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feine Biere, wo und wie wir sie am liebsten haben

Düsseldorfer Altbier Einmalvier

Wer noch nie in Düsseldorf gewesen ist, der denkt bei Altbier wahrscheinlich erst an Diebels. Das ist einfach das Altbier mit der umfangreichsten Werbung im Fernsehen und an den großen Plakatwänden und Litfaßsäulen Deutschlands. Biertrinkern, die schon mal irgendwie mit dem Rheinland in Berührung waren, dürften dann vielleicht auch Frankenheim, Schlösser oder Hannen begegnet sein. Alles große Namen, leider aber keine großen Biere (mehr). Alle sind bereits in der Hand der großen Bierkonzerne: Diebels beim Braumonster InBev, Frankenheim gehört zu Warsteiner, Schlösser zur Radeberger Gruppe und Hannen zum dänischen Carlsberg Konzern. Je größer der Bierhersteller, desto schlechter sein Bier. Das gilt leider auch für den Geschmack dieser vier Biere. Da wird es höchste Zeit, hier das Einmalvier der Düsseldorfer Hausbrauereien vorzustellen. Sie haben alle ihren Ausschank an der „Längsten Theke der Welt“, der Düsseldorfer Alstadt, und drei davon brauen auch dort.

Schlüssel

Hausbrauerei „Zum Schlüssel“, Bolkerstraße 41-47, Altstadt.

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Für mich das süßeste der Biere aus dem Einmalvier und das mildeste. Ich würde es Damen und Altbiereinsteigern empfehlen.

Besonders nett finde ich den Trinkspruch an der Außenfassade der Schlüssel Brauerei:

ISS WAS GAR IST – TRINK WAS KLAR IST – SAG WAS WAHR IST

duesseldorf_schluessel_aussen.jpg duesseldorf_schluessel_fass.jpg duesseldorf_schluessel_sudhaus.jpg

Schumacher

Brauereiausschank „Im Goldenen Kessel“, Bolkerstraße 44, Altstadt. Stammhaus und Brauerei in der Oststraße 123, unweit vom Hauptbahnhof.

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Das „Herbe Wilde“. Ist Schlüssel für die Dame gut geeignet, so ist das Schumacher ein Bier für den Herrn. Es strengt ein wenig an, dieses Bier zu trinken, und ist doch gleichzeitig ein Hochgenuss für alle Sinne. Ähnlich wie ein junger wilder Rotwein. Man muss sich wie durch eine harte Nuss erst an den Ecken und Kanten vorbei zum weichen malzigen Kern des Schumacher durcharbeiten. Für mich das bierigste Bier im Einmalvier.

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Auch das Schumacher prägt einen schönen Trinkspruch, hier auf dem Bierfilz:

Ein jeder spricht vom vielen Trinken – doch niemand spricht vom großen Durst!

duesseldorf_schumacher_latzenbier.jpg duesseldorf_schumacher_latzenbier_ankuendigung.jpg An drei Tagen im Jahr gibt es das Schumacher in einer verschärften Ausgabe – als Starkbier. Das trägt dann den Namen „Latzenbier“ und kommt jeweils am dritten Donnerstag im März, September und November zum Ausschank. Das wird dann immer mit einem großen Brauereifest mit Livemusik gefeiert. Ich war da schon zwei mal dabei. Einmal im Innenhof des Stammhauses. Dort wird es am Latzenbiertag dann ganz schön eng. Im Ausschank im Goldenen Kessel kann man die Sache etwas entspannter angehen, wenn man an den Thekentischen an der Bolkerstraße steht. An Latzenbiertagen, wenn die Musiker ein entsprechendes Lied spielen, kann dann mitten im Sommer schon mal vorübergehend der Karneval in Düsseldorf wieder ausbrechen. Das muss man echt mal erlebt haben.

Füchschen

„Brauerei im Füchschen“, Ratinger Straße 28, Altstadt.

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Verglichen mit dem Schlüssel ist das Füchschen ein „herberes Süßes“ und sehr süffig. Ein Bier mit hohem Sitzenbleibwert. Es muss aber wie in der Brauereischwemme vom Fass kommen. Auf der Rheinkirmes z.B. bekam ich eines aus der Zapfanlage und hatte es gar nicht wiedererkannt. Das Kirmes-Füchschen hätte sich in die Gruppe der Vier schlechten „Großen“ vom Anfang des Artikels einreihen können. An der Ratinger Straße dagegen schmeckt es genial: rund, malzig, erfrischend.

