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Steinbach-Bräu Erlangen – Jubiläumsbier „Hopfenkrone“

steinbach_titel_02   steinbach_titel Im Frühjahr hatte ich das Glück, auf dem „Berch“, also auf der Erlanger Bergkirchweih den Braumeister Roman Gause von der Brauerei Steinbach kennen zu lernen. Wir unterhielten uns natürlich über Bier, und ich erzählte unter anderem von meinen Erfahrungen, die ich im Winter in Kalifornien mit den Hopfungskünsten der dortigen Kleinbrauereien, den „microbreweries“ und deren hopfigen Superstarkbieren, meistens Ales gemacht hatte. Damit waren wir schon beim richtigen Thema: Hopfen. Roman erzählte darauf, was für ein Fan der Hopfensorte „Saphir“ er wäre, dass er ebenso wie ich die „Hopfenweisse“ von Schneider so genial findet (da ist auch Saphir drin), und dass die Brauerei Steinbach, also er selbst, bereits ein Bier mit Saphir gebraut hatte. „Hopfenfrucht“ hieß das damals. Leider hatte ich diese Gelegenheit verpasst. Ein Spezalitätenbier mit Saphir! Auf meinem jüngsten Ausflug nach Franken sollte sich aber unverhofft eine zweite Gelegenheit ergeben. Nicht für die Hopfenfrucht, sondern für etwas noch viel Aufregenderes: Die „Hopfenkrone“, ein Bier das mit gleich drei Edelaromahopfen eingebraut wurde: Opal, Smaragd und natürlich unserem Liebling Saphir.

Die Hopfenkrone ist seit heute, 27.11.2011, im Ausschank, als das Bier des Monats. Gebraut wurde es anlässlich des 150jährigen Brauereijubiläums von Steinbach. (Als Mälzerei wird die Firma im Jahr 2017 400 Jahre alt sein.) Allzu lange wird das Bier nicht reichen. Die Hektoliterzahl, die Roman nannte, habe ich vergessen. Ca. drei Wochen aber solle der Vorrat groß sein.

Theorie

Ich habe versucht, mich vorher so gut wie möglich auf dieses Ereignis vorzubereiten. Dazu habe ich u.a. einen Artikel aus der „Brauindustrie“ – Ausgabe 2/2009 gefunden, in dem genau die drei Aromahopfen Opal, Smaragd und Saphir in ihren Braueigenschaften verglichen wurden. So hatte ich eine gewisse Vorahnung, was mich erwarten würde, die aber dann doch mit dem Live-Erlebnis nicht zu vergleichen war.

Ich merkte bei meinem Vorgehen, also mit meiner theoretischen Vorbereitung, dass dadurch mein Blick auf das Bier etwas verzerrt wurde. Ich versuchte zu Anfang eher, das Bier zu analysieren, als es zu genießen. Da trug auch das Beisein des Braumeisters etwas dazu bei, den ich natürlich über die inneren Werte der Hopfenkrone ausfragte. Roman gab mir folgende Informationen: Die Hopfenkrone ist ein obergäriges Bier mit hauptsächlich Gerstenmalz und 15% Dinkel. Das Besondere ist, dass hier zum ersten mal die drei Edelhopfen Opal, Smaragd und Saphir in dieser Art gemeinsam in einem Sud eingebraut wurden. Das Ziel war hierbei eine möglichst hohe Ausbeute aus den aromagebenden Hopfenölen zu erzielen anstatt aus den Harzen. Das nüchterne Analyseergebnis war ein Bier mit 29 Bittereinheiten und ca. 5,3% vol. alc.

