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Neues vom Altstadthof Nürnberg: Roter Bock und roter Bio-Whisky

Nürnberg – das bedeutet für mich immer einen Abstecher zur Hausbrauerei Altstadthof. Dieser Ausflug hat sich heute für mich in zweifacher Weise gelohnt: Pünktlich zum Advent gibt es seit dieser Woche in der Hausbrauerei Altstadthof in Nürnberg zwei starke Neuheiten aus Rotbiermalz:

Einen Rotbierbock – erstmalig im Ausschank.

Ayrer’s Red Single Malt Whisky – ein Single Malt Whisky aus Rotbiermalz, in der vom Altstadthof gewohnten Bio-Qualität, und damit der erste deutsche Bio-Whisky überhaupt.

Als ich heute also wieder zum Altstatdhof ging, hoffte ich darauf, dass vielleicht eine weihnachtliche Spezialität im Ausschank wäre. Ich dachte an den dunklen Bock, den ich, so meine ich mich zu erinnern, in der Adventszeit dort schon mal genossen hatte. An der Tafel neben der Eingangstür stand dann auch tatsächlich ein Bockbier angeschrieben: Rotbierbock! Ich war früh dran, und die Bedienung war noch dabei, die Tische her zu richten, indem sie die Speise- und Getränkekarten darauf verteilte. Dabei fiel mir auf, dass die Karten irgendwie recht neu aussahen. Neue Speisen? Oder neue Preise? fragte ich mich. Nein, zwei ganz neue Getränke standen drin!

In der Bierliste taucht jetzt auf, in roten Buchstaben hervorgehoben

Neu ! RoterBock – Das Winterbier!

Wuchtiges, rotbraunes, mild gehopftes Starkbier

6,3% Alk. 16,4% Stammwürze

Und bei den Bierbränden war neu in der Liste, ebenfalls in rot

Neu! Ayrer’s RED Unser Single Malt Whisky!

AYRER’S RED ist der erste deutsche Bio-Whisky. AYRER’S RED wird hergestellt aus Bio-Gerstenmalz aus Franken, das durch spezielle Mälzung dem klassischen Nürnberger Rotbier die rötliche Farbe und den samtweichen Geschmack verleiht. Nach mind. 3 Jahren Reifung in neuen Fässern aus amerikanischer Weisseiche wird jedes Fass von Hand abgefüllt und numeriert.

AYRER’S RED 43% Bronze- 2011. AYRER’S RED 58 Silber-Medaille 2011.

Ich bestellte mir aber wie gewohnt, sozusagen zum Aufwärmen, zuerst ein „gewöhnliches“ Helles. Als ich fast schon so weit war, mir den Roten Bock zu bestellen, kam der Altstadhof-Chef Reinhard Engel in die Gaststätte. Er hat mich gleich gesehen (nicht schwer, da ich ja noch der einzige Gast war) und kam kurz zu mir rüber. Ob ich denn schon das Neue Bier gesehen hätte, fragte er mich. Die Frage ging an den richtigen 😛 . Klar, sagte ich, und dass da jetzt sogar auch ein Whisky in der Karte ist. Offenbar hoch erfreut über meine Wachsamkeit ob der Altstadthof-Spezialitäten meinte Herr Engel, dass man da doch gleich mal einen probieren könnte, und holte die Whisky-Flasche und zwei Gläser an den Tisch.

Roter Whisky

„Ayrer’s Red“ heisst der Altstadthof-Whisky. Es ist eine schwierige Frage, wie man sein Produkt auf dem heutigen stark beworbenen Markt platziert, der auch immer mehr von den Online-Medien bestimmt wird, sagt Herr Engel. Beim Whisky ist dafür zum Beispiel der Bezug auf den Herkunftsort eine gute Möglichkeit. „Ayrer“ und „Altstadthof“, wie passt jetzt das, frage ich mich. Das kommt daher, dass an der Stelle der heutigen Brauerei Altstadthof früher, im Mittelalter, ein Hofgut lag, dass den Namen „Ayrer“ oder „Ayrerhof“ trug. Das finde ich dann aber sehr genial und passend. Einmal, weil es damit kein Phantasiename ist, sondern eine Bezweichnung mit Tatsachenhintergrund, und weil der Name „Ayrer“ mit dem „Y“ darin so perfekt international und authentisch klingt (und ist!), wie die Namen vieler schottischer Whiskies, die von den Freunden des original Single Malt doch immer noch als das Nonplusultra des Whisky gesehen werden.