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Uerige

„Obergärige Hausbrauerei“, Berger Strasse 1, Altstadt.

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Dieses Bier ist unter den vier Hausbrauereibieren einfach das „Totale Alt“. Es hat von allem alles und ist das reichhaltigste und abgerundetste von allen. Der Geschmack geht von süß-herb bis herb-süß. Es hat auch etwas von der urtümlichen Wildheit des Schumacher, aber etwas mehr gebändigt – das „Milde Wilde“ also.

duesseldorf_uerige_aussen.jpg duesseldorf_uerige_werbespruch.jpg duesseldorf_uerige_stehtische_aussen.jpg In der Brauerei in der Altstadt ist immer großer Touristenauflauf und viel Gedränge. Dagegen ist nichts zu sagen, ja es gehört auch irgendwie dazu, wenn man ein echtes Alt auf echte Art und Weise erfahren will. Man kann die Düsseldorfer Gastronomie aber auch anders erleben, nämlich im Lokal „Meckenstock’s“, das der Kabarettist Manes Meckenstock im Düsseldorfer Stadtteil Bilk zusammen mit der Kleinkunstbühne „Haus der Freude“ betreibt. Dort bekommt man authentische Rheinische Speisen serviert – mein Lieblingsessen: der echt Rheinische Sauerbraten vom Pferd. Die Küche hat jedoch auch hervorragende asiatische Speisen auf der Karte. Und zu allem gibt es ein gepflegtes Uerige vom Fass.

duesseldorf_uerige_ausschank_meckenstocks.jpg koeln_ddorf_malzmuehle_meckenstocks_eingang.jpg Die Adresse vom Meckenstock’s ist Elisabethstraße 82, das Haus der Freude ist nebenan um die Ecke in der Bilker Allee 163. Manes Meckenstock kümmert sich sehr sorgfältig um sein Lokal. Das merkt man nicht zuletzt daran, dass der Künstler oft selbst anwesend ist. Beim letzten mal wurde mir sogar die besondere Ehre zu Teil, ein Uerige vom Meister Meckenstock persönlich serviert zu bekommen, das er sogar vorher noch selbst gezapft hatte. 🙂

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am Montag, 21. Juli 2008 und wurde abgelegt unter "Altbier, Brauereiausschank, Fassbier, Nordrhein-Westfalen, obergärig, ralf". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen, oder einen Trackback senden von deiner eigenen Seite.

8 Kommentare

  1. Tobias sagt:

    Hallo,

    ich wollte die Leser dieses Blogs auch einmal darauf aufmerksam machen, dass es ALLE oben genannten Biersorten in den gängigsten Größen (sogar als 5L-Partyfass!) in meinem Onlineshop zu bestellen gibt:

    DüsselShop – http://www.duesselshop.com

    Außerdem gibt’s dort neben Altbier auch die anderen düsseldorfer Spezialitäten wie Senf, Killepitsch und Co. Ideal als Geschenkidee! 😉

  2. Philipp sagt:

    Hi,

    ich als Düsseldorfer muss sagen: ein echt guter Artikel, der die Gegebenheiten authentisch wiedergibt. Die großen sind einfach nicht zu gebrauchen (Diebels kommt nicht mal aus Düsseldorf!), die Hausbrauereien sind eigentlich der einzige Grund, warum der Düsseldorfer Alt trinkt. Vermutlich wären die meissten (ich auch) sonst schon vollends beim Pils gelandet.

    Weiter so!

