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feine Biere, wo und wie wir sie am liebsten haben

Zu Besuch beim Haderner Bräu

Ich hatte mal irgendwo in einem Biomarkt in München eine Flasche stehen sehen, deren Etikett meine Aufmerksamkeit errang, da ich von dieser Münchner Brauerei noch nie gehört hatte: Haderner Bräu, im Stadtteil Hadern (logisch). Damals konnte ich allerdings die Flasche aus Platzgründen nicht mitnehmen und hab’s dann einfach wieder vergessen. Umso mehr freute ich mich über eine Einladung von Marta Girg, doch einfach mal vorbei zu schauen. Freitags nachmittags seien sie immer da, und probieren und natürlich auch kaufen könne man da auch alles. Mitte April klappte es endlich. Auf dem Weg von der U-Bahn kamen mir allerdings erhebliche Zweifel, ob hier in der Siedlung zwischen den Häuschen eine Brauerei finden könne – immerhin, ein hervorragend (mit allen! Münchner Craft-Brauern) bestückter Getränkeladen war die Garantie, dass der Ausflug auf keinen Fall vergeblich werden würde. Und dann sah ich auch schon ein Team vom Bayrischen Rundfunk direkt auf ein Hoftor zusteuern… da war’s ja!

Zufällig war an dem Tag gerade Drehtag für eine Folge von „Schwaben & Altbayern“ über kleine, aber erfolgreiche Brauer. Inzwischen habe ich auch gefunden, wann sie ausgestrahlt wurde: am 22.4.2018 um 17:45, noch zu finden in der BR-Mediathek (nach gut 10 Min. geht’s mit dem Thema los) oder bei Youtube (nur der Brauerei-Beitrag) – nach ca. 4 Min.  kommt Haderner dran. Unbedingt anschaun!

Trotz dem Rummel nahmen Marta und Thomas sowie Brauerlehrling Quirin (im 2. Lehrjahr) sich Zeit, jeden ankommenden Besucher zu begrüssen und auf eine Verkostungsrunde einzuladen.

Marta hatte das ganze aktuelle Sortiment bereit und wurde nicht müde, jedem aufs Neue die Biere vorzustellen und natürlich einzuschenken. Quirin zeigte uns die Brauanlage und beantwortete kompetent alle Fragen zum Herstellungsprozess. Hier werden nur Biobiere aus regionalen Zutaten gebraut. Der Maische- und Läuterkessel mit einem Ausschlag von 1000l kommt aus China, es stehen (nein: liegen) 7 Gärtanks in der Halle sowie 12 Lagertanks, davon sind 4 portabel und dienen als Abfülltanks. Bei 3-4 Brautagen pro Woche (mit je 1 Sud, schneller geht’s nicht) will das Team heuer auf 1400Hl kommen. Und die gehen auch weg! Denn es schmeckt, sehr fein nämlich, und zwar alle Sorten:

Nach dem Intro („leichtes Helles“, nur im Hofverkauf, 2,9% alc. bei 100% Geschmack!) fangen wir also mit dem Hellen an. Die Optik ist auf jeden Fall perfekt: zitronengelb klar mit einem festen reinweißen Schaum. Ordentlich Kohlensäure macht es spritzig und erfrischend (das stünde einem bayrischen Pils auch nicht schlecht), fruchtige Noten sind getragen von einem nicht zu zarten aber auch nicht zu kräftigem Malzkörper – richtig süffig. Das ist ein „ganz normales“ Helles, das nicht mit Überraschungen punkten will, sondern mit Perfektion und Reinheit. Sehr schön!

Die Weisse toppt dies Optik noch: ein bischen mehr Bernstein, aber auch noch klar, der Schaum einen Ton erdiger. Auch hier vor allem ein fruchtiger Duft. Es hat nicht die typische Bananen-Süße vieler Weizenbiere, sondern bleibt auf der fruchtigen Schiene, das gefällt mir persönlich ausgezeichnet – so ein Weißbier würde ich gern öfter trinken!

Das Dunkel kannte ich eigentlich schon, aber so im direkten Vergleich und im selben Ambiente lohnt sich eine neue Verkostung. Auch hier fällt auf, wie hammermäßig gelungen und einladend schon die optische Erscheinung ist: kastanienbraun, cremiger Schaum. Die Nase wird verwöhnt mit Pumpernickel- und Dörrobst-Aroma, ein Traum! Auch im Gaumen ist die Süße mäßig, auch die Röstaromen eher zart, eine schöne Fruchtigkeit und brotige Noten machen einen sehr ausgewogenen Eindruck. Dieses Bier würde sicher ausgezeichnet zu jeder Brotzeit passen – obwohl es auch stark genug für sich alleine genossen werden kann.

Winterbier nennen die Girgs ihr Festmärzen, denn das gibt es eigentlich nur in den Wintermonaten, es wird für den Marienplatz-Christkindlmarkt gebraut. Letztes mal war aber die Nachfrage so groß und das Bier so schnell weggetrunken, dass es nachgebraut werden musste, und davon haben wir nun zum Glück noch was. Eine absolut perfekte Märzen-Optik (muß der Franke neidlos zugeben), ein malz-betonter Antrunk, dazu auch hefige Noten, ganz genau so gehört sich das! 

Ein IPA gibt es auch beim Haderner. Und das wird mit Emmermalz gebraut – eine Herausforderung für Brauanlage und Brauer (beim Läutern sehr zickig). Für ein „pale“ Ale ist es ganz schön dunkel, auch recht trüb und cremig (jedenfalls der Rest aus der Flasche hier). Durch den Schaum dringen recht schön gemischte fruchtige Noten, die auch den Antrunk mit bestimmen, aber auch ein kräftiger Malzkörper kommt rüber, es bleibt ein frischer Eindruck, auch durch die leichte Bittere. Ich würde mal sagen, das ist ein IPA für Leute, die eher die traditionell bayrischen Sorten gewohnt sind und sich vorsichtig an diese englische Sorte wagen wollen.

Ich bin ordentlich beeindruckt! Auch auf dieser Seite Münchens werden also Spitzenbiere gebraut 😉 – und ich werde keins dieser hübschen Flaschen mehr im Biomarkt stehen lassen, selbst wenn dafür der Salat liegen bleiben muss.

Aber ich habe mir auch noch eine Flasche holzfassgelagerten Bock mit eingepackt, der zu gegebenem Zeitpunkt noch ein ganz besonderes Schmankerl werden wird…

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am Mittwoch, 13. Juni 2018 und wurde abgelegt unter "benhur, Biobier, Oberbayern, Privatbrauerei". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen. Pingen ist zur Zeit nicht erlaubt.

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