ein Roggenbier nicht unbedingt immer brotige Noten haben, ein Weizen schmeckt ja auch nicht nach Toast… Nein, ich finde das Porter ganz große Klasse!

  3. oliverxt77 sagt:

    Trinke gerade ein Baltic Rye Porter und bin begeistert. Die Mühen der Brauer haben sich voll gelohnt. Ich genieße jeden Schluck der malzig würzigen Spezialität.
    Schöner Bericht.

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