  3. Wolfgang sagt:

    Hallo zusammen,
    auch ich möchte den Artikel loben. Nicht nur weil ich auch Düsseldorfer bin, sondern weil ich finde das die Biersorten gut beschrieben wurden. Persönlich bin ich zwar der Meinung, (bei dem Altbier von der Stange) wenn es nicht anders geht dann kann es auch ein Frankenheim(er) sein. (man ist ja auch einmal nicht in Düsseldorf) Aber ob man das „Hannen“ als Bier bezeichnen sollte? Ich find das geht zu weit.
    Aber eigentlich schreibe ich hier um einen wesentlichen Punkt zu ergänzen. Das Urige hat nämlich auch (wie das Schumacher) zwei Starkbiertage. Diese sind jeweils jeden 3. Dienstag im Januar und im Oktober. Nennt sich dann aber Sticke Bier. Für die die es noch nicht kennen, sollte man fairerweise sagen: Trinkt erst einmal 2 Stück und achtet nicht so auf den Geschmack. Aber dann freut euch schon einmal auf die die danach kommen. Ein pures muss. Mir jedoch schmeckt schon das erste.
    In diesem Sinn. Prost und lasst es euch gut schmecken.
    Nur eine Bitte an alle. Wenn Ihr ein Uerig(es) oder ein Schumacher oder ein Füchsen getrunken habt und es euch geschmeckt hat, dann sagt doch bitte allen aus der falschen Seite des Rheins hausen wie gut so ein Altbier ist. Hähä „Ist ja nur Spaß“

  4. AltFranzl sagt:

    An alle Altbier Freunde, kennt ihr schon die Seite.

    http://www.alt-knallt.de

    Wir kämpfen für unser gutes Altbier! Lasst die Kölner Alt Aussehen!

  5. Roland sagt:

    Hallo liebe Altbier Freunde – oder Hasser,

    wir finden es ist an der Zeit, dass mal wieder jemand etwas fürs Altbier macht. Damit das Düsseldorfer Altbier wieder zu dem wird, was es mal war, lassen wir es jetzt auf alt-knallt.de richtig krachen. Weil Alt eben knallt.

    Besucht unsere Seite: http://www.alt-knallt.de

  6. ralf sagt:

    Das Meckenstock’s an der Elisabethstraße ist seit Aschermittwoch geschlossen. Die Baustelle, die auf meinen Bildern auch zu erkennen ist, hat wohl zu viele Gäste fern gehalten.

    Doch bald schon wird es in Düsseldorf ein neues Meckenstock’s geben: An Ostern eröffnet Manes Meckenstock wieder an neuer Stelle. Er hat das Restaurant und Bootshaus im Volksgarten übernommen.

    Mehr unter: http://www.meckenstocks.de

  7. Ein super Beitrag über unsere Altbiere. Mein Favorit ist in der Liste ganz klar das Fuechschen. Super frisch und lecker. Ich persönlich trinke auch fast nur die Hausbrauerei-Biere. Ist zwar etwas teurer (der Literpreis so ca. 3 EUR wenn man im Kasten kauft) – aber es lohnt sich dafür doppelt im Geschmack.

    2 Nachträge für Eure Liste habe ich aber noch:

    Ein noch nicht ganz so verbreitetes Hausbrauerei-Altbier im Umkreis Düsseldorf ist auch das Langenfelder Alt im Moment mein absolutes Lieblingsbier – aber noch ein echter Geheimtipp. Gibt nur sehr wenige Gaststätten die das Ausschenken.

    Und noch ein weiteres Altbier was in der Liste fehlt ist das Kuerzer. Wird auch in der Altstadt in Düsseldorf gebraut.

    Prost und unser Düsseldorf lebe hoch!

  8. benhur sagt:

    Es gibt noch eine Aktualisierung, denn wir haben bei einem weiteren Besuch noch was Neues entdeckt:
    Das Silberfüchschen ist ein Weißbier beim Füchschen. Hellgelb und satt leuchtend in der Vormittagssonne, fruchtig duftend und mit einer schönen orange-artigen Note ein perfektes „erstes Bier“ für den Tag!
    Damit der Übergang leichter fällt zum Alt kann man ja danach von der wirklich tollen Alt-Eiskrem beim Füchschen schlecken – die ist echt wie cremig gefrorener Altbierschaum! „Wer einmal leckt, der weiß wie’s schmeckt!“ – JA!

    Außerdem haben wir noch im Alten Bahnhof Oberkassel ein „Gulasch Alt“ probiert: deutlich dunkler als die meisten und ein stark malziger Duft. Ein kurzer und leicht fruchtiger Antrunk geht schnell ins Malzige über und legt einen trocken-würzigen Abgang hin, bei dem Kräuter kratzend liegen bleiben. Unerwartet ist das und auch unrund, als wäre das ganze noch nicht ausgereift. Vielleicht sollte man diese Brauerei in ein paar Jahren nochmal testen…

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