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Düsseldorf – obergärig geht „unter“

Düsseldorf. Altbier! Logisch, die etwas dunklere obergärige Spezialität. Dafür komm ich immer wieder gern hier her. Zu den Hausbrauereien Schumacher, Schlüssel, Füchschen, Uerige. Und schon seit ein paar Jahren auch in die Brauerei Kürzer. In jeder davon ein Altbier, das schöner ist als das andere. Im Uerige hatte ich über die Zeit jedoch neben dem Alt noch das Uerige Weizenbier zu schätzen gelernt. So wunderbar unbayrisch ist das. Riecht kaum nach Banane, geht eher in die Richtung von Apfel, und ist mir in der Sommerzeit fast noch lieber als das Uerige Alt selbst. Als ich aber bei meinem jährlichen Weihnachtstrip an den Rhein heuer das Weizen bestellen will, steht es nicht mehr auf der Karte. „Hosen Hell“ steht da jetzt an der Stelle, wo bisher das „Uerige Weizen“ angeboten wurde. Hmmm…

Uerige Speisekarte Bei meinem Köbes nachgefragt, ob das jetzt vielleicht eine saisonale Angelegenheit ist, bekomme ich die Auskunft, dass das jetzt das Weizen ablösen soll. Und der Name? Der kommt tatsächlich von den Hosen, den „Toten Hosen“. Mit ihnen zusammen und für diese wurde dieses Bier gemacht. So so, denke ich mir. Ein „Helles“ jetzt also. Ein typisch undüsseldorfer Bier. Ich probiere es trotzdem, oder besser gerade deshalb. Es wird mit der Flasche serviert, sodass ich gleich das Etikett studieren kann. Und oh Schreck! Es wird gar nicht von der Uerige Brauerei gemacht. Es ist aus Bayern. Von der Schlossbrauerei Au in der Hallertau. Das verwirrt mich jetzt schon sehr. Und vielleicht bin ich deshalb beim Verkosten auch etwas voreingenommen. Mir schmeckt es zwar schon wie ein typisches bayrisches Helles. Etwas einfach in der Struktur, malzig und süß. Fast schon aufdringlich süß. Kaum hopfig und sehr linear gestrickt. Vermutlich ist es genau so wie sich ein Düsseldorfer ein Helles vorstellt. Die Toten Hosen stammen ja auch von hier. Und so gesehen schmeckt es dann auch wieder. Nur mir nicht ganz so sehr.

Uerige "Hosen Hell" Uerige "Hosen Hell" Zuhause habe ich noch etwas recherchiert und dann doch erstaunliches herausgefunden: Die Schöpfer des „Hosen Hell“ sind der Uerige Brauerei-Chef Michael Schnitzler und Dr. Fritz Briem, mit dem zusammen Schnitzler in Weihenstephan studiert hat. Dr. Briem war später sogar jahrelang Dozent in Weihenstephan und ist heute der Geschäftsführer der dortigen Hefebank und einer Hopfen-Handelsfirma mit Namen Lupex. Klar, der weiß wie man ein bayrisches Helles macht. Und alles kommt zusammen, wenn man noch weiß, dass Schnitzler und die Hosen miteinander befreundet sind. So wird ein Schuh, oder besser ein Bier draus. Das Uerige Weizen ist auf der Uerige Homepage auch noch zu finden. Es scheint es nur im Ausschank nicht mehr zu geben.

Füchschen Weizen Füchschen Weizen Mein Düsseldorfer Weizen musste ich dann auf dieser Reise halt in der Brauerei zum Füchschen zu mir nehmen, dort macht man nämlich auch eines. Das gibt es da nach wie vor in Ausschank, und auch so wie ich es kenne und liebe. Heute heißt es „Füchschen Weizen“. Es wurde irgendwann umbenannt. Als ich es vor vielen Jahren kennengelernt hatte, trug es noch den schönen Namen „Silberfüchschen“. Mit dem Namen hat sich leider auch die Flasche geändert. Früher war es eine Bügelflasche, heute ist es eine trendige Longneckflasche. Ganz ehrlich – ich hab vorher noch nie ein Weizen in so einer Flasche bekommen. In Bayern sind es ja in der Regel die NRW- oder Euroflaschen. Egal. Ich habe hier wieder mein geliebtes Düsseldorfer Weizenvergnügen. Im Füchschen ist es auch apfelig, mit Tendenz zu quittig und birnig. Fruchtig frisch mit angenehmer Restsüße. So soll es für mich gerne bleiben.

Füchschen Pils Füchschen Pils Doch auch die ursprünglich rein obergärige Füchschen-Brauerei hat jetzt ein Untergäriges. Das kenne ich sogar noch vom Vorjahr, das „Füchschen Pils“. Für meinen persönlichen Geschmack ist das besser gelungen als das Helle von Uerige und der Au in der Hallertauer Brauerei. Kräftig hopfenherb. Vollmundig und etwas rau nach Malz schmeckend. Von der Farbe her auffallend dunkel für ein deutsches Pils, satt goldfarben. Eigentlich wie ein böhmisches Pils, nur ohne den böhmischen Butterkeksgeschmack. Kurz: ein kräftig herbes und kräftig malziges untergäriges gut gemachtes Pils. Gut gefällt mir, dass es in der Nase nicht so blümelt wie sonst oft, und dass die Untergärung mit ihrem leicht schwefligen hefigen Duft deutlich wahrnehmbar ist.

Also: Die Düsseldorfer Altstadt hat jetzt auch zwei interessante untergärige Biere zu bieten. Das Füchschen Pils ist für mich unbedingt eine Bereicherung für die Stadt. Mit dem Hosen Hell von Uerige bin ich nicht so richtig warm geworden, das lebt für mich mehr von seiner Entstehungsgeschichte, die jedoch für sich auch eine schöne Sache ist, weil sie viel mit der Stadt und ihren Persönlichkeiten zu tun hat.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am Freitag, 28. Dezember 2018 und wurde abgelegt unter "Brauereiausschank, Helles, Nordrhein-Westfalen, obergärig, Pils, ralf, untergärig, Weizenbier". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen. Pingen ist zur Zeit nicht erlaubt.

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