Herr Engel hatte mittlerweile schon längst den Whisky eingeschenkt, und das edle Elixier hatte ausreichend Zeit gehabt, im Glas sein Aroma zu entfalten. Und wenn der Chef selber schon mal was ausschenkt, dann lässt er sich nicht lumpen, und nimmt natürlich gleich die hochklassige Version des 58prozentigen, den Whisky in der Fassstärke! Und nicht ohne berechtigten Stolz erzählt er mir, dass er mit beiden Whiskies, der andere hat die übliche Trinkstärke von 43%, auf Anhieb, aus dem Stand heraus, bei der Destillata 2011 gleich zwei Preismedaillen abgeräumt hat: Bronze für den 43er und Silber für den 58er vor uns auf dem Tisch.

Rund dreieinhalb Jahre ist der Ayrer’s alt. Das klingt jetzt erst mal recht jung, wenn man an die Werbung der schottischen denkt, mit ihren zehn, zwölf und noch mehr Jahren. Länger aber soll es bei seinem Whisky nicht sein, sagt Herr Engel, weil seiner in neuen Fässern reift, und sonst das Fass zu viel von seiner Wirkung an den Whisky abgeben würde. Und tatsächlich: Der 58er wirkt überhaupt nicht eckig und kratzig, und auch gar nicht mal so stark. Richtig angenehm rund ist er, wirklich so samtweich wie sein bieriger Verwandter, das Rotbier, und rundum malzig. Keine Spur von dem torfig Rauchigen, das vor allem die schottischen Inselwhiskies haben. Auch in der Nase meint man die typische Malznote des Rotbieres zu riechen. Dazu natürlich dann schon auch den Alkohol. Und immer wieder und immer schöner das rote Malz.

Inzwischen habe ich schon einiges von der Kostprobe weggetrunken. Da schlägt Herr Engel vor, dass wir jetzt auch mal einen Schuss Wasser dazu geben könnte, um zu sehen, wie das hilft, die Whiskyaromen aufzuschließen. Sprachs, holte ein Fläschchen stilles Bio-Wasser und tat einen Spritzer hinein. Ich halte das Glas gegen das Licht und sehe wie sich darin die typischen Schlieren beim Vermischen von Wasser und Alkohol bilden. Herr Engel, ein wahrer Fachmann in Sachen Malzgärprodukten, erklärt mir den chemisch-physikalischen Hintergrund woher diese Schlieren beim Mischen kommen. Ich habe nicht alles behalten, aber eines doch, was er sehr anschaulich erklärte: Ein halber Liter Wasser und ein halber Liter Alkohol gemischt ergeben am Ende weniger als einen Liter „Schnaps“, etwa 2% ist der Volumenschwund.

Nach so viel lehr- und genussreichem Input vom Meister Engel ließ er mich dann wieder allein, um  das Gelernte zu Verdauen, und damit ich mich meinem ersten ursprünglichen Verlangen nach dem Roten Bock widmen konnte.

Roter Bock

Das Nürnberger Rotbier ist die Hauptsorte der Altstadthof-Brauerei. Und so dachte sich Herr Engel für die Adventszeit, dass man da dieses Bier mal wieder so richtig in den Mittelpunkt und ins Bewusstsein der Gäste stellen sollte. Das ist in jedem Falle eindrucksvoll gelungen.

„Wuchtig“ soll er laut der Beschreibung in der Karte sein. Und das ist er in der Tat. Schon im Geruch schön malzig bei gleichzeitiger Gärfrische. Nach Hopfen riechen andere Biere, Roter Bock riecht nach Rotbiermalz. Schön 🙂 . Im Antrunk merkt man dann so richtig, wie das mit dem „wuchtig“ gemeint ist. Volles weiches Malz kommt einem da entgegen, gefolgt von zartem Prickeln und einem überraschend sachten kaum herben Abgang. Der Rote Bock ist rundum auf das Rote Malz ausgerichtet, vollkommen aus- und nicht überreift, und geprägt von der fast schon sprichwörtlichen Samtweichheit, die auch das „normale Rote“ auszeichnet.

Ich muss den Roten Bock natürlich mit dem Standard-Rotbier vergleichen und bestelle mir ein kleines Probierglas vom letzteren. Im direkten Vergleich merke ich, wie der Rote Bock, der ja sozusagen ein „starkes“ oder „verstärktes“ Rotbier ist, diese „Verstärkung“ vor allem im Antrunk erfahren hat. Wenn mich mir eine Geschmacksintensitätskurve vorstelle, die über dem Ablauf des Trinkvorgangs aufgezeichnet wird, dann wäre beim Rotbierbock diese also am Anfang deutlich höher als beim Rotbier, um sich im Ausklang, immer noch darüber liegend, aber doch relativ schnell von oben an die Kurve des Rotbieres anzunähern.

Rotes Bier und roter Whisky

Wenn ich schon Roten Bock mit rotem Bier vergleiche, dann kann ich das auch noch mit dem roten Whisky tun. Das hat sich mehr oder weniger von selbst so angeboten, weil ich zur Abrundung meines heutigen Abstechers in den Altstadthof einfach noch den 43er Whisky probieren „musste“ ;-). Und da fand ich, dass diese beiden Malzprodukte wunderbar zueinander passen. Vor allem der Rote Bock konnte da noch mal seine wuchtige Malzstärke zeigen. Denn nach einem kräftigen Schluck Whisky war der Rotbier Bock immer noch angenehm malzig in der Wahrnehmung. Andere Biere empfinde ich nach einem Schluck von einer Spirituose sehr oft plötzlich muffig und intensiv „gärig“, um nicht zu sagen „faulig“, weshalb ich auf so eine Kombination von Bier und Schnaps in der Regel verzichte. Ganz anders heute hier im Altstadthof.

Harmonische Geschwister

Man merkt dem Roten Bock und dem Ayrer’s Red deutlich die Verwandtschaft an, welche die beiden über ihr Rohprodukt, das Rotbiermalz haben. Diese Verwandtschaft ist durch die Samtweichheit des Malzes eine von ungleichen Geschwistern, die statt sich zu streiten, in malziger Harmonie den dritten, den Gast, in diesem Falle mich, aufs höchste erfreuen.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am Montag, 28. November 2011 und wurde abgelegt unter "Biobier, Bockbier, Franken, Gasthausbrauerei, ralf". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen, oder einen Trackback senden von deiner eigenen Seite.

4 Kommentare

  1. benhur sagt:

    Oh, Ralf, danke für die Info und den Bericht – da MUSS ich baldmöglichst hin, wo mir gerade dieser Tage bewußt wurde, dass ich vor lauter Bier-Interesse in letzter Zeit mein Whisk(e)y-Interesse habe verkümmern lassen … und dann hier beides gleichzeitig aufs vorzüglichste pflegen können … himmlisch muss das sein!

  2. fwolf sagt:

    mal schaun .. wenn wieder mal Geld in die leeren Kassen gespült worden ist, werd ich auch mal wieder nach Nbg. wandern, und mir das begutachten. Als Rum-Freund muss ich übrigens sagen: Bockbier harmoniert außerordentlich gut mit Echtem Übersee- oder Overproof-Rum 😉

    cu, w0lf.

  3. benhur sagt:

    Gestern habe ich es in den Altstadthof geschafft, wo es zwar schon „gstopft“ voll war, aber ein nettes Päärchen Einheimischer noch Platz für uns machten. So konnten wir auch endlich den Rotbierbock probieren – eine Wucht! So geschmeidig, auch hier muss ich ohne wenn und aber Ralfs Euphorie zustimmen – ein tolles, wundervoll gelungenes Spitzenbier! Dazu passte dann auch das spitzenmäßige fränkische Essen.
    Zum Nachtisch mußte dann natürlich auch noch der Ayrer probiert werden: für einen so jungen Whisky tatsächlich erstaunlich rund; da ich eher auf die zarten Speysides u. ä. stehe, vermisse ich auch gar keinen Torf, das Rotbiermalz scheint genau das Richtige zu sein. Im Vergleich etwa zum 4-jährigen Slyrs (aus Schliersee), den ich noch in guter Erinnerung habe, verblüfft mich der Ayrer allerdings doch mit einer schon weit gediehenen Reife und Geschmeidigkeit. Trotzdem schade, daß es in Nürnbgerg dafür keine alten Fässer gibt, denn ich könnte mir vorstellen, dass ein wenig mehr Reife dieses elde Wässerchen doch noch ein wenig mehr perfektionieren könnte…
    Auf jeden Fall war der Genuß-Abend im Altstadthof wieder rundum gelungen!

  4. oliverxt77 sagt:

    Auch ich kann mich Ralfs und Benhurs Lobeshymnien nur anschliesen. Ein fabelhafter Bock, der alle Wünsche an ein starkes Bier voll und ganz erfüllt. Sogar sehr weit übertrifft! Es ist dem tollen Rotbierbock gelungen fast den ganzen Abend Gesprächsthema Nr.1 zu sein!
    Leider trinke ich zu selten einen guten Whisky um darüber ein aussagefähiges Urteil abgeben zu können, aber das könnte der Ayrer ändern.
    Altstadthof – wir sehen uns in zukunft öfters!

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