Praxis

Nun aber genug der Theorie, viel aufregender für den Konsumenten ist das Trinkerlebnis. Das beginnt für mich immer mit dem Riechen am Bier. Die erste Hopfenkrone hatte noch eine recht starke Schaumhaube. Durch diese war das Edelaroma noch sehr schwach zu riechen. Wegen des enthaltenen Saphir musste ich die Hopfenkrone immer mit Schneiders Hopfenweisse, Tap 5 vergleichen. Die Hopfenkrone war ähnlich, aber dank des Schaumes recht dezent im Duft. Zu viel Schaum dämpft halt den Geruch. Nachdem sich der Schaum gesetzt hatte, wurde der hopfenaromatische Duft schon deutlicher, blieb aber stets angenehm und nie so knallig wie beim Tap 5. Der Knall kommt dann hinterher, beim ersten Schluck. Ganz deutlich sind die würzigen Aromanoten der drei Sorten wahrzunehmen, dann auch das citrusartige untermalt von blumig-fruchtigen Tönen. Durch die Kombination aus den drei Hopfen entsteht ein ganz breites und einmaliges Aromaspektrum. Was mich bis hier her ganz besonders beeindruckt hat, war dass ich nie zuvor erlebt hatte, dass die Hopfenaromen im Antrunk so klar und deutlich zur Geltung kommen. Beim Tap 5 oder auch bei den hochprozentigen Amerikanischen Ales war das Aroma am stärksten und direktesten in der Nase gewesen. Nicht so bei der Hopfenkrone. Hier muss man das Bier trinken, um zum vollen Hopfenerlebnis zu kommen. Die Ursache hierfür könnte sein, dass die hochprozentigen Biere in der Regel hopfengestopft sind, man bei der Krone die Hopfen aber in die heiße Würze gegeben hat. Und ich muss nun sagen: Natürlich schnuppere ich gern am Bier, aber es ist in erster Linie doch zum Trinken gemacht!

Jetzt fehlt noch der Abgang. Dieser war ganz klar seine 29 Bittereinheiten stark. Dabei aber herrlich samtig weich, dezent und dennoch deutlich.

Zwischenfazit

„Hopfenkrone“, das verheißt aufregende Hopfenaromen. Und diese hat man bei der Steinbach-Bräu perfekt in die Mitte des Bieres auf den Trinkpunkt gebracht.

Hopfenkunde vom Braumeister

Während ich so in einer kleinen Runde mit dem Braumeister die Hopfenkrone trank, schwärmte ich immer wieder über die Edelhopfen und lenkte so auch die Aufmerksamkeit einiger Ottonormalgenießer auf diese Zutat. Einen davon hatte ich dann wohl so zum Nachdenken darüber animiert, dass er plötzlich den Roman fragte, was denn z.B. der Unterschied zwischen einem Opal- und einem Smaragdhopfen sei. Da meinte Roman, das wäre am besten bildlich zu demonstrieren, und holte die Hopfeninformationsmappe. Darin konnten wir ganz deutlich sehen, wie die einzelnen Sorten in den Aromadimensionen blumig, citrusartig, fruchtig, süßlich und würzig jeweils unterschiedlich starke Intensität aufweisen. Saphir ist dabei in allen Dimensionen mittel bis stark, dafür aber überall etwa gleich ausgeprägt und in sich am ausgeglichensten. Smaragd hat von allen dreien die stärkste würzige Note und geht ansonsten eher in die fruchtig-süßliche Richtung. Opal ist hauptsächlich würzig.

Aha-Erlebnis

Nach dieser schaubildlichen Dartstellung hatte der Ottonormaltrinker ein richtig schön erkennbares Heureka-Erlebnis, und auch mir wurde klar, wie genial doch die Verwendung dieser drei Sorten zusammen ist. Wo die eine Sorte noch eine Schwäche hat, ergänzt die andere diese, und wo eine Sorte noch eckig und kantig ist, rundet die andere ab. In der Würze schließlich unterstützen sich alle drei.

Und noch ein Aha-Erlebnis gab uns Roman – bezüglich der Namensgebung: Saphire, Smaragde und Opale sind genau die Edelsteine, die in eine Königskrone eingearbeitet werden. ❗

Wissend weiter genießen

Mit diesem Wissen ausgestattet kann ich jetzt noch mal mein Trinkerlebnis während der nächsten Hopfenkronen zu beschreiben versuchen.

Im Antrunk empfinde ich immer eine leicht süßliche Wirkung. Darauf angesprochen sagt Roman, dass das Bier eigentlich hoch vergoren ist, also kein Restzucker drin sein kann. Fremdzucker sowieso nicht, wegen des Reinheitsgebots (da hatte er meine Frage wohl leicht falsch verstanden). Er meint schließlich, der Süßeeindruck müsse wohl von den Hopfen kommen.

Nach der Aufregung der ersten (und zweiten 😉 ) Hopfenkrone kann ich mir mit dem Trinken Zeit lassen und dem Bier die Gelegenheit geben, sich auch etwas zu erwärmen. Zu Anfang, frisch gezapft, ist der Duft der Krone eher citrusdominiert. Mit zunehmender Temperatur kommen auch die anderen Hopfenaromarichtungen und die obergärigen Aromen dazu: Die Krone wird fruchtdominiert, mit dezenten Gewürznoten wie etwas Nelken und Piment.

Und im Mund dann die volle Hopfenwirkung mit der ganzen Breite der Aromaausrichtungen. Diese Hopfenwirkung ist in sich und in Verbindung mit der Biergrundlage höchst kultiviert und ausbalanciert. Die obergärige Brauart mit Gerstenmalz und 15% Dinkelmalz lässt sich noch ausgesprochen „bierig“ wahrnehmen. Auf dieser Grundlage wird aus den Hopfen keine „Hopfenbombe“ wie die oben erwähnten Starkbiere. Stattdessen hat man mit der Hopfenkrone ein rundum angenehmes, elegantes und edles Hopfenerlebnis.

Fazit

Die Hopfenkrone ist ein außerordentlich aufregendes Bier. Drei moderne Edelhopfen wurden hier perfekt untereinander ausbalanciert, sodass die Aromaeigenschaften der Hopfen stark, deutlich und klar zu schmecken sind. Und das ist genau der Punkt: sie sind in erster Linie zu schmecken, direkt und natürlich. Auch wenn für die Nase immer noch mehr als ausreichend Aroma übrig bleibt, so hat der Mund am meisten von der Hopfenkrone. Doch was wäre eine Krone, wenn man keinen Körper (oder Kopf) zum Aufsetzen hat? Auch der obergärige Körper der Hopfenkrone ist perfekt. Stark genug, um die Hopfenkrone zu tragen, und stark genug, um dieses geniale Bier trotz allem eben auch noch ein Bier sein zu lassen. Manch andere Brauereien haben aus Hopfen Hopfenbomben gebraut. Bei Steinbach dagegen setzt man dem Bier eine Krone auf.

„Hopfenkrone“ – ein edler Name für eine wirklich edle Bierkreation, mit der die Steinbach-Bräu ganz auf der Höhe der Zeit – nein, stimmt nicht – ich meine: der Zeit voraus ist!

Abschließend noch die Bilder von meinem Abend mit der Hopfenkrone

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am Sonntag, 27. November 2011 und wurde abgelegt unter "Franken, obergärig, Privatbrauerei, ralf". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen, oder einen Trackback senden von deiner eigenen Seite.

1 Kommentar

  1. benhur sagt:

    Juchuh, ich hab noch was abgekriegt von der Hopfenkrone! Ein wunderbares Bier, ich kann Ralf in allen Punkten nur heftigst zustimmen! Der breite würzige Hopfengeschmack, der cremige tragende Körper (muss im Dinkel begründet sein, ich bin spontan ans Volkerbräu Dinkel erinnert), das bierige der obergärigen Hefe, alles wunderbar abgestimmt, absolut perfekte Harmonie! Schwärm